InATheGer: Studie prüft ambulante Therapie für 540 Menschen ab 70
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Versorgung älterer Menschen mit komplexen gesundheitlichen Einschränkungen erfordert koordinierte Konzepte zwischen verschiedenen Fachdisziplinen.
Einen methodischen Rahmen hierfür beschreibt das Studienprotokoll zur Intensivierten Interprofessionellen Ambulanten Therapie Geriatrischer Patienten, kurz InATheGer, das im Fachjournal BMC Geriatrics unter der DOI 10.1186/s12877-026-08363-0 publiziert wurde.
Das Projekt ist zudem im Deutschen Klinischen Studienregister unter der Registernummer DRKS00036229 mit Datum vom 8. April 2025 verzeichnet. Wie ein Bericht des Portals scienmag.com vom 21. Oktober 2026 darlegt, handelt es sich bei der Veröffentlichung um das methodische Konzept; statistische Wirksamkeitsergebnisse liegen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vor.
Multizentrischer Aufbau und Struktur der Intervention
Das Vorhaben ist als multizentrische, randomisierte kontrollierte Studie angelegt und wird im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt. Insgesamt sollen 540 Patientinnen und Patienten ab einem Alter von 70 Jahren in die Untersuchung eingeschlossen werden. Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgt dezentral über drei regionale ambulante Zentren.
Im Rahmen des Studiendesigns werden die älteren Patienten in einer 1:1-Zuteilung entweder der bisherigen Standardversorgung oder der intensivierten interprofessionellen ambulanten Therapie zugewiesen.
Für die Interventionsgruppe erstreckt sich die Maßnahme über eine Gesamtdauer von 14 Wochen, innerhalb derer 20 Therapietage absolviert werden. Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei ein sogenannter InA-Manager, der für die fallbezogene Steuerung und die Vernetzung der verschiedenen beteiligten Berufsgruppen zuständig ist.
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Zielgrößen und methodische Erhebungszeitpunkte
Das primäre Ziel der wissenschaftlichen Begleitforschung liegt in der Messung der funktionellen Unabhängigkeit und Mobilität der Betroffenen. Dieser primäre Endpunkt wird 18 Wochen nach Beginn der Maßnahme erhoben und operationalisiert über eine adaptierte Fassung des Instruments zur Messung der funktionalen Selbstständigkeit (Functional Independence Measure).
Neben dem Primärendpunkt erfassen die Forscher mehrere sekundäre Zielgrößen. Dazu zählen:
- die gesundheitsbezogene Lebensqualität, erhoben mittels des standardisierten Fragebogens EQ-5D-5L,
- die medikamentöse Versorgung und etwaige Anpassungen im Behandlungsverlauf,
- die quantitative Inanspruchnahme von medizinischen und pflegerischen Leistungen,
- die durch das Versorgungsmodell entstehenden ökonomischen Kosten.
Die strukturierten Assessments zur Datenerhebung finden zu drei festgelegten Zeitpunkten statt: zu Beginn vor dem Interventionsstart (Baseline) sowie nach Ablauf von 18 und 31 Wochen.
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Einordnung in aktuelle Ansätze der Primärversorgung
Das InATheGer-Projekt spiegelt strukturelle Herausforderungen wider, die auch auf gesundheitspolitischer Ebene diskutiert werden. Ein Bericht des WHO European Observatory vom 20. Oktober 2026 betont die Relevanz personenzentrierter Versorgungsansätze bei chronischen Mehrfacherkrankungen in Europa.
Auch in Deutschland plädierten die Gesundheitsminister René Wilke aus Brandenburg, Karl-Josef Laumann aus Nordrhein-Westfalen, Oliver Hildenbrand aus Baden-Württemberg und Andreas Philippi aus Niedersachsen in einem Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium für verbindlichere Strukturen und neue Rollenprofile wie Primärversorgungsmanager zur Patientensteuerung.
Der Paritätische Verbandsrat verabschiedete seinerseits im September 2026 Eckpunkte, die multiprofessionelle, sozialraumorientierte Netzwerke fordern, um Versorgungsbrüche bei vulnerablen Patientengruppen zu verringern. InATheGer testet diesen Ansatz in Mecklenburg-Vorpommern exemplarisch im ambulanten geriatrischen Sektor.
