Krafttraining, Minuten

Krafttraining: 90–150 Minuten pro Woche senken Sterberisiko um 13%

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RegelmĂ€ĂŸige Bewegung und geistige AktivitĂ€t senken nachweislich Sturz- und Sterberisiko. Hochbetagte wie die 100-jĂ€hrige Annelies Lippmann zeigen, wie VitalitĂ€t im Alter gelingt.

Hochbetagte beweisen: Training hÀlt auch mit 100 fit
Eine lebensfrohe, hochbetagte Frau beim moderaten Gesundheitssport in einem hellen, modernen Sportraum. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Annelies Lippmann aus Dresden wird am 23. August 100 Jahre alt. Seit 16 Jahren trainiert sie wöchentlich beim Dresdner Verein KSB Gesundheitssport, in einer Gruppe, deren Mitglieder zwischen 60 und 91 Jahre alt sind.

Ihr Fall steht exemplarisch fĂŒr eine wachsende Zahl an Berichten ĂŒber Hochbetagte, die durch regelmĂ€ĂŸige Bewegung und geistige AktivitĂ€t bis ins hohe Alter selbststĂ€ndig und mobil bleiben – und fĂŒr eine Forschungslage, die zunehmend belegt, warum das funktioniert.

Bewegung als tÀgliche Routine

Ihr Sporttherapeut Ivo Ullmann fĂŒhrt Lippmanns VitalitĂ€t vor allem auf ihre Lebensfreude und ihren Optimismus zurĂŒck, die sie Woche fĂŒr Woche zum Training tragen. Ähnliche Muster zeigen sich bei anderen Hochbetagten: Der Essener Klaus Reimann, 89, spielt seit ĂŒber 60 Jahren Tennis beim TC Rawa Essen-Haarzopf und ist mindestens einmal wöchentlich bei den „alten Herren“ auf dem Platz aktiv.

Die 98-jĂ€hrige Ilse, die erst mit 60 Jahren mit dem Training begann, absolviert inzwischen viermal pro Woche ein Programm mit neun Übungen, geht tĂ€glich spazieren und praktiziert Stuhl-Yoga – trotz eines HĂŒftbruchs und einer Knie-Operation ist sie weiterhin mobil.

Auch der 88-jÀhrige Mick Wadge aus Burnley zeigt, wie viel sich im hohen Alter noch verÀndern lÀsst: Nach dem Tod seiner Frau begann er mit Krafttraining, reduzierte sein Gewicht von 114 Kilogramm auf 60 Kilogramm und steigerte sein Deadlift-Gewicht von 30 Kilogramm im Alter von 85 Jahren auf inzwischen 95 Kilogramm.

Was die Forschung ĂŒber Sturzrisiko und Sterblichkeit zeigt

Die individuellen Erfahrungen decken sich mit systematischen Untersuchungen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation kann die Kombination aus Balance-, Kraft- und Gehtraining das Sturzrisiko Àlterer Menschen um 22 bis 40 Prozent senken.

Ein Cochrane-Review aus dem Sommer 2026, der 108 Studien mit rund 23.000 Teilnehmern auswertete, kommt zu dem Ergebnis, dass Balance- und Funktionstraining die Sturzrate Àlterer Menschen um 24 Prozent reduziert.

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Noch deutlicher fallen die Effekte in einer im British Journal of Sports Medicine veröffentlichten Studie mit 147.374 Teilnehmern ĂŒber einen Zeitraum von 30 Jahren aus: 90 bis 150 Minuten Krafttraining pro Woche senkten demnach das Sterberisiko um 13 Prozent, das Herz-Kreislauf-Risiko um 19 Prozent und das Risiko neurologischer Erkrankungen um 27 Prozent. Krafttraining verlangsame zudem nachweislich den altersbedingten Muskelabbau, bekannt als Sarkopenie.

FĂŒr den Einstieg ins Krafttraining ab 60 Jahren empfehlen Fachleute laut Hastings Tribune ein vorangehendes Bewegungsscreening, einfache Übungen zweimal pro Woche sowie eine Proteinzufuhr von 1,1 bis 2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und rund 2,5 Liter Wasser tĂ€glich.

Die WHO-Richtlinien aus den 2020er Jahren empfehlen darĂŒber hinaus 150 bis 300 Minuten moderate Aerobic-AktivitĂ€t pro Woche, Krafttraining zweimal wöchentlich und Balance-Training dreimal wöchentlich.

Geistiges Training als ErgÀnzung

Neben körperlicher AktivitĂ€t rĂŒckt auch geistiges Training zunehmend in den Fokus der Alternsforschung. Die fast 90-jĂ€hrige japanische Schauspielerin Hitomi Nakahara fĂŒhrt ihre Gesundheit auf wöchentliches „Gesundheits-Mahjong“ zurĂŒck, das sie zwei- bis dreimal pro Woche mit 136 Steinen und ĂŒber 37 verschiedenen Rollen spielt und das nach eigener EinschĂ€tzung GedĂ€chtnis, Konzentration und Urteilsvermögen trainiert.

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Auch institutionalisierte Programme setzen auf eine Kombination aus Bewegung und kognitivem Training: Am Lifelong Education Center der Daegu Health University in SĂŒdkorea nahmen 29 Senioren zwischen Ende Juni und Mitte August 2026 an einem Anti-Aging-Programm mit zehn Sitzungen Ă  30 Stunden teil, das Silber-Tanz, Korrektiv-Yoga und Rehabilitations-Pilates umfasste.

Die Medizinerin Viyan Sido bringt die zentrale Botschaft aus der Longevity-Forschung auf einen einfachen Nenner: Die effektivsten Maßnahmen fĂŒr ein lĂ€ngeres Leben seien gratis. RegelmĂ€ĂŸige Bewegung, soziale AktivitĂ€t und geistige Herausforderung – Faktoren, die bei Lippmann, Reimann, Ilse, Wadge und Nakahara gleichermaßen eine Rolle spielen – lassen sich demnach ohne große finanzielle Investition in den Alltag integrieren.

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