Lebenserwartung, Verhalten

Lebenserwartung: 14 Jahre mehr durch gesundes Verhalten

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 15:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen Vorteile mediterraner Kost, spezielle Effekte ketogener ErnÀhrung und ZusammenhÀnge zwischen Essenszeiten und Gesundheitsrisiken.

Gesund altern: ErnÀhrung beeinflusst Stoffwechsel und Lebenserwartung
Ein heller Holztisch mit frischem mediterranem GemĂŒse, NĂŒssen und Oliven in natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Beim Longevity Forum Deutschland in Hamburg diskutierten medizinische Experten laut einem Bericht der Pharmazeutischen Zeitung vom 7. September 2026 sieben evidenzbasierte Lebensstilfaktoren, die fĂŒr gesundes Altern entscheidend sein sollen: Schlaf, Bewegung, Lernen, Stressmanagement, ErnĂ€hrung, soziale Interaktion und Nichtrauchen.

Besonders die ErnÀhrung stand im Mittelpunkt, da mehrere aktuelle Studien zeigen, wie stark NÀhrstoffkombinationen und ErnÀhrungsmuster den Stoffwechsel und damit die Lebenserwartung beeinflussen können.

Der Effekt eines gesunden Lebensstils auf die Lebenserwartung

Wie beim Forum unter Berufung auf die Nurses-Health-Studie berichtet wurde, erreichten 50-JĂ€hrige mit gesundem Lebensstil – dazu zĂ€hlen Nichtrauchen, normaler BMI, 30 Minuten AktivitĂ€t tĂ€glich, mediterrane ErnĂ€hrung und moderater Alkoholkonsum – im Schnitt ein Alter von 43 weiteren Lebensjahren, wĂ€hrend Menschen mit ungesundem Lebensstil nur 29 weitere Jahre erreichten. Die Differenz von 14 Jahren unterstreicht, wie stark einzelne Verhaltensweisen zusammenwirken.

Mediterrane Kost versus ketogene ErnÀhrung

Die NZZ berichtete am 9. September 2026, dass die mediterrane ErnĂ€hrung laut Studienlage als besonders vorteilhaft gilt. Die DGE-Expertin Claudia MĂŒller riet demnach von einer ketogenen ErnĂ€hrung mit einem Fettanteil von 60 bis 90 Prozent ab, da die Langzeiteffekte ungĂŒnstig seien und NĂ€hrstoffmĂ€ngel drohten.

Dem gegenĂŒber steht eine im Fachjournal Cell Metabolism veröffentlichte klinische Studie der Washington University School of Medicine, ĂŒber die fitforfun.de am 7. September 2026 berichtete.

Bei 42 Teilnehmern mit Adipositas, PrĂ€diabetes und Fettleber fĂŒhrte eine ketogene ErnĂ€hrung (4 Prozent Kohlenhydrate, 73 Prozent Fett) bei identischem Gewichtsverlust von rund 10 Prozent zu einer Reduktion des Leberfetts um 67 Prozent – von 19,4 auf 6,2 Prozent. Mediterrane und fettarme ErnĂ€hrung erzielten jeweils nur eine Reduktion um 45 Prozent.

Bei der HĂ€lfte der Keto-Gruppe verschwand die PrĂ€diabetes-Diagnose vollstĂ€ndig, und trotz der hohen Fettzufuhr stieg der LDL-Wert nicht an. Die widersprĂŒchlichen EinschĂ€tzungen zeigen, dass die Bewertung ketogener ErnĂ€hrung je nach ZielgrĂ¶ĂŸe – Langzeitgesundheit versus kurzfristige Stoffwechselwerte – unterschiedlich ausfĂ€llt.

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SĂŒĂŸstoffe, Aspartam und die Rolle der Behörden

Eine Analyse der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung, ĂŒber die aponet.de am 8. September 2026 berichtete, kommt zu dem Schluss, dass SĂŒĂŸstoffe beim Abnehmen keine eindeutige Wirkung zeigen.

Die sogenannte SWEET-Studie ermittelte bei Erwachsenen einen um 1,6 Kilogramm höheren Gewichtsverlust, bei Kindern hingegen keine Wirkung. Die WHO rĂ€t laut dieser Analyse generell von der Verwendung von SĂŒĂŸstoffen zur Gewichtskontrolle ab.

Beim SĂŒĂŸstoff Aspartam, der 2023 als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft wurde, sehen das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) und die europĂ€ische Lebensmittelbehörde EFSA laut der DGE-Analyse bei ĂŒblichen Verzehrmengen kein Risiko: Eine 70-Kilogramm-Person mĂŒsste demnach 17 Dosen DiĂ€tlimonade Ă  330 Milliliter mit jeweils 162 Milligramm Aspartam konsumieren, um den zulĂ€ssigen Tagesgrenzwert zu erreichen.

Essenszeiten als Stoffwechselfaktor

Auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme rĂŒckt zunehmend in den Fokus. Eine französische Studie im Fachjournal Communications Medicine, ĂŒber die euronews.com am 8. September 2026 berichtete, untersuchte Daten von ĂŒber 100.000 Teilnehmenden ĂŒber den Zeitraum 2009 bis 2023. Demnach erhöht ein unregelmĂ€ĂŸiger „Essens-Jetlag“ am Wochenende bei MĂ€nnern das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 14 Prozent pro Stunde Abweichung und das Risiko fĂŒr koronare Herzkrankheiten um 21 Prozent. Bei Frauen zeigte sich kein vergleichbarer Effekt.

Eine weitere im European Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Studie, ĂŒber die freundin.de am 8. September 2026 berichtete, wertete Daten von 31.044 Erwachsenen ab 40 Jahren mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 8,6 Jahren aus, in der 7.129 TodesfĂ€lle registriert wurden. Das niedrigste Sterberisiko zeigte sich bei einer ersten Mahlzeit zwischen 7 und 8 Uhr.

Ein spĂ€teres FrĂŒhstĂŒck war mit einem höheren Risiko verbunden: zwischen 8 und 10 Uhr um 10 Prozent, zwischen 10 und 12 Uhr um 19 Prozent und nach 12 Uhr um 29 Prozent erhöht. Die Autoren betonten jedoch, dass kein Beweis fĂŒr eine ursĂ€chliche Wirkung vorliegt.

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Proteinzufuhr: Nutzen und Grenzen

Eine im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Metaanalyse, ĂŒber die desired.de am 7. September 2026 berichtete, zeigt, dass eine zusĂ€tzliche Proteinsupplementierung neben Krafttraining die fettfreie Körpermasse um 0,3 Kilogramm steigert. Ab einer Zufuhr von 1,62 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht ließ sich jedoch kein weiterer Effekt nachweisen.

Kurzfristig reduzieren Proteinshakes das HungergefĂŒhl, langfristig bleibt die Wirkung laut der Analyse von 28 Studien unklar. NierenschĂ€den durch proteinreiche ErnĂ€hrung entstehen bei gesunden Erwachsenen demnach nicht. Allerdings verweist desired.de auch auf einen US-Test aus dem Jahr 2025, bei dem 47 Prozent von 160 getesteten Proteinpulvern die Grenzwerte fĂŒr Schwermetalle ĂŒberschritten.

Verbrauchereinstellungen zur ErnÀhrung

Wie stark das Thema im Alltag verankert ist, zeigt die heristo Generationenstudie, durchgefĂŒhrt von Kantar im Mai 2026 mit 2.000 Befragten im Alter von 16 bis 69 Jahren.

Demnach glauben 74 Prozent, dass ErnĂ€hrung großen Einfluss auf die Gesundheit hat, und 75 Prozent geben an, heute stĂ€rker darauf zu achten. 49 Prozent halten proteinreiche ErnĂ€hrung fĂŒr wichtig, wĂ€hrend 66 Prozent Alltagslebensmittel gegenĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmitteln bevorzugen. 86 Prozent wollen lange gesund leben, 55 Prozent wĂ€ren dafĂŒr bereit, entsprechende Produkte zu kaufen – allerdings mit einer Zahlungsbereitschaft von maximal 5 Prozent Aufpreis.

Als vertrauenswĂŒrdigste Informationsquelle gelten Ärzte und Apotheker mit 53 Prozent, wĂ€hrend Influencer nur von 14 Prozent als glaubwĂŒrdig eingestuft werden.

Weitere Forschungsfelder

Auch außerhalb der klassischen ErnĂ€hrungsforschung gibt es Fortschritte im Bereich Stoffwechsel: Ein experimentelles Krebsmedikament namens CADD522, das an der University of East Anglia untersucht und in npj Drug Discovery veröffentlicht wurde, zeigte bei MĂ€usen nach acht Wochen Behandlung eine verbesserte Knochengesundheit, eine geringere Gewichtszunahme trotz gleicher Futtermenge sowie weniger Körperfett, ohne den Omega-3-Gehalt zu beeintrĂ€chtigen. Erste Sicherheitstests an MĂ€usen, Ratten und Hunden verliefen positiv, Humanstudien stehen jedoch noch aus.

Zum Thema Koffein stuft die europÀische Lebensmittelbehörde EFSA laut einem Bericht von ihr-wellness-magazin.de vom 8. September 2026 Mengen bis 200 Milligramm pro Einzeldosis und 400 Milligramm pro Tag als unbedenklich ein.

Und zum vielfach beworbenen Trend der Enzymsubstitution im Alter hĂ€lt eine Übersicht von Spitzen-Praevention fest, dass diese wissenschaftlich nur bei diagnostiziertem Mangel, etwa bei exokriner Pankreasinsuffizienz oder Laktoseintoleranz, sinnvoll ist.

Ein pauschaler EnzymrĂŒckgang im Alter sei nicht belegt. Eine Studie aus dem Jahr 2025 zu Bromelain bei Kniearthrose lieferte Hinweise auf eine Verringerung von EntzĂŒndungsmarkern, die Datenlage bleibe jedoch insgesamt zurĂŒckhaltend zu bewerten.

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