Muskelkraft: Höhere Griffstärke senkt Sterberisiko um 12 Prozent
28.06.2026 - 01:51:14 | boerse-global.de
Eine aktuelle Langzeitstudie zeigt: Wer seine Muskeln trainiert, senkt sein Sterberisiko signifikant.
Muskelkraft als Lebensversicherung
Eine im Juni 2026 in JAMA Network Open veröffentlichte Studie unterstreicht den Wert der Muskelkraft. Forscher beobachteten 5.472 Frauen zwischen 63 und 99 Jahren über acht Jahre. Ergebnis: Eine höhere Griffkraft korreliert mit einer Reduktion der Sterblichkeit um 12 Prozent pro Standardabweichung – unabhängig vom allgemeinen Aktivitätsniveau.
Sportmediziner empfehlen daher mindestens zwei Krafttrainingseinheiten pro Woche. Ab dem 30. Lebensjahr nehmen die Muskelfasern ohne Gegenmaßnahmen um drei bis acht Prozent pro Jahrzehnt ab. Progressives Widerstandstraining kann diesen Prozess verlangsamen oder sogar kompensieren.
Abnehmspritzen gefährden die Muskulatur
Ein aktueller Fokus liegt auf den Nebenwirkungen moderner Gewichtsreduktionsmittel. Ernst Minar, Leiter von John Harris Fitness, warnt: „Abnehmspritzen gehen häufig mit massivem Muskelverlust einher.“ Bei zehn Kilogramm Gewichtsverlust entfallen oft bis zu vier Kilogramm auf die Muskulatur.
In Österreich liegt die gesunde Lebenserwartung bei nur 58 Jahren – deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 64 Jahren. Bewegung sei daher als Ergänzung oder Alternative zu Medikamenten essenziell, so Minar.
Neue Wirkstoffe gegen Muskelschwund
Die Pharmaindustrie sucht nach Lösungen. Eine in Nature Medicine veröffentlichte Studie untersuchte den Myostatin-Blocker Apitegromab. In Kombination mit Tirzepatid konnten 102 Teilnehmer über 24 Wochen etwa 55 Prozent mehr Magermasse erhalten als die Kontrollgruppe.
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Auch die Gentherapie macht Fortschritte: Das Unternehmen Epicrispr berichtete Ende Juni 2026 über erste Erfolge bei Patienten mit Muskeldystrophie. Ein epigenetischer Editor erzielte einen leichten Zuwachs an Muskelmasse.
Training für über 50: Darauf kommt es an
Menschen über 50 müssen ihren Körper anders fordern als in jungen Jahren. Orthopäde und Laufsport-Experte Thomas Wessinghage betont: Neben der Sturzprävention steht die Knochendichte im Fokus. Da die Knochenmasse bereits ab 30 sinkt, empfehlen Trainer Übungen mit Stoßbelastungen – Sprünge, Kniebeugen, Kreuzheben oder Liegestütze.
Ein oft unterschätzter Aspekt: die Kräftigung des Beckenbodens. Untersuchungen an rund 600.000 Frauen zeigten: 32 Prozent der 55- bis 64-Jährigen und 40 Prozent der über 70-Jährigen sind von Inkontinenz betroffen. Ein zwölfwöchiges Krafttraining mit Deadlifts kann hier signifikante Verbesserungen erzielen.
Kreatin und High-Tech-Unterstützung
Zur Unterstützung des Muskelaufbaus wird Kreatin diskutiert. Es kann die Muskeln belasten und kognitive Prozesse fördern. Ernährungsexperten raten jedoch zur Einnahme nur nach Absprache mit Fachpersonal und unter Beachtung der Produktqualität.
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Im Bereich der technischen Hilfsmittel werden Exoskelette erprobt. Leichte Systeme, die etwa zwei Kilogramm wiegen und die Hüftmuskulatur beim Bergsteigen unterstützen, zeigen Potenzial für Rehabilitation und körperlich fordernde Berufe. Befürworter betonen die Inklusion, Kritiker führen Debatten über die Fairness solcher Hilfsmittel im Freizeitbereich.
Diese ethische Diskussion spiegelt sich auch in der medialen Aufarbeitung extremer Leistungssteigerungen wider. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Dokumentation befasst sich mit den sogenannten Enhanced Games, bei denen Doping explizit zugelassen ist. Das Projekt, unterstützt von namhaften Technologie-Investoren, stößt bei Organisationen wie der NADA auf scharfe Kritik – sie stuft es als modernes Humanexperiment ein.
