Krafttraining, Demenz

Krafttraining gegen Demenz: Studie findet keine messbare Gedächtnisverbesserung

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 21:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Krafttraining verbessert in einer Studie depressive Symptome, zeigte aber keine messbaren kognitiven Effekte. Regelmäßiges Gehen könnte den Verfall verlangsamen.

Krafttraining und Demenz: Was Studien zu Gedächtnis und Bewegung zeigen
Ein minimalistischer, leerer Raum mit einfallendem Tageslicht und klaren Schattenstrukturen auf einem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

In der medizinischen Berichterstattung wird die Rolle von körperlichem Training, insbesondere Kraftsport, zur Prävention von Demenzerkrankungen verstärkt kritisch hinterfragt.

Aktuelle Analysen weisen darauf hin, dass die oft proklamierte Wirksamkeit differenziert betrachtet werden muss. Dabei zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen der Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens und messbaren Effekten auf die kognitive Leistung oder die Gedächtnisstruktur.

Die Fehlinterpretation des Präventionspotenzials

Ein zentraler Punkt der aktuellen Diskussion ist die Einordnung statistischer Kennzahlen. In verschiedenen Medienberichten wurde die Behauptung verbreitet, Krafttraining könne das Demenzrisiko um 45 Prozent senken. Diese Zahl ist jedoch irreführend. Sie basiert auf dem Lancet Commission Report on Dementia Prevention, der im Jahr 2024 aktualisiert wurde.

Die darin genannten 45 Prozent beziehen sich nicht auf eine einzelne Sportart, sondern auf die theoretische Vermeidbarkeit oder Verzögerung von Demenzfällen weltweit, sofern 14 unterschiedliche Risikofaktoren gleichzeitig vollständig eliminiert würden.

Zu diesen Faktoren zählen neben körperlicher Inaktivität unter anderem Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, sozialer Rückzug und Luftverschmutzung. Fachleute betonen, dass dieser Wert für die Weltbevölkerung berechnet wurde und keine direkten Rückschlüsse auf das individuelle Risiko einer Einzelperson zulässt.

Eine Prävention im strengen wissenschaftlichen Sinne gilt bisher als nicht bewiesen, da auch eine umgekehrte Kausalität nicht ausgeschlossen werden kann.

Divergenz zwischen psychischem Wohlbefinden und Gedächtnisleistung

Untersuchungen des King's College London verdeutlichen die Komplexität der körperlichen Auswirkungen auf das Gehirn. In einer randomisierten Studie mit 52 gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 45 und 65 Jahren wurde ein zwölfwöchiges kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining durchgeführt.

Anzeige

Wer sich mit der Erhaltung seiner geistigen Fitness beschäftigt, findet in diesem kostenlosen Ratgeber 11 praktische Alltagsübungen und Ernährungstipps zur Demenzvorbeugung. Diese 11 Alltagsübungen halten Ihr Gehirn bis ins hohe Alter fit

Während die Trainingsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe einen signifikanten Rückgang depressiver Symptome aufwies, blieben die Ergebnisse in kognitiven Tests nahezu unverändert.

Weder bei der sogenannten Pattern Separation im Hippocampus noch bei anderen Gedächtnistests konnten statistisch signifikante Unterschiede festgestellt werden. Auch der Spiegel des Proteins BDNF, das für die neuronale Gesundheit wichtig ist, veränderte sich nicht messbar.

Lediglich im Blutserum der Sportgruppe wurde im Labor eine Reduktion sich teilender Hippocampus-Vorläuferzellen beobachtet. Die verantwortlichen Forscher, darunter Erstautor Sahand Farmand und Professorin Sandrine Thuret, wiesen darauf hin, dass strukturelle Veränderungen im Hippocampus in früheren Untersuchungen teils erst nach sechs bis zwölf Monaten auftraten.

Bewegungsmuster und kognitiver Verfall

Andere Forschungsansätze konzentrieren sich auf die Intensität und den Umfang alltäglicher Bewegung. Die Harvard Aging Brain Study, deren Ergebnisse im Fachmagazin Nature Medicine im Jahr 2025 veröffentlicht wurden, beobachtete 294 kognitiv unauffällige Erwachsene über einen Zeitraum von 14 Jahren.

Mittels PET-Scans wurde festgestellt, dass bereits 3.000 bis 5.000 Schritte pro Tag den kognitiven Verfall um etwa drei Jahre verlangsamen können. Bei einem Pensum von 5.000 bis 7.500 Schritten erhöhte sich dieser Wert auf bis zu sieben Jahre.

Ergänzend dazu deuten Daten der UK Biobank mit über 64.000 Teilnehmenden darauf hin, dass auch das Tempo entscheidend ist. Ein höheres Schritttempo senkt das Risiko eines vorzeitigen Todes deutlich, selbst wenn weniger als 5.000 Schritte pro Tag absolviert werden.

Experten wie Nicholas Koemel halten fest, dass das verbreitete Ziel von 10.000 Schritten ursprünglich einer japanischen Marketingkampagne der 1960er-Jahre entstammt und nicht auf wissenschaftlichen Schwellenwerten basiert.

Anzeige

Um die eigene Konzentration und das Gedächtnis nachhaltig zu stärken, setzen immer mehr Menschen auf gezielte Trainingsmethoden für den Alltag. Dieser kostenlose Ratgeber liefert die passenden Strategien, um die geistige Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten. Kostenlosen Ratgeber für mehr Konzentration und Gedächtniskraft sichern

Ganzheitliche Ansätze und medizinische Perspektiven

Neben der rein kognitiven Ebene hat Sport messbare Effekte auf die physische Resilienz im Alter. Eine Studie in Arthritis Care & Research vom Juli 2026 belegt, dass Krafttraining die Gebrechlichkeit bei knapp 2.900 US-Veteranen reduziert. Zudem zeigen Meta-Analysen im British Medical Journal aus dem September 2026, dass Krafttraining und hochimpaktive Belastungen die effektivsten Methoden zur Steigerung der Knochenmineraldichte sind.

Die Stiftung DHG (Diabetes I Herz I Gefäße) rät zur frühzeitigen Prävention durch eine Kombination aus Ausdauersport, mediterraner Ernährung, ausreichendem Schlaf und Blutdruckkontrolle. Prof. Dr. med. Joachim Röther von der Stiftung betont zudem, dass innovative Labortests künftig eine frühzeitigere Diagnose ermöglichen könnten.

Auch medikamentöse Ansätze wie GLP-1-Analoga oder neue Antikörper-Behandlungen werden als potenzielle Bausteine in der Demenzprävention diskutiert, um die kognitive Leistungsfähigkeit bei Betroffenen länger stabil zu halten.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70169830 |