Melatonin, Langzeitnutzung

Melatonin: Langzeitnutzung erhöht Herzinsuffizienz-Risiko um 90%

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 19:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Langzeitstudie mit 130.000 Probanden zeigt deutlichen Zusammenhang zwischen Melatonin-Einnahme und erhöhtem Herzinsuffizienz-Risiko.

Melatonin-Studie: 90 Prozent mehr Herzinsuffizienz-Risiko bei Dauergebrauch
Eine Melatonin-Pillenflasche und ein stilisiertes blau leuchtendes Herz vor einem unscharfen Krankenhausflur, das Risiko symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Doch eine Langzeitstudie mit über 130.000 Probanden liefert jetzt alarmierende Daten: Wer das Hormon monatelang nimmt, könnte sein Risiko für Herzinsuffizienz massiv steigern.

Das Herzrisiko steigt um 90 Prozent

Ein Forscherteam um Dr. Ekenedilichukwu Nnadi präsentierte die Ergebnisse auf den AHA Scientific Sessions 2025. Die Analyse umfasste die Gesundheitsdaten von 130.828 Erwachsenen mit chronischer Insomnie. Das Ergebnis: Bei einer Einnahmedauer von mindestens zwölf Monaten stieg das Risiko für Herzinsuffizienz um 90 Prozent im Vergleich zu Patienten ohne dauerhafte Melatonin-Nutzung.

Die Hospitalisierungsrate in der Melatonin-Gruppe lag bei 19 Prozent – in der Vergleichsgruppe waren es nur 6,6 Prozent. Auch die Sterblichkeit unterschied sich deutlich: 7,8 Prozent bei Langzeitanwendern gegenüber 4,3 Prozent bei Nicht-Anwendern.

Korrelation ist nicht Kausalität

Trotz der klaren Zahlen warnen Experten vor voreiligen Schlüssen. Prof. Dr. Ferdinand Vogt betont: Die Daten belegen einen Zusammenhang, aber keinen direkten Beweis. Noch sei unklar, ob das Melatonin selbst die Herzschwäche auslöst oder ob Faktoren wie die zugrunde liegenden Schlafstörungen oder Begleiterkrankungen die entscheidende Rolle spielen.

Für die kurzzeitige Einnahme – etwa bei Jetlag oder akuten Schlafproblemen – stufen Fachleute Melatonin weiterhin als unbedenklich ein. Die Forscher fordern jedoch eine genauere Überwachung der Langzeitfolgen von Selbstmedikation mit hormonell wirksamen Präparaten.

Australien geht gegen illegale Importe vor

Parallel zur wissenschaftlichen Debatte schreiten Behörden gegen Qualitätsmängel im Melatonin-Markt ein. Im Juni 2026 verhängte die australische Gesundheitsbehörde TGA Bußgelder von insgesamt 99.000 US-Dollar gegen Acacia Pharmacy Pty Ltd. Grund: Das Unternehmen importierte illegal Melatonin-Produkte, die in Australien nicht zugelassen waren.

Die Behörden warnen ausdrücklich vor gefälschten oder nicht zertifizierten Präparaten. Sie bergen ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko.

Neue Perspektiven für die Herzgesundheit

Die Melatonin-Erkenntnisse sind Teil eines größeren Bildes. Im Juli 2026 veröffentlichten die American Heart Association und das American College of Cardiology neue Richtlinien zum Herz-Niere-Stoffwechsel-Syndrom. Sie setzen verstärkt auf moderne Wirkstoffe wie SGLT2-Hemmer und GLP-1-Agonisten.

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Die Grundlagenforschung liefert ebenfalls neue Ansätze. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen identifizierten den Transkriptionsfaktor KLF15 als zentralen Steuerungsmechanismus. In Versuchsmodellen verbesserte seine Aktivierung die Pumpfunktion des Herzens und reduzierte krankhafte Vergrößerungen.

Studien aus dem Frühjahr 2026 zeigen zudem: Eine früh erkannte Herzinsuffizienz ist kein unumkehrbarer Zustand. Die Messung spezifischer Biomarker ermöglicht eine erfolgreiche Behandlung im Frühstadium. Vor diesem Hintergrund gewinnen Erkenntnisse über externe Einflussfaktoren wie die Langzeiteinnahme von Schlafmitteln an klinischer Bedeutung.

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