Knochengesundheit: Unter 0,8 Gramm Protein pro Kilo sinkt die Hüftfestigkeit
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Prävention und Behandlung von Osteoporose stand über viele Jahre hinweg die ausreichende Zufuhr von Calcium im Mittelpunkt therapeutischer Empfehlungen.
Eine im Fachjournal Osteoporosis International veröffentlichte Untersuchung der Universität Genf vom 17. Juli 2026 rückt nun einen anderen Nährstoff in den Fokus: Die tägliche Proteinaufnahme erweist sich für die Knochengesundheit und Festigkeit im höheren Lebensalter als maßgeblicher Faktor.
Genfer Langzeitbeobachtung liefert neue Daten zur Nährstoffaufnahme
Für die Untersuchung der Universität Genf wurden 586 Frauen mit einem durchschnittlichen Alter von 67 Jahren über einen Zeitraum von im Schnitt 3,5 Jahren beobachtet. Die Kohorte setzte sich aus 101 Teilnehmerinnen mit einer Hormonersatztherapie, 67 Frauen unter antiresorptiver Medikation wie Bisphosphonaten, Denosumab oder Raloxifen sowie 418 Probandinnen ohne Osteoporose-Medikamente zusammen.
Dabei zeigte sich, dass 71 Prozent der Teilnehmerinnen die empfohlene Calcium-Aufnahme von mindestens 1.200 Milligramm pro Tag erreichten. Die durchschnittliche Gesamtzufuhr lag bei 1.503 Milligramm pro Tag. Zudem griffen 51 Prozent der Frauen zu Calcium- und 70 Prozent zu Vitamin-D-Präparaten.
Ein entscheidendes Ergebnis der Genfer Forscher war jedoch, dass die Calcium-Aufnahme – ob über oder unter 1.200 Milligramm täglich – keinen signifikanten Einfluss auf die Knochengesundheit hatte. Lediglich bei Werten von unter 800 Milligramm pro Tag fielen die positiven Effekte der medikamentösen Therapien geringer aus.
Zudem wiesen die Forschenden darauf hin, dass eine zusätzliche Calcium-Supplementierung bei einer bereits bedarfsdeckenden Ernährung unter Umständen unnötig sei und entsprechende Präparate das Sterberisiko in bestimmten Personengruppen sogar erhöhen könnten.
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Eiweißzufuhr entscheidet über Knochendichte und Hüftfestigkeit
Deutlich stärkere Auswirkungen stellte das Team der Universität Genf beim Proteinkonsum fest. Lag die Eiweißzufuhr bei unter 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, zeigten sich signifikant geringere Verbesserungen der trabekulären Knochendichte sowie der mechanischen Hüftfestigkeit.
Fachberichte bestätigen diesen biologischen Mechanismus: Knochen bestehen zu wesentlichen Teilen aus Kollagen. Eine ausreichende Proteinversorgung über die Nahrung ist daher für den Aufbau sowie den kontinuierlichen Erhalt stabiler Knochenstrukturen unerlässlich und beeinflusst den Knochenstoffwechsel beim Abbau alter und Aufbau neuer Knochensubstanz direkt.
Studien deuten darauf hin, dass eine proteinreiche Kost die Knochenmineraldichte stärken und das Frakturrisiko senken kann – insbesondere bei älteren Erwachsenen mit erhöhtem Osteoporose-Risiko. Zudem unterstützt Protein die Verwertung von Calcium und Vitamin D im Organismus.
Relevanz für Versorgung und Krankheitsverlauf
Welche langfristigen Folgen ein Eiweißdefizit haben kann, verdeutlichen auch tierexperimentelle Arbeiten der brasilianischen Universität Unicamp gemeinsam mit der Unesp São José dos Campos.
In einer Doktorarbeit von Bruno Calsa unter der Leitung von Patrícia Aline Boer zeigte sich, dass eine Proteinrestriktion während der Trächtigkeit bei Mäusenachkommen im Alter zu Merkmalen von Osteoporose führte.
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Während nach 12 Monaten noch keine signifikanten Verluste messbar waren, zeigten Tiere nach 18 Monaten eine geringere Knochenmasse und Knochenmineraldichte, mikroskopische Risse sowie eine verringerte mechanische Belastbarkeit. Die Genanalysen wiesen unter anderem verstärkte Entzündungssignale und eine Aktivierung knochenabbauender Osteoklasten nach.
Die Relevanz einer ganzheitlichen Betrachtung unterstreichen auch epidemiologische Zahlen: Laut dem brasilianischen Gesundheitsministerium sind in Brasilien rund 10 Millionen Menschen von Osteoporose betroffen; Schätzungen der Fachgesellschaft Abrasso zufolge erleiden durchschnittlich jede dritte Frau und jeder fünfte Mann ab einem Alter von 50 Jahren osteoporosebedingte Frakturen.
Gleichzeitig bestehen oft Defizite in der Betreuung. Die Rheumaliga Schweiz verweist darauf, dass Osteoporose selbst nach Knochenbrüchen ohne erkennbaren äußeren Anlass häufig weder ausreichend abgeklärt noch konsequent therapiert werde.
Die Organisation sieht dabei strukturelle Versorgungslücken, zu denen neben einer mangelnden gesundheitspolitischen Priorisierung auch Informationsdefizite aufseiten der Betroffenen gehören.
