Intervallfasten, Cochrane-Review

Intervallfasten: Cochrane-Review stellt Überlegenheit infrage

Veröffentlicht am: 07.06.2026 um 15:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine aktuelle Analyse von 22 Studien relativiert die Vorteile des Intervallfastens beim Abnehmen. Experten kritisieren zudem die VernachlÀssigung anderer Gesundheitsaspekte.

Intervallfasten: Cochrane-Review stellt Wirksamkeit infrage
Eine Hand hĂ€lt einen roten Apfel vor einem verschwommenen Hintergrund, der Wissenschaft und Forschung andeutet. Fokus auf ErnĂ€hrung und Gesundheit. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Ein aktueller Cochrane-Review mit rund 2.000 Erwachsenen aus 22 Studien stellt die Überlegenheit beim Gewichtsverlust infrage. Die Auswertung deutet an, dass andere DiĂ€tformen hier sogar effektiver sein könnten.

Kritik kommt von Fachleuten wie Prof. Leonie Heilbronn von der Adelaide University. Sie bemĂ€ngelt, dass eine pauschale Zusammenfassung verschiedener Fastenmethoden problematisch sei. Die Forschung konzentriere sich zu stark auf das Gewicht und vernachlĂ€ssige andere Vorteile – etwa positive Effekte auf den zirkadianen Rhythmus.

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Fasten wirkt je nach Alter unterschiedlich

Untersuchungen aus dem Juni 2026 zeigen zudem: Die Auswirkungen des Fastens hĂ€ngen stark vom Lebensalter ab. Bei Menschen ĂŒber 60 Jahren beobachteten Forscher andere physiologische Reaktionen als bei jĂŒngeren Probanden. Es existiere ein Zielkonflikt zwischen Gewichtsverlust und anderen Gesundheitsmarkern – mit spezifischen Risiken fĂŒr Ältere.

Warnung vor KrebsdiÀten und SkinnyTok

Neben dem Fasten stehen drastische DiĂ€tformen in der Kritik. Der Onkologe Prof. Dr. med. Volkmar NĂŒssler warnte bereits 2024 vor sogenannten KrebsdiĂ€ten. Sie könnten den Körper in kritischen Phasen schwĂ€chen. WĂ€hrend einer Chemotherapie sei eine ausreichende Zufuhr von Proteinen (1 bis 1,5 Gramm pro Kilo Körpergewicht) und Kalorien (25 bis 30 Kilokalorien pro Kilo) entscheidend. Ein Gewichtsverlust von mehr als fĂŒnf Prozent in drei bis sechs Monaten gilt als erheblicher Risikofaktor.

Parallel warnen psychologische FachverbĂ€nde vor Social-Media-Trends. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) wies Anfang Juni auf die Gefahren von Inhalten unter Schlagworten wie „SkinnyTok“ hin. Trotz Sperrungen durch Plattformbetreiber blieben problematische Inhalte auffindbar. Nötig seien verstĂ€rkte PrĂ€ventionsmaßnahmen.

Weniger ist mehr: 75 Minuten Training pro Woche reichen

Alternative Wege zur Fettreduktion stĂŒtzen Langzeitstudien. Die UniversitĂ€t Hongkong untersuchte von September 2021 bis September 2024 die EffektivitĂ€t von Intervalltraining an 315 Erwachsenen mit Bauchfettleibigkeit. Das Ergebnis: Eine einzige Trainingseinheit von 75 Minuten pro Woche reduziert Körperfettmasse und Taillenumfang Ă€hnlich effektiv wie drei Einheiten von je 25 Minuten. Auch die Herz-Lungen-Leistung verbessert sich in vergleichbarem Maße.

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Schnell abnehmen – aber nur unter Ă€rztlicher Aufsicht

Im Bereich der medizinisch ĂŒberwachten Gewichtsabnahme prĂ€sentierte der norwegische Vestfold Hospital Trust im Juni Daten auf einem Fachkongress. Eine Studie mit 284 adipösen Erwachsenen ergab: Eine schnelle Gewichtsabnahme durch eine sehr kalorienarme DiĂ€t (1.000 bis 1.500 Kilokalorien pro Tag) fĂŒhrte nach einem Jahr zu höherem Erfolg (14,4 Prozent Gewichtsverlust) als ein langsames Vorgehen (10,5 Prozent). Die Forscher betonten jedoch: Diese Ergebnisse gelten nur in einem kontrollierten, medizinischen Umfeld.

KI als DiÀtberater? Nur mit EinschrÀnkungen

Zum Welt-DiĂ€tetiker-Tag im Juni wird auch die Rolle technologischer Helfer neu bewertet. KI-Modelle wie ChatGPT können nĂŒtzliche DiĂ€tlisten fĂŒr den allgemeinen Gebrauch erstellen. Experten wie Ar?. Gör. Ekin Çevik warnen jedoch vor dem Einsatz bei chronischen Krankheiten. Die menschliche Komponente – etwa die EinschĂ€tzung von Stress oder emotionalem Essverhalten – könne durch Algorithmen nicht ersetzt werden. ZukĂŒnftige FachkrĂ€fte mĂŒssten verstĂ€rkt Datenkompetenz entwickeln.

Globale Herausforderung: 2,6 Milliarden Menschen ohne gesunde ErnÀhrung

Diese individuellen AnsĂ€tze stehen vor einem großen Hintergrund. Der Global Nutrition Report, Ende Mai in Rom veröffentlicht, zeigt die ökonomische und soziale Dimension: Rund 2,6 Milliarden Menschen weltweit können sich keine gesunde ErnĂ€hrung leisten. Der Bericht fordert eine stĂ€rkere Integration von Lebensmittel- und Gesundheitssystemen. Investitionen in diesem Bereich versprĂ€chen hohe Renditen fĂŒr die Gesellschaft.

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