Kniearthrose: Jedes verlorene Kilo senkt die Kniekraft pro Schritt um 4 kg
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 00:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedizinische Fachkreise weisen verstärkt auf den maßgeblichen Einfluss der Ernährung auf Gelenk- und Knochenschmerzen hin. Zahlreiche Untersuchungen verdeutlichen, wie gezielte Essgewohnheiten präventiv wirken und Beschwerden bei degenerativen Erkrankungen wie Arthrose oder Osteoporose lindern können. Demgegenüber steht fest, dass eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Zucker sowie gesättigten Fettsäuren Knorpel und Knochen direkt schädigt.
Antientzündliche Ernährungsstrategien bei Arthrose
Bei Arthrose führt die dauerhafte Reizung zu Entzündungsprozessen im Gelenk und einem erhöhten Nährstoffbedarf. Medizinische Empfehlungen von Fachportalen wie Praktisch Arzt, der Pharmazeutischen Zeitung und Fachkliniken heben ungesättigte Fettsäuren hervor.
Dazu zählen Oliven-, Walnuss- und Fischöl sowie Leinöl, das insbesondere von der MVZ Gelenkklinik Freiburg hervorgehoben wird. Fettarmer Fisch wie Hering und Makrele wird von der Fachklinik Allgäu empfohlen.
Darüber hinaus gelten Lauchgemüse mit Diallylsulfiden, dunkelgrünes Blattgemüse, Vollkornprodukte, Linsen und Erbsen sowie Gewürze wie Kurkuma und Ingwer als zuträglich. Zu meiden sind hingegen Arachidonsäure aus Fleisch, Innereien, Eiern, Käse und Milch sowie gesättigte und gehärtete Fette in Butter, Sahne, Schmalz, Wurst, Fertiggerichten und Keksen. Auch der Verzehr von Alkohol, Nikotin und Koffein sollte eingeschränkt werden.
Vitamine, Selen und Spurenelemente
Verschiedene Mikronährstoffe spielen bei der Gelenkgesundheit eine Rolle. Vitamin C aus Paprika oder Brokkoli dient als Antioxidans, während Vitamin E in Pflanzenölen, Heidelbeeren, Sonnenblumenkernen und Mandeln vorkommt. Eine bereits 1986 in der Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie veröffentlichte Untersuchung verzeichnete bei der Gabe von 400 I.E. Vitamin E über sechs Wochen eine Schmerzreduktion im Vergleich zu Placebo.
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Beim Spurenelement Zink verdoppelt sich laut Müller der Bedarf bei Arthrose von üblicherweise 10 bis 15 mg auf 20 bis 30 mg täglich. Allgemeine Richtwerte weisen darauf hin, dass Erwachsene im Schnitt 11 bis 15 mg Zink pro Tag benötigen, was meist über die reguläre Kost gedeckt wird.
Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde beziffert die tolerierbare Gesamtzufuhr auf maximal 25 mg Zink pro Tag, während die Schweiz für Nahrungsergänzungsmittel einen Grenzwert von 5,3 mg täglich vorsieht. Zu hohe Zinkmengen können die Aufnahme von Kupfer und Eisen mindern.
Hinsichtlich des Selenspiegels zeigte eine Untersuchung der University of North Carolina aus dem Jahr 2005 mit 940 Teilnehmenden, dass Probanden mit den höchsten Werten ein um 40 Prozent geringeres Kniearthrose-Risiko aufwiesen; allgemein senken hohe Werte das Risiko um bis zu 20 Prozent. Während Omega-3-Fettsäuren, Kupfer, Kalzium und Mangan befürwortet werden, rät Müller von Bor-Präparaten und Kupferarmbändern ab.
Knochendichte bei Osteoporose und Entlastung durch Gewichtsverlust
Bei Osteoporose drohen Frakturen an Wirbelkörpern, Handgelenken, Becken und Oberschenkelhals. Risikofaktoren sind Bewegungsmangel, Rauchen, hohes Alter, Untergewicht sowie ein Mangel an Kalzium und Vitamin D. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen eine Zufuhr von rund 1.000 mg Kalzium täglich.
Als Quellen eignen sich Grünkohl, Brokkoli, Nüsse, Milchprodukte, Tofu sowie Mineralwasser ab 150 mg Kalzium pro Liter. Vitamin D – etwa aus fettem Fisch wie Lachs und Hering oder Pilzen – sowie Vitamin K unterstützen Einbau und Bindung im Skelett. Salz, Wurstwaren, Cola und Phytinsäure gelten als hemmende Stoffe für die Kalziumaufnahme.
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Ergänzend zu Nährstoffen bleibt das Körpergewicht entscheidend: Eine Studie mit 142 älteren Personen mit Übergewicht zeigte, dass jedes abgenommene Kilogramm die Kniekraft pro Schritt um rund 4 kg reduzierte. Richtlinien des britischen NICE-Instituts betonen, dass eine Gewichtsreduktion von 10 Prozent deutlich größere funktionelle Vorteile bietet als ein Verlust von 5 Prozent.
Dr. Jörg Beardi, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Werra-Meißner in Eschwege, plädiert neben einer antientzündlichen Kost für Sporteinheiten von 25 Minuten alle zwei bis drei Tage. Zudem betont er, dass bei Gelenkleiden wie Schultererkrankungen konservative Maßnahmen stets vor einem chirurgischen Eingriff stehen sollten.
