Krafttraining im Alter: Hundertjährige profitieren nach 12 Wochen
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Erhalt von Muskelmasse und körperlicher Stärke gewinnt in der Altersmedizin zunehmend an Bedeutung. Eine Untersuchung im Fachjournal JAMA Network Open verdeutlicht das Potenzial ausgeprägter Muskelkraft für die Lebenserwartung älterer Frauen.
Die Datengrundlage bildeten 5.472 Teilnehmerinnen der Women's Health Initiative im Alter zwischen 63 und 99 Jahren, deren Durchschnittsalter bei 78,7 Jahren lag. Über einen durchschnittlichen Nachbeobachtungszeitraum von 8,3 Jahren erfassten die Forschenden 1.964 Todesfälle, was einem Anteil von 36 Prozent entsprach.
Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Eine um eine Standardabweichung höhere Griffkraft ging mit einer um rund 12 Prozent niedrigeren Sterblichkeit einher. Dieser statistische Effekt erwies sich als unabhängig von Faktoren wie dem allgemeinen Aktivitätsniveau, täglichen Sitzzeiten, der individuellen Gehgeschwindigkeit oder bestehenden Entzündungsmarkern.
Deutliche Effekte auf Herzgesundheit und Gesamtmortalität
Weitere Untersuchungen untermauern die Relevanz des Muskelstatus für das Herz-Kreislauf-System. Eine im Fachmagazin JACC veröffentlichte Auswertung von 117.025 US-Amerikanerinnen aus der Nurses' Health Study I und II beobachtete über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 14,5 Jahren insgesamt 5.459 schwere kardiovaskuläre Ereignisse.
Frauen, die mindestens zwei Stunden pro Woche Krafttraining absolvierten, wiesen ein um 20 Prozent geringeres Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse und ein um 44 Prozent geringeres Herzinfarktrisiko auf. Ein signifikanter Zusammenhang mit Schlaganfällen zeigte sich in der Beobachtungsstudie hingegen nicht, weshalb die Daten Korrelationen und keine Kausalitäten beschreiben.
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Ergänzende bildgebende Befunde liefert eine Studie im Fachjournal Radiology. Bei 1.722 Erwachsenen mit Zehn-Jäheres-Scans war eine unterdurchschnittliche Muskelmasse mit einem um 85 Prozent höheren Sterberisiko und einem um 58 Prozent höheren Herzinfarktrisiko im Nachbeobachtungszeitraum assoziiert.
Prof. Michelle Williams hob hervor, dass computertomografische Angiografien diese Defizite vor allem an den Rückenmuskeln, Teilen der Brustmuskulatur sowie den Interkostalmuskeln sichtbar machten.
Anpassungsfähigkeit der Muskulatur bis ins hohe Alter
Selbst in sehr hohem Lebensalter bleibt die Muskulatur trainierbar. Dies belegt das spanische Forschungsprojekt „Nunca es tarde“ der Universitäten UCLM, Zaragoza und Alcalá, das mit dem zweiten Platz bei den Nationalen Forschungspreisen für Sportmedizin der Universität Oviedo und der Fundación Cajastur ausgezeichnet wurde.
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Bei institutionalisierten Hundertjährigen führten zwei Krafttrainingseinheiten pro Woche über einen Zeitraum von zwölf Wochen zu messbaren Verbesserungen bei Muskelkraft, Mobilität, Selbstversorgung und alltäglichen Aktivitäten. Parallel dazu ging das Auftreten von Angst- und Depressionsparametern zurück.
Zusätzliche physiologische Mechanismen bei der Muskelproteinsynthese beleuchtet eine in der Fachzeitschrift Nutrients publizierte Untersuchung aus dem Jahr 2026. An der durch Abbott Nutrition finanzierten Crossover-Studie nahmen 24 gesunde Personen zwischen 65 und 75 Jahren teil.
Nach einer vierwöchigen Auswaschphase verglichen die Wissenschaftler die Gabe von 40 Gramm reinem Whey-Protein mit einer Kombination aus 40 Gramm Whey und drei Gramm Calcium-HMB.
Der Zusatz von HMB steigerte die Muskelproteinsynthese zusätzlich bei älteren Frauen, während sich dieser Effekt bei Männern nicht einstellte. Zudem fiel die Reduktion des Muskelproteinabbaus in der Spätphase stärker aus als unter der Gabe von Whey-Protein allein.
