Muskelschwund unter Abnehmspritzen: DGEM warnt vor Sarkopenie
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 10:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während moderne Abnehmspritzen gezielt zum Gewichtsverlust führen, treiben andere Wirkstoffe die Waage in die Höhe.
Diese Wirkstoffe fördern die Gewichtszunahme
Eine große Kohortenstudie aus dem Jahr 2024 mit über 183.000 Erwachsenen bestätigte deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Medikamentenklassen. Besonders betroffen: Psychopharmaka.
Antipsychotika wie Olanzapin und Clozapin gelten als die Wirkstoffe mit dem höchsten Risiko für Gewichtszunahme. Auch Antidepressiva wie Mirtazapin und trizyklische Substanzen wie Amitriptylin sind betroffen. Der Mechanismus: Sie blockieren Histamin-H1- und Serotonin-5-HT2C-Rezeptoren, was den Appetit steigert.
In der Diabetestherapie fördern klassische Wirkstoffe wie Insulin, Sulfonylharnstoffe und Pioglitazon den Gewichtsaufbau. Glukokortikoide wie Prednisolon und bestimmte Calciumkanalblocker wie Amlodipin können durch Wassereinlagerungen die Waage nach oben treiben. Auch bei Antiepileptika wie Pregabalin und Gabapentin wird eine appetitsteigernde Wirkung beobachtet.
Wissenschaftler warnen: Eine frühe Gewichtszunahme zu Therapiebeginn ist ein verlässlicher Indikator für langfristige Probleme.
Wenn die Abnehmspritze nicht wirkt
GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid gelten als Wundermittel gegen Übergewicht. Doch nicht jeder Patient spricht darauf an. Experten schätzen den Anteil der Non-Responder auf 10 bis 30 Prozent.
Als Non-Responder gelten Patienten, die nach sechs Monaten weniger als fünf Prozent ihres Ausgangsgewichts verlieren. Die Ursachen sind vielfältig. Rund 20 bis 60 Prozent der Patienten brechen die Behandlung innerhalb des ersten Jahres ab. Hinzu kommen physiologische Faktoren wie Insulinresistenz, Schlafstörungen oder Wechselwirkungen mit Kortikosteroiden und Psychopharmaka.
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Auch die Genetik spielt eine Rolle. Eine Mutation des PAM-Enzyms, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung betrifft, kann eine Resistenz gegen GLP-1-Wirkstoffe verursachen. Varianten der GLP1R- und GIPR-Gene beeinflussen zudem das Ausmaß des Gewichtsverlusts. Studien deuten darauf hin, dass Frauen tendenziell stärker auf Semaglutid reagieren als Männer.
Muskelschwund und Magensteine: Die Schattenseiten des Abnehmens
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) warnte im Juli 2026 vor dem Verlust an Muskelmasse unter Abnehmspritzen. Studien belegen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 17 Prozent für Semaglutid und 20,9 Prozent für Tirzepatid. Ein relevanter Teil davon kann auf die Muskulatur entfallen.
Besonders kritisch: Für ältere Menschen steigt das Risiko für Sarkopenie und Stürze. Experten empfehlen daher begleitendes Kraft- und Ausdauertraining sowie eine proteinreiche Ernährung mit 1,2 bis 1,6 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht.
Ein Fallbericht im New England Journal of Medicine vom Juli 2026 zeigt zudem seltene Komplikationen. Eine Patientin entwickelte unter Semaglutid einen Magenbezoar – einen Klumpen aus unverdautem Nahrungsbrei. Grund ist die verzögerte Magenentleerung, eine bekannte Wirkung dieser Medikamentenklasse.
Neue Namen, neue Hoffnung
Im Frühjahr 2026 gab es eine Neuausrichtung in der Frauengesundheit. Auf Initiative von 56 Fachorganisationen wurde das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) in Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) umbenannt. Ziel: den Fokus stärker auf die Stoffwechselaspekte der Erkrankung zu legen. Weltweit sind rund 170 Millionen Frauen betroffen, 85 Prozent von ihnen weisen eine Insulinresistenz auf.
Jeder zweite Patient bricht die Abnehmspritze innerhalb des ersten Jahres ab – oft wegen Nebenwirkungen oder ausbleibendem Erfolg. Doch wer von Anfang an auf Muskelaufbau und richtige Ernährung setzt, erhöht die Erfolgschancen deutlich. Starten Sie noch heute mit unserem Praxis-Leitfaden. Praxis-Leitfaden jetzt sichern
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) sprach im Mai 2026 eine Empfehlung für eine orale Semaglutid-Tablette aus. Die Marktzulassung wird für Mitte August 2026 erwartet. Umfragen zeigen: Knapp die Hälfte der Betroffenen würde die Tablette der Injektion vorziehen.
In der Forschung verfolgen Wissenschaftler zudem neue Ansätze. Ein Peptid namens BRP halbierte in Tierversuchen den Appetit und ermöglichte Gewichtsverlust – ohne Übelkeit oder Muskelabbau. Klinische Studien am Menschen werden in den kommenden fünf bis zehn Jahren erwartet.
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