Medikationsfehler, Senioren

Medikationsfehler: 20 Senioren in Wiener Heim falsch versorgt

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 18:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In einem Wiener Pflegeheim wurden ĂŒber Monate Medikamente falsch verabreicht. Die Betreiberorganisation reagiert mit personellen Konsequenzen und neuen Kontrollen.

Wiener Pflegeheim: Fehlerhafte Medikamentengabe bei 20 Bewohnern aufgedeckt
HĂ€nde einer Pflegekraft beim Vorbereiten von Medikamenten auf einem Tablett in einer modernen Pflegeeinrichtung. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

In einem Pflegeheim der Wiener Betreiberorganisation KWP HĂ€user zum Leben ist es ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum zu abweichender Medikamentenvergabe gekommen. Betroffen waren 20 von 350 Bewohnerinnen und Bewohnern im Haus Leopoldau in Wien-Floridsdorf. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf strukturelle SchwĂ€chen bei der Arzneimittelvergabe in stationĂ€ren Pflegeeinrichtungen und zeigt, wie leicht solche Fehler ĂŒber Monate unentdeckt bleiben können.

Art und Ausmaß der Abweichungen

Laut Angaben der Betreiberorganisation beschrÀnkten sich die VorfÀlle auf eine einzelne Abteilung des Hauses. Zu den dokumentierten Fehlern zÀhlten unter anderem eine falsche Dosierungsfrequenz beim PrÀparat Seractil, das zweimal statt der vorgesehenen dreimal tÀglich verabreicht wurde, sowie eine falsche Darreichungsform von Vitamin D, das in Tropfenform statt als Tablette gegeben wurde.

Zudem wurde das Blasenmedikament Detrusitol in einzelnen FÀllen gar nicht verabreicht, andere Medikamente wurden zur falschen Tageszeit gegeben, abgesetzt oder es kamen nicht verschriebene PrÀparate zum Einsatz.

Nach Angaben von KWP HĂ€user zum Leben zeigte sich bei 18 der 20 betroffenen Bewohner kein auffĂ€lliger Gesundheitszustand. Bei zwei Personen stehen Labortests noch aus, um mögliche gesundheitliche Folgen auszuschließen.

Ursachenforschung: Versagen auf mehreren Ebenen

Als Ursache nannte die Betreiberorganisation Personalversagen, wobei nach eigenen Angaben gleich zwei Kontrollschleifen versagt hÀtten. Besonders brisant: Ein erster Fall von Fehlmedikation soll bereits im MÀrz 2025 aufgetreten sein, eine damalige Beschwerde sei jedoch nach Darstellung von ORF nur unzureichend bearbeitet worden.

Zwischen dem ersten bekannten Vorfall und der jetzigen Aufarbeitung liegt demnach ein erheblicher Zeitraum, in dem offenbar keine ausreichende Nachverfolgung erfolgte.

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Personelle und organisatorische Konsequenzen

Als unmittelbare Reaktion wurden die Teamleiterin und die Direktorin des Hauses Leopoldau freigestellt. Der Vertrag mit der zustĂ€ndigen Apotheke wurde aufgelöst. Die Betreiberorganisation beauftragte zudem eine externe PrĂŒfung durch die Kanzleien Sebesta und Baker McKenzie, wĂ€hrend auch die Magistratsabteilung 40 (MA40) der Stadt Wien in die Aufarbeitung eingebunden ist.

Als strukturelle Maßnahme wurde nach Angaben von heute.at eine zusĂ€tzliche Kontrollebene bei der Medikamentenvergabe eingefĂŒhrt. Die Staatsanwaltschaft prĂŒft inzwischen eine eingebrachte Sachverhaltsdarstellung zu dem Fall.

Politische Reaktionen

Der Fall löste in Wien politische Debatten aus. Die FPÖ Wien ĂŒbte ĂŒber ihre Vertreterin SchĂŒtz Kritik am zustĂ€ndigen Gesundheitsstadtrat Peter Hacker und forderte mehr Personal sowie funktionierende Kontrollmechanismen in den stĂ€dtischen Pflegeeinrichtungen.

Die GrĂŒnen Wien verlangten ĂŒber ihre Vertreterin Huemer eine lĂŒckenlose AufklĂ€rung. Huemer wies darauf hin, dass die Fehlmedikation offenbar nur durch Zufall entdeckt worden sei, was aus ihrer Sicht belegt, dass bestehende Kontrollmechanismen versagt hĂ€tten.

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Bedeutung fĂŒr die Pflegebranche

Der Fall aus dem Haus Leopoldau macht deutlich, wie fehleranfÀllig die tÀgliche Medikamentenvergabe in Pflegeeinrichtungen mit hoher Bewohnerzahl sein kann, insbesondere wenn Kontrollschleifen nicht konsequent greifen.

Dass eine erste Beschwerde bereits im FrĂŒhjahr 2025 registriert, aber offenbar nicht ausreichend verfolgt wurde, wirft grundsĂ€tzliche Fragen zum Umgang mit Meldungen und Beschwerden innerhalb von Pflegeeinrichtungen auf.

Angehörige und Aufsichtsbehörden dĂŒrften den weiteren Verlauf der externen PrĂŒfungen sowie mögliche strukturelle Reformen bei der Medikamentenausgabe in Wiener Pflegeheimen aufmerksam verfolgen.

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