Menopause und Schmerzen: Etwa jede zweite Frau in der Lebensmitte betroffen
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rund um den Welt-Menopause-Tag am 18. Oktober 2026 rückt die International Menopause Society (IMS) mit dem Jahresthema chronische Schmerzen in der Lebensmitte ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem in den Fokus. Laut einem im Fachjournal Climacteric veröffentlichten White Paper von Mailis et al. aus dem Jahr 2026 leidet etwa die Hälfte der Frauen in der Lebensmitte unter chronischen Schmerzen.
Häufig treten dabei mehrere Syndrome gleichzeitig auf, darunter Fibromyalgie, Migräne sowie Unterleibsschmerzen. Dennoch werden diese Beschwerden in der medizinischen Praxis oft nicht erkannt und bleiben entsprechend unterbehandelt.
Hohe Belastung des Bewegungsapparats in den Wechseljahren
Die Häufigkeit von Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat belegen mehrere wissenschaftliche Arbeiten. Eine Metaanalyse von Lu et al. aus dem Jahr 2020 im Journal Neural Plasticity, die 16 Studien mit 5.836 Frauen umfasste, stellte fest, dass in der Perimenopause 71 Prozent der Frauen unter Schmerzen am Bewegungsapparat leiden (Konfidenzintervall 64–78 Prozent). Dies entsprach einer Odds Ratio von 1,63 gegenüber der Zeit vor den Wechseljahren und von 1,07 im Vergleich zur Zeit nach der Menopause.
Eine Untersuchung von Wright et al. aus dem Jahr 2024 zeigte zudem, dass mehr als 70 Prozent der Frauen in der Lebensmitte muskuloskelettale Symptome aufweisen, wobei 25 Prozent über Einschränkungen im Alltag berichten.
Demgegenüber ergab eine Metaanalyse von Overton et al. aus dem Jahr 2026, die 57 Studien mit 3.958.702 Teilnehmerinnen auswertete, beim allgemeinen Schmerz des Bewegungsapparats keinen Unterschied (Relatives Risiko 1,00; Konfidenzintervall 0,96–1,04).
Bezüglich des Nutzens von Hormonbehandlungen gegen Rückenschmerzen lieferte die HUNT-Studie von Heuch et al. aus dem Jahr 2023 an 6.007 Frauen differenzierte Resultate: Eine systemische Hormontherapie ging nach elf Jahren mit einem um 30 Prozent erhöhten Risiko für chronische Kreuzschmerzen einher (Relatives Risiko 1,30; bei reiner Östrogentherapie 1,49 und bei einer Kombinationstherapie 1,35).
Globale Krankheitslast und Verteilung von Schmerzen
Frauen sind weltweit in besonderem Maße von Schmerzzuständen betroffen. Eine in Nature Medicine veröffentlichte globale Untersuchung auf Basis von Daten aus den Jahren 1990 bis 2025 an über 6,1 Millionen Menschen in 118 Ländern im Alter von 5 bis 100 Jahren zeigte, dass Frauen in allen elf untersuchten Körperregionen und allen Lebensphasen eine höhere Schmerzprävalenz aufweisen als Männer.
Der Schmerz steigt dabei nicht gleichmäßig mit dem Alter an. Während Kopfschmerzen ihren Höchstwert bei etwa 34 Jahren und Bauchschmerzen bei rund 23 Jahren erreichen, liegt die Spitze für Gesichtsschmerzen bei 45 Jahren, für Ellenbogenschmerzen bei 59 Jahren und für Nacken- sowie Schulterschmerzen bei etwa 62 Jahren.
Starke Schmerzen erreichen ihren Höhepunkt um das 50. Lebensjahr, während Schmerzen des Muskel-Skelett-Systems an Rücken, Hüfte und Knien ihren Spitzenwert bei etwa 75 Jahren verzeichnen. Laut Studienautorin Miret von der Universidad Autónoma de Madrid gilt Schmerz nach Depressionen als zweithäufigste Ursache für Behinderungen weltweit.
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Auch Kreuzschmerzen treffen ältere Frauen überproportional. Eine Auswertung der Daten des Global Burden of Disease 2021 durch Xu et al. aus dem Jahr 2025 ergab, dass Frauen ab 55 Jahren eine 1,78-fach höhere Neuerkrankungsrate und eine 1,86-fach höhere Häufigkeit von Kreuzschmerzen aufweisen als gleichaltrige Männer.
Im Jahr 2021 wurden weltweit 176,8 Millionen Betroffene registriert, was nahezu einer Verdopplung gegenüber dem Jahr 1990 entspricht. Als Risikofaktoren erklären der Body-Mass-Index 14,2 Prozent der verlorenen gesunden Lebensjahre, berufliche Belastungen 12,6 Prozent und das Rauchen 7,3 Prozent.
Diagnostische Einordnung und therapeutische Ansätze
Veränderungen der Wirbelsäule sind im Alter verbreitet, korrelieren jedoch nicht immer mit Beschwerden. Eine bildgebende Studie von Brinjikji et al. aus dem Jahr 2015 an 3.110 schmerzfreien Personen zeigte, dass Bandscheibenabnutzungen von 37 Prozent bei 20-Jährigen auf 96 Prozent bei 80-Jährigen ansteigen, während Bandscheibenvorwölbungen von 30 Prozent auf 84 Prozent zunehmen.
Die Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz aus dem Jahr 2017 empfiehlt eine kernspintomografische Abklärung erst nach vier bis sechs Wochen bei anhaltenden Beschwerden.
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Zur Behandlung belegt eine Cochrane-Übersichtsarbeit von Hayden et al. aus dem Jahr 2021 anhand von 249 Studien mit moderater Evidenz, dass eine Bewegungstherapie bei chronischen Kreuzschmerzen zu einer Schmerzreduktion von rund 15 Punkten auf einer Skala von 0 bis 100 führt (Konfidenzintervall 12,2–18,3).

