Intervallfasten: 22 Studien finden keinen Vorteil beim Gewichtsverlust
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 01:55 Uhr | Redaktion boerse-global.deIntervallfasten gilt seit Jahren als populärer Ansatz zur Gewichtsreduktion und Stoffwechselverbesserung. Eine systematische Überblicksarbeit der Cochrane Collaboration relativiert jedoch weit verbreitete Annahmen über dessen Überlegenheit gegenüber herkömmlichen Ernährungsansätzen.
Die Auswertung von 22 Studien mit über 1990 erwachsenen Teilnehmern aus Nordamerika, Europa, China, Australien und Südamerika mit einem Beobachtungszeitraum von bis zu 12 Monaten ergab, dass Intervallfasten bei Erwachsenen mit Adipositas für den Gewichtsverlust nicht effektiver ist als eine ausgewogene Ernährung oder Diät. Zudem zeigte sich keine signifikante Verbesserung der allgemeinen Gesundheitsgewohnheiten.
Eingeschränkte Übertragbarkeit und klinische Einordnung
Die Studienautoren um Eva Madrid vom Institut de Recerca Sant Pau in Barcelona und Luis Garegnani vom Hospital Italiano in Buenos Aires betonen, dass es keinen starken wissenschaftlichen Beleg für eine klinische Empfehlung von Intervallfasten gebe.
Die analysierte Studienpopulation bestand überwiegend aus weißen Personen aus einkommensstarken Ländern, weshalb die Ergebnisse laut dem Review nicht uneingeschränkt auf die Gesamtbevölkerung übertragbar sind.
Die Relevanz von Ernährungsinterventionen bleibt dennoch hoch: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mit Stand von 2022 leben in reichen Ländern etwa 2,5 Milliarden Menschen mit Übergewicht, darunter 890 Millionen mit Adipositas.
Effekte in Kombination mit Sportprogrammen
Ergänzende Erkenntnisse liefert eine in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Untersuchung der Universität Granada. Forschende des dortigen Joint Research Institute of Sports and Health sowie des Biomedical Research Institute teilten 187 Erwachsene mit Adipositas in vier Gruppen ein: Intervallfasten mit einem achtstündigen Essensfenster, ein überwachtes hochintensives Aerobic- und Krafttraining, eine Kombination beider Maßnahmen sowie eine Standardbehandlung mit mediterraner Diät und Bewegungsedukation.
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Nach zwölf Wochen verloren die Fastengruppen im Durchschnitt rund 2,2 Kilogramm mehr Gewicht als die Standard- oder die reine Sportgruppe. Die Kombination aus Fasten und körperlichem Training reduzierte das Körperfett am stärksten. Beide sporttreibenden Gruppen verbesserten ihre kardiorespiratorische Fitness, während der Leberfettgehalt in allen vier Gruppen sank.
In der Kombinationsgruppe erfüllten rund 30 Prozent der Teilnehmenden die Diagnosekriterien einer Fettleber nicht mehr, wobei dieser Effekt bei Männern stärker ausfiel als bei Frauen.
Grenzen bei Langlebigkeit und Stoffwechsel
Auch die Annahme, Intervallfasten könne die menschliche Lebensspanne messbar verlängern, stößt in der Fachwelt auf Skepsis. Die Geriaterin Anna Chodos von der University of California, San Francisco, erklärte, dass eine lebensverlängernde Wirkung beim Menschen nicht nachgewiesen und die Methode nicht besser sei als eine herkömmliche Kalorienreduktion. Sie warnte davor, Ergebnisse aus Tierversuchen unkritisch auf den Menschen zu übertragen.
In der Grundlagenforschung am Tiermodell beobachtete Naresh Ganesh von der Uniklinik RWTH Aachen zwar eine Reduktion von Entzündungen und positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System; diese Resultate sind jedoch bislang nicht auf den Menschen übertragen worden.
Ganesh stellt seine Untersuchungen zum Immunsystem am 7. November 2026 im Rahmen der Berlin Science Week im Haus der Kulturen der Welt in Berlin vor, eine weitere Präsentation ist für den 18. Januar 2027 in Aachen geplant.
Während eine im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics publizierte Untersuchung Intervallfasten mit einer verbesserten Insulinsensitivität und einem geringeren Risiko für chronische Krankheiten verknüpft, mahnte Dr. Gregory Tucker von der University of Ohio zur Zurückhaltung.
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Tucker gab zu bedenken, dass Gewichtsverlust keineswegs garantiert sei und positive Effekte meist nur in Kurzzeitstudien belegt wurden. Zudem warnte die Ernährungsexpertin Luiza Robbins davor, dass Intervallfasten für Frauen hormonell bedingt problematisch sein könne, da Blutzuckerschwankungen vor allem in der lutealen Phase auftreten.
Fachleute empfehlen stattdessen vor allem eine ausgewogene, langfristig durchhaltbare Zufuhr aller Makronährstoffe kombiniert mit ausreichender Bewegung.
