Krafttraining und Psyche: Studie zeigt 54 Prozent weniger depressive Symptome
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 20:07 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche Aktivität gewinnt in der Prävention und begleitenden Behandlung psychischer Erkrankungen zunehmend an Bedeutung. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf das Krafttraining, das neben somatischen Anpassungen auch messbare Effekte auf das seelische Wohlbefinden zeigen kann.
Wie eine qualitative Untersuchung des Universitätskrankenhauses Nordnorwegen in Tromsø darlegt, über die im Oktober 2026 berichtet wurde, können selbst strukturierte Einheiten im stationären Umfeld rasche Entlastung bieten.
Sofortige Effekte im klinischen Setting
An der in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychiatry thematisierten Erhebung nahmen acht stationäre Psychiatriepatienten teil, darunter fünf Männer und drei Frauen mit einem Durchschnittsalter von 53,9 Jahren.
Bei Klinikaufenthalten von rund drei bis sechs Wochen litten die Teilnehmenden unter Diagnosen wie Depression, Schizophrenie, schizoaffektiven Störungen oder Substanzstörungen. Das Programm kombinierte Kraft- und Ausdauerelemente, wobei das Krafttraining zwei bis drei Sätze mit vier bis fünfzehn Wiederholungen umfasste.
Die Einheiten dauerten 45 bis 60 Minuten und fanden überwiegend zweimal wöchentlich statt, bei einer Gesamtspanne von ein bis drei Trainings pro Woche. Die Patienten berichteten im Anschluss an die Einheiten über eine unmittelbare Hebung ihrer Stimmung.
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Zudem verwies die Untersuchung auf ergänzende Befunde, wonach regelmäßig Trainierende 43 Prozent weniger Tage mit schlechter psychischer Gesundheit verzeichnen und in einer früheren Erhebung 93 Prozent der Psychiatriepatienten eine Linderung ihrer Stimmungsprobleme erlebten.
Reduktion von Symptomen bei unterschiedlicher Intensität
Ergänzende Erkenntnisse lieferte eine Studie unter der Leitung von Darragh O'Sullivan, die sich auf junge Frauen mit subklinischer Angst konzentrierte. Laut der Untersuchung sind Frauen doppelt so häufig von Angst und Depression betroffen wie Männer.
Ein gezieltes Krafttraining reduzierte depressive Symptome bei hoher Trainingsintensität um 54 Prozent. Bei einer niedrigen Intensität von 20 Prozent der Maximalkraft lag der Rückgang bei 43 Prozent, wobei auch diese Teilnehmerinnen Kraft aufbauten.
Einschränkend verwiesen die Forschenden auf die kleine Stichprobengröße sowie das Vorliegen lediglich subklinischer Symptome, weshalb die Übertragbarkeit auf schwere Krankheitsverläufe unklar bleibe. O'Sullivan bewertete frühe Interventionen als sinnvoll und empfahl weiterführende Forschung in größeren klinischen Settings sowie direkte Vergleiche mit Psychotherapie und Medikation.
Zeitverlauf, Botenstoffe und Trainingsgestaltung
Hinsichtlich des Wirkungszeitpunkts differenzieren Fachleute nach der Schwere der Symptomatik. Der Kardiologe Daniel López Rosetti wies darauf hin, dass sich bei einer manifesten Depression die Vorzüge von Bewegung typischerweise erst nach vier bis acht Wochen einstellen. Aerobe Aktivitäten wie Gehen oder Joggen und Krafttraining mit Gewichten erzielten dabei denselben Effekt.
Die Weltgesundheitsorganisation empfehle eine Dosis von 150 Minuten zügigem Gehen pro Woche, etwa aufgeteilt auf 30 Minuten an fünf Tagen. Bei leichten depressiven Verstimmungen ohne klinische Diagnose könne Bewegung laut Rosetti hingegen schon innerhalb weniger Tage zu einer Besserung führen.
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Auf biochemischer Ebene dämpft Krafttraining Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin, während Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin sowie Endorphine ausgeschüttet werden. Als Orientierung für Einsteiger gelten zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mit mindestens einem Ruhetag.
Ein beispielhafter Ablauf umfasst fünf bis zehn Minuten Aufwärmen sowie drei Sätze mit acht bis zwölf Wiederholungen bei Grundübungen wie Kniebeugen, Bankdrücken, Rudern und Schulterdrücken, optional ergänzt um Kreuzheben mit ein bis zwei Sätzen und fünf bis acht Wiederholungen.
