Krankenhäuser, Druck

Krankenhäuser unter Druck: Kliniken in Potsdam schließen ab August

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 02:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das neue GKV-Gesetz kombiniert Ausgabenlimits mit höheren Patientenkosten. Experten warnen vor Versorgungsengpässen.

GKV-Reform: Budgetdeckel, höhere Zuzahlungen und Klinik-Kürzungen
Ein langer, unscharfer Krankenhauskorridor mit einer einzelnen, schemenhaften Figur am Ende, die Unsicherheit und Wartezeiten symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Es kombiniert Ausgabendeckel, höhere Zuzahlungen und eine Umverteilung der Lasten. Die Regierung spricht von notwendigen Schritten zur Beitragsstabilisierung. Klinikbetreiber und Fachverbände warnen dagegen vor einer Verschlechterung der Patientenversorgung.

Budgetdeckel trifft Psychotherapie

Ein Kernpunkt der Reform betrifft die psychotherapeutische Versorgung. Das Sparpaket sieht eine strikte Budgetierung vor. Das bisherige Mindesthonorar und die Angemessenheitsprüfung sollen entfallen. Fachverbände befürchten, dass gesetzlich Versicherte künftig weniger Therapiestunden erhalten.

Gesundheitsökonom Michael Wessels bewertet die Budgetierung hingegen positiv. Sie mache die Kostenentwicklung planbarer und könne zur Qualitätssicherung beitragen.

Dabei ist die Versorgungslage bereits jetzt angespannt. Laut Bundespsychotherapeutenkammer fehlen bundesweit rund 7.000 Kassensitze. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz liegt bei fünf Monaten. Die Bedarfsplanung basiert noch auf Zahlen aus dem Jahr 1999. Der Bedarf ist hoch: 2024 wurde bei 40,9 Prozent der gesetzlich Versicherten eine psychische Störung diagnostiziert. Laufende Therapien sollen aber fortgesetzt werden können.

Krankenhäuser unter Druck

Für Kliniken und Reha-Einrichtungen sieht das Gesetz pauschale Kürzungen vor. Von 2027 bis 2029 wird die Grundlohnrate um einen Prozentpunkt gemindert. Die Refinanzierung von Tarifsteigerungen wird auf 50 Prozent begrenzt. Pflegepersonaluntergrenzen bleiben unangetastet.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt: Jede dritte Klinik könnte die wirtschaftlichen Folgen nicht überstehen.

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Die Auswirkungen zeigen sich bereits regional. In Potsdam demonstrierten am Freitag mehrere hundert Menschen gegen die Schließung spezialisierter Abteilungen. Am Klinikum Ernst von Bergmann und am St. Josefs-Krankenhaus sollen zum 1. August mehrere Fachbereiche eingestellt werden – darunter Orthopädie, Gefäßchirurgie, Neurologie und Frauenheilkunde. Die Geburtsstation am St. Josefs-Krankenhaus musste wegen Personalmangel bereits vorab schließen.

Streit um Krankschreibungen

Gesundheitsministerin Warken (CDU) kündigte weitere Kostenschritte an. Geplant ist ein Verbot von Online-Krankschreibungen, die nur auf einem digitalen Fragebogen basieren. Auch die telefonische Krankschreibung steht zur Disposition. Eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag wird geprüft. Gemeinsam mit Arbeitsministerin Bas will Warken alternative Regelungen für den Nachweis der Arbeitsunfähigkeit ausloten.

Kritik an der Finanzierungsstruktur kommt auch von den Kassen selbst. Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, bemängelt: Die Beitragszahler tragen einen Großteil der Gesundheitskosten für Grundsicherungsempfänger. Das sei systemwidrig. Zur Gegenfinanzierung sieht die Reform eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, höhere Zuzahlungen und Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung vor.

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Bevölkerung skeptisch – Kassen mit Millionenverlusten

Die Akzeptanz der Reform ist gering. Im ZDF-Politbarometer vom Freitag gaben 79 Prozent der Befragten an, nicht an eine langfristige Lösung der GKV-Probleme zu glauben. 81 Prozent empfinden die Lastenverteilung als ungerecht. Nur 30 Prozent sehen die Reformen in die richtige Richtung gehen.

Zusätzlich belasten Berichte über finanzielle Verluste die Diskussion. Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung zufolge haben mindestens 17 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen rund 170 Millionen Euro Beitragsgelder in riskante Immobilienfonds verloren. Marktbeobachter schätzen die Gesamtverluste in diesem Sektor auf bis zu 1,2 Milliarden Euro. Ministerin Warken räumte strukturelle Missstände ein. Ihr Ziel bleibt: Die Zusatzbeiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber trotz der angespannten Lage stabil zu halten.

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