Medikamenten-Check, Senioren

Medikamenten-Check fĂŒr Senioren: Warum auch Johanniskraut auf die Liste gehört

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Viele pflanzliche NahrungsergĂ€nzungsmittel kommen ohne behördliche PrĂŒfung auf den Markt; Johanniskraut kann Arzneimittelwirkungen verĂ€ndern.

Pflanzliche PrÀparate: Mediziner fordern strengere Kontrollen und Medikationschecks
Verschiedene getrocknete HeilkrÀuter und pflanzliche Zutaten in kleinen Glasschalen auf einem rustikalen Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Mediziner betonen die Notwendigkeit einer regelmĂ€ĂŸigen ÜberprĂŒfung der Medikation bei Ă€lteren Menschen. Hintergrund ist die zunehmende Zahl von FĂ€llen, in denen die gleichzeitige Einnahme mehrerer verschreibungspflichtiger PrĂ€parate in Kombination mit unkontrollierten pflanzlichen Mitteln wie Johanniskraut zu schwerwiegenden Wechselwirkungen fĂŒhrt, wie einem Bericht zufolge dargelegt wird. Gerade bei Senioren, die hĂ€ufig mehrere Medikamente parallel einnehmen, wĂ€chst damit ein Risiko, das oft unterschĂ€tzt wird.

Ein wachsender Markt ohne strenge Kontrolle

Der Markt fĂŒr pflanzliche NahrungsergĂ€nzungsmittel ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Andreas Hensel, PrĂ€sident der Gesellschaft fĂŒr Phytotherapie an der UniversitĂ€t MĂŒnster, verweist darauf, dass allein 2025 mehr als 30.000 pflanzliche NahrungsergĂ€nzungsmittel neu auf den deutschen Markt kamen.

Diese FĂŒlle an Produkten steht einer vergleichsweise laxen Regulierung gegenĂŒber: Laut dem Bundesamt fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist vor dem Markteintritt lediglich ein Registereintrag erforderlich – eine behördliche PrĂŒfung findet nicht statt.

Diese RegelungslĂŒcke sorgt zunehmend fĂŒr Kritik. Wissenschaftler, Ärzte und VerbraucherschĂŒtzer haben sich in einem gemeinsamen Brief an die Bundesministerien fĂŒr Landwirtschaft, ErnĂ€hrung und Wirtschaft gewandt und strengere Regeln gefordert.

Konkret verlangen sie korrekte Angaben bereits bei der Anmeldung neuer Produkte, eine kontinuierliche PrĂŒfung von Rohstoffen und Fertigprodukten sowie eine bessere Kontrolle irrefĂŒhrender Gesundheitsversprechen.

Im europĂ€ischen Vergleich gelten Deutschlands Nachbarn Schweiz, Frankreich und Belgien als strenger aufgestellt, da sie ĂŒber schĂ€rfere Dokumentationspflichten fĂŒr pflanzliche PrĂ€parate verfĂŒgen.

Woran sich die QualitÀt pflanzlicher Arzneimittel bemisst

Die EuropĂ€ische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat fĂŒr die QualitĂ€tsbewertung pflanzlicher Arzneimittel mehrere Kriterien definiert. BerĂŒcksichtigt werden demnach unter anderem die Spezifikation der eingesetzten Pflanzenstoffe, durchgefĂŒhrte Tests, mögliche Kontaminanten, die Produktionsbedingungen, die WasserqualitĂ€t sowie die StabilitĂ€t der fertigen PrĂ€parate.

Diese Kriterien gelten allerdings fĂŒr zugelassene Arzneimittel – nicht fĂŒr die Vielzahl frei verkĂ€uflicher NahrungsergĂ€nzungsmittel, die ohne vergleichbare PrĂŒfung in den Handel gelangen.

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Wechselwirkungen als unterschÀtztes Risiko

Experten weisen darauf hin, dass bei pflanzlichen Produkten stets mehrere Faktoren gemeinsam bewertet werden mĂŒssen: der Pflanzentyp, die Dosierung, die Zubereitungsform und nicht zuletzt die parallel eingenommenen Medikamente. Besondere Vorsicht gilt fĂŒr Personen, die regelmĂ€ĂŸig Arzneimittel einnehmen, fĂŒr Schwangere, Kindern und chronisch Kranke – Gruppen, in denen unerkannte Wechselwirkungen besonders schwerwiegende Folgen haben können.

Als Beispiel fĂŒr ein bekanntes Risikopotenzial wird Johanniskraut genannt. Der pflanzliche Wirkstoff kann mit einer Vielzahl von Medikamenten interagieren und deren Wirkstoffspiegel im Körper verĂ€ndern. Da Johanniskraut-PrĂ€parate frei verkĂ€uflich sind und hĂ€ufig ohne Ă€rztliche RĂŒcksprache eingenommen werden, bleibt dieses Risiko in vielen FĂ€llen unentdeckt.

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Bedeutung fĂŒr die Praxis

FĂŒr Senioren und ihre behandelnden Ärzte ergibt sich aus diesen Befunden ein klarer Handlungsbedarf: Eine regelmĂ€ĂŸige Durchsicht der gesamten Medikation – einschließlich frei verkĂ€uflicher pflanzlicher Mittel – gilt als wichtiger Schritt, um Wechselwirkungen frĂŒhzeitig zu erkennen.

Angesichts der wachsenden Zahl neuer Produkte bei gleichzeitig geringer behördlicher PrĂŒfung liegt die Verantwortung fĂŒr eine sichere Einnahme derzeit in hohem Maße bei Patienten und behandelnden Medizinern selbst.

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