Medikamenten-Hürden, Senioren

Medikamenten-Hürden: 40% der Senioren können Tropfen nicht anwenden

21.06.2026 - 02:30:12 | boerse-global.de

Über 500 Lieferengpässe belasten die Arzneimittelversorgung. Hitze und praktische Hürden bei Senioren verschärfen die Lage.

Arzneimittelversorgung 2026: Lieferengpässe und neue Herausforderungen
Medikamenten-Hürden - Nahaufnahme von verschiedenen pharmazeutischen Blisterpackungen und Medikamentenflaschen, einige leer oder mit wenig Inhalt. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Lieferengpässe, Anwendungsprobleme bei Senioren und neue Erkenntnisse zu pflanzlichen Alternativen: Die Arzneimittelversorgung in Deutschland steht vor mehreren Herausforderungen. Aktuelle Daten aus dem Frühjahr 2026 zeigen konkrete Hürden.

Über 500 Lieferengpässe registriert

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zählt aktuell über 500 gemeldete Lieferengpässe. Besonders betroffen sind Produkte von Sun Pharma sowie Ratiopharm/Teva.

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Bei den Lipidlenkern Ezetimib/Simvastatin bleiben die Engpässe bis Ende Juni bestehen. Atorvastatin ist in verschiedenen Dosierungen voraussichtlich bis Jahresende eingeschränkt verfügbar. Auch Antibiotika wie Cipro (seit Juli 2025 eingeschränkt) sowie Cefurox und Cefaclor werden frühestens Ende Juni wieder normal lieferbar sein.

Die Hersteller nennen globale Lieferkettenprobleme, begrenzte Produktionskapazitäten und Schwierigkeiten bei den Wirkstoffproduzenten als Ursachen.

Verzögerungen bei Blutdrucksenkern und Psychopharmaka

Ratiopharm und Teva melden zudem Verzögerungen bei Blutdrucksenkern und Psychopharmaka. Propranolol soll aufgrund regulatorischer Anpassungen beim Wirkstoff voraussichtlich Anfang Oktober wieder verfügbar sein. Nitrendipin Abz verzögert sich bereits seit September 2025 – eine Lösung wird frühestens im Juli erwartet. Beim Wirkstoff Clonidin streben die Hersteller eine Lösung bis Mitte Juli an.

Trotz der angespannten Lage bleiben gängige Schmerz- und Entzündungspräparate im Markt präsent. IBU-LYSIN-ratiopharm (400 mg) kostet in der Zehner-Packung 7,59 Euro. Für stärkere Schmerzen kommt Talvosilen forte (Paracetamol und Codein) zum Einsatz – 50 Zäpfchen kosten Privatpatienten 25,43 Euro, gesetzlich Versicherte zahlen 5,37 Euro zu.

Jeder zweite Senior hat Probleme mit Medikamenten

Eine Studie der Universitätskliniken Essen und Düsseldorf offenbart gravierende praktische Hürden bei der Medikamenteneinnahme im Alter. Die Befragung von 102 Personen ab 70 Jahren, die mindestens fünf verschiedene Medikamente einnehmen, zeigt:

  • 40 Prozent haben Probleme mit Augentropfen
  • 20 Prozent können Verpackungen nicht öffnen
  • 20 Prozent gehen die Medikamente vorzeitig aus
  • 5 Prozent haben bereits Medikamente verwechselt

Die Studienleitung betont: Es geht nicht um mangelnde Motivation, sondern um praktische Hindernisse.

Hitze als Risiko für die Medikamentenwirkung

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) warnt vor den Auswirkungen von Hitzeperioden. Hohe Temperaturen können die Wirkung von Medikamenten verstärken oder beschleunigen.

Besonders kritisch: Wirkstoffpflaster mit Opioiden. Hier kann Hitze zu einer Überdosierung führen. Auch bei entwässernden Blutdruck-Medikamenten steigt das Risiko für Austrocknung. Insulin wirkt bei Hitze schneller – das Risiko einer Unterzuckerung steigt.

Thymian gegen Husten – Omega-3 enttäuscht

Ein türkisches Forschungsteam veröffentlichte am 14. Mai 2026 eine systematische Übersichtsarbeit zu Thymian-Präparaten. Die Analyse von 15 klinischen Studien deutet darauf hin, dass die Wirkstoffe Thymol und Carvacrol Symptome bei Husten, Bronchitis und Asthma lindern können.

Die Experten warnen jedoch: Die klinische Evidenz ist aufgrund teilweise geringer Stichprobengrößen begrenzt.

Eine Langzeitstudie der Keck Medicine of USC (erschienen am 18. Juni 2026 in „eBioMedicine“) konnte dagegen keine positiven Effekte von Omega-3-Fettsäuren auf die kognitive Gesundheit feststellen. Trotz signifikant erhöhter DHA-Spiegel in der Gehirnflüssigkeit zeigten die 365 Probanden nach sechs Monaten keine Verbesserungen des Gedächtnisses oder der Kognition.

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Telemedizin in der Apotheke: Start im Juli

Ab Juli 2026 wird das Angebot der assistierten Telemedizin in deutschen Apotheken erweitert. Auf Basis des Digitalgesetzes von 2023 können Apotheken Videosprechstunden anbieten – sie stellen Räumlichkeiten und Technik.

Die Vergütung: 30 Euro pro Fall im ersten Jahr, bis 2029 sinkt der Betrag auf 21,50 Euro. Ziel ist es, insbesondere in ländlichen Regionen den Zugang zu ärztlicher Beratung zu verbessern. Unternehmen wie Teleclinic halten bereits große Arzt-Pools bereit, um die steigende Nachfrage zu bedienen.

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