Nackenschmerzen: Elektroakupunktur senkt Schmerzscore auf 2,00 statt 4,00
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie wissenschaftliche Untersuchung komplementärmedizinischer Verfahren zur Schmerztherapie gewinnt in der klinischen Forschung weiter an Tiefe. Im Fokus stehen dabei vermehrt methodisch strukturierte Metaanalysen und kontrollierte Studien, die spezifische Anwendungsgebiete und Dosierungen evaluieren.
Im Fachjournal Journal of Pain Research erschien ein systematischer Review nebst Netzwerk-Metaanalyse, verfasst von den Autoren Xia L, Lu Y, Guo K und Yang D (Band 19, Artikel 647858), der die vergleichende Wirksamkeit verschiedener akupunkturbasierter Interventionen bei zervikogenem Kopfschmerz analysiert.
Parallel dazu publizierte das Journal weitere Peer-Review-Arbeiten zur Einordnung akupunkturbasierter Ansätze, darunter eine Veröffentlichung zu Wirksamkeit, Sicherheit und Kosteneffizienz ultraschallgestützter Akupunktur sowie Erkenntnisse zur Akupotomie. Letztere belegen eine Linderung von Schmerzen sowie eine Reduktion der spinalen neuronalen Hyperexzitabilität bei Knie-Arthrose im Kontext zentraler Sensibilisierung.
Klinische Studien zur Dosierung von Elektroakupunktur
Fragen zur optimalen Frequenz und Dauer von Behandlungen werden durch aktuelle klinische Untersuchungen ergänzt. Ein Forschungsteam der Guangzhou University of Chinese Medicine und des Guangdong Provincial Hospital führte eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit 90 Teilnehmenden durch (71 Frauen, 19 Männer im Alter von 18 bis 44 Jahren, die seit mindestens drei Monaten unter Nackenschmerzen litten und einen Ausgangswert von mindestens 3 auf der visuellen Analogskala [VAS] aufwiesen). Die Untersuchung wurde im Fachjournal Journal of Pain Research (Band 19, 2026, Artikel 638747) veröffentlicht.
Die Probanden wurden über einen Zeitraum von vier Wochen in drei Gruppen eingeteilt: eine Gruppe mit drei Sitzungen pro Woche (insgesamt 12 Sitzungen), eine Gruppe mit einer Sitzung wöchentlich (insgesamt 4 Sitzungen) und eine Kontrollgruppe auf der Warteliste. Appliziert wurde eine bilaterale Elektroakupunktur an den Punkten Jingbailao (EX-HN15) und Jianzhongshu (SI15) mit einer Frequenz von 2 Hz über jeweils 30 Minuten.
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Die Ergebnisse zeigten signifikante Unterschiede bei den erfassten Schmerz- und Funktionsparametern:
- Der Median des Northwick Park Neck Pain Questionnaire (NPQ) sank in der intensiven Gruppe (dreimal wöchentlich) von 36,85 auf 16,15. In der Gruppe mit einer wöchentlichen Sitzung reduzierte er sich von 36,10 auf 25,00, während die Kontrollgruppe von 34,40 auf 32,25 absank.
- Beim Schmerz-Score (VAS) erreichten beide Akupunkturgruppen in Woche 4 einen Medianwert von 2,00 (Interquartilsabstand 1,00 bis 2,00) gegenüber 4,00 (Interquartilsabstand 2,00 bis 3,00) in der Kontrollgruppe.
- Der Median des Short-Form McGill Pain Questionnaire (SF-MPQ) lag bei 8,00 (dreimal wöchentlich) gegenüber 9,50 (einmal wöchentlich) und 17,00 in der Kontrollgruppe.
- Die Druckschmerzschwelle nach vier Wochen betrug 2,10 kg/cm² in der intensiven Gruppe, 1,90 kg/cm² bei wöchentlicher Behandlung und 1,50 kg/cm² in der Kontrollgruppe.
- Bei einer Nachbeobachtung in Woche 8 lagen die VAS-Werte bei 3,00 (intensive Gruppe) gegenüber 3,55 (wöchentliche Gruppe), wobei sich zu diesem Zeitpunkt lediglich der Vorteil im VAS-Wert als statistisch signifikant erwies.
Erweiterte Evidenz und verwandte Verfahren
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Über Kopf- und Nackenschmerzen hinaus beleuchtet die Fachliteratur weitere Einsatzbereiche akupunkturbasierter Methoden. In der Fachzeitschrift JAMA Dermatology untersuchte eine sham-kontrollierte Studie (DOI: 10.1001/jamadermatol.2026.3999) 204 Patienten mit Rosazea unter laufender Erstlinientherapie.
Getestet wurde eine aktive aurikuläre Akupressur mittels Vaccaria-segetalis-Samen im bilateralen Cavum conchae (dreimal täglich über 30 Sekunden) im Vergleich zu einer Scheinintervention.
In Woche 8 erreichten 56,9 Prozent der Teilnehmenden in der aktiven Gruppe einen Behandlungserfolg im Investigator's Global Assessment (IGA-Score 0 oder 1), verglichen mit 35,3 Prozent in der Kontrollgruppe (relatives Risiko 1,61; Number Needed to Treat: 5).
Eine sofortige vaskuläre Besserung trat bei 59,3 Prozent gegenüber 7,4 Prozent auf. Die Vorteile bei den IGA- und Erythem-Scores hielten bis Woche 20 an, schwere unerwünschte Ereignisse wurden nicht verzeichnet.
Hinsichtlich invasiverer Verfahren wie der Akupotomie – dem Einsatz feiner Nadelmesser mit Klingenstärken von 0,4, 0,6 oder 0,8 mm zur mechanischen Lösung lokalisierter Weichteile im Abstand von 7 bis 10 Tagen – verweisen wissenschaftliche Arbeiten auf eine differenzierte Datenlage.
Eine Übersichtsarbeit von Kwon et al. aus dem Jahr 2019 stufte die Evidenz bei muskuloskelettalen Erkrankungen als unzureichend ein. Eine neuere Metaanalyse von Kim et al. aus dem Jahr 2025 (veröffentlicht in Frontiers in Medicine, Band 12, 1705669), die 23 randomisierte Studien auswertete, fand nach einer Woche und einem Monat geringere Schmerzen und bessere Funktionalität.
Nach drei Monaten zeigte sich jedoch kein signifikanter Schmerzunterschied mehr. Angesichts einer hohen Heterogenität der Daten stuften die Autoren den Nutzen über drei Monate hinaus als unklar ein.
