Kefir mit Laktulose und Laktoglobulin: Laborversuche hemmen vier Darmkeime
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 08:44 Uhr | Redaktion boerse-global.deFermentierte Milchprodukte stehen seit Langem im Fokus der ernÀhrungswissenschaftlichen Forschung. Besondere Aufmerksamkeit widmen Fachleute dabei der gezielten Optimierung traditioneller Rezepturen.
Eine wissenschaftliche Untersuchung von Kontareva und Krju?kova von der staatlichen AgraruniversitĂ€t Don, veröffentlicht in der Fachzeitschrift âTechnika i technologija piĆĄ?evych proizvodstvâ (Band 47, Nummer 4, Seiten 54â59), belegt das antimikrobielle Potenzial modifizierter Rezepturen.
Die Forscherinnen untersuchten Kefir-Bioprodukte, die mit spezifischen Bifidobakterien (Bifidobacterium bifidum, Bifidobacterium longum, Bifidobacterium breve), dem PrÀbiotikum Laktulose sowie dem Immunglobulin Laktoglobulin angereichert wurden.
Gezielte Hemmung bakterieller Erreger im Labor
In den Laborversuchen zeigte sich, dass diese angereicherten Kefir-Bioprodukte nach einer Inkubationszeit von 24 Stunden bei 37 Grad Celsius auf festen NÀhrmedien das Wachstum mehrerer problematischer Keime hemmen. Dazu zÀhlten Salmonella typhimurium, Proteus mirabilis Nummer 878 (035), Escherichia coli 3912/41 sowie Shigella sonnei.
Die stÀrkste Hemmwirkung beobachteten Kontareva und Krju?kova bei jenen Varianten, die sowohl mit Laktulose als auch mit Laktoglobulin versetzt waren. Auf Basis dieser Ergebnisse schlugen die Wissenschaftlerinnen vor, entsprechend formulierte Kefirprodukte gezielt zur Prophylaxe von Dysbiosen und akuten Darminfektionen einzusetzen.
Weitere Forschungsarbeiten widmen sich der Zusammensetzung der Starterkulturen. Eine Studie von Chamagaeva, Bojarineva und Potap?uk von der Staatlichen UniversitĂ€t fĂŒr Technologie und Management Ostsibiriens in Ulan-Ude (veröffentlicht in Band 28, Nummer 1, Seiten 54â58 derselben Fachzeitschrift) analysierte die ErgĂ€nzung des traditionellen Kefirpilz-Konsortiums mit PropionsĂ€urebakterien.
Die Beigabe von Propionibacterium freudenreichii subsp. shermanii KM 186, subsp. freudenreichii AC-2500 sowie subsp. shermanii AC-2503 erhöhte die antimutagene, antagonistische und vitaminbildende AktivitÀt der Fermentationskultur.
Die PropionsĂ€urebakterien ĂŒberstanden in den Versuchen einen niedrigen SĂ€urewert von pH 2,0 sowie den Kontakt mit GallensĂ€uren und hemmten Enzyme wie Beta-Glukuronidase, Azoreduktase und Nitroreduktase. WĂ€hrend die antimutagene Wirkung mittels Ames-Test und die antibiotische AktivitĂ€t per ReihenverdĂŒnnung nach Polonskij ĂŒberprĂŒft wurden, bestimmten die Forschenden den Gehalt an Vitamin B6 auf mikrobiologischem Weg.
Kommerzielle Entwicklung und QualitÀtskriterien
Auf Konsumentenseite erfreuen sich fermentierte Produkte steigender Nachfrage. Daten von Kantar Worldpanel aus dem Jahr 2025 verzeichneten, dass ĂŒber 36 Prozent der spanischen Haushalte Kefir erwerben; das Marktsegment legte dort im letzten GeschĂ€ftsjahr um ĂŒber 60 Prozent im Volumen zu.
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Unternehmen reagieren mit neuen Angeboten: Grupo Lala fĂŒhrte Lala Kefir mit 30 Milliarden Probiotika ein, wĂ€hrend Danone fĂŒr Activia KĂ©fir auf eine AENOR-Zertifizierung verweist, die das Produkt in Spanien und Portugal als einzigen Kefir mit nachgewiesenem Hefegehalt ausweise.
Laut einer von Danone zitierten Erhebung der UniversitĂ€t Rovira i Virgili fĂŒhren 80 Prozent der im Handel als Kefir deklarierten Erzeugnisse keine Hefen im Etikett.
Fachleute betonen daher die Bedeutung transparenter Deklarationen. Mary Mondragón vom Instituto de Nutrición Lala rÀt Verbrauchern, auf der Verpackung genau auf die Bezeichnung, die spezifischen BakterienstÀmme, Herstellerangaben und das Vorhandensein von Hefen zu achten.
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In Mexiko untersuchte Erzeugnisse, die ohne originÀres Kefirgranulat gefertigt wurden, wiesen nicht zwangslÀufig die erwarteten Eigenschaften auf. GemÀà den Standards des Codex Alimentarius von FAO und WHO wird traditioneller Kefir mit speziellem Granulat fermentiert.
Eine Untersuchung in der Fachzeitschrift âHealthcareâ stellte zwar vorteilhafte Tendenzen bezĂŒglich Verdauung, Laktosetoleranz und Glukosekontrolle fest, sah die wissenschaftliche Evidenz fĂŒr umfassende Wirkversprechen jedoch als noch nicht abschlieĂend gesichert an.
Rechtliche Rahmenbedingungen und NĂ€hrstoffprofil
Im europĂ€ischen Rechtsraum bestehen strenge Auflagen. Die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bislang keine allgemeinen gesundheitsbezogenen Angaben fĂŒr Probiotika oder Bakterienkulturen zugelassen. Zudem enthalten verarbeitete Produkte nur dann lebende Mikroorganismen, wenn sie unpasteurisiert im KĂŒhlregal verbleiben, da Temperaturen von ĂŒber 60 Grad Celsius die Kulturen abtöten.
NĂ€hrwertbezogen liefert naturbelassener Vollfett-Kefir nach Werten der USDA FoodData Central rund 130 Milligramm Kalzium sowie etwa 60 Kilokalorien pro 100 Gramm. WĂ€hrend des Fermentationsprozesses wird ein Teil des Milchzuckers abgebaut, was die VertrĂ€glichkeit verbessern kann, ohne Kefir fĂŒr alle Personen mit Laktoseintoleranz gleichermaĂen geeignet zu machen.
Fachredaktionen empfehlen eine moderate tÀgliche Verzehrmenge von 100 bis 200 Millilitern und weisen darauf hin, dass industriell aromatisierte Varianten hÀufig mehr als 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter aufweisen.
