Nächtliches, Licht

Nächtliches Licht: Schon 3 Lux erhöhen Herzinfarkt-Risiko um 24%

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 21:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie verknüpft geringe nächtliche Helligkeit mit Herzveränderungen und höheren Risiken für Herzschwäche, Infarkt und Schlaganfall.

Nächtliches Licht verändert das Herz und erhöht Krankheitsrisiken
Ein abgedunkeltes Schlafzimmer bei Nacht, in das durch einen Vorhang ein schwacher, bläulicher Lichtschimmer fällt. Illustration mit AI erstellt.

Nächtliches Licht im Schlafzimmer gilt gemeinhin als harmlose Begleiterscheinung des modernen Lebens – ein Standby-LED hier, ein Straßenlicht durch den Vorhang dort.

Eine Studie im European Heart Journal, die auf Daten von Forschern um Lu Qi von der Tulane University zurückgeht, legt jedoch nahe, dass selbst geringe Lichtmengen während der Nacht messbare Veränderungen am Herzen verursachen und mit einem erhöhten Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen.

Die Untersuchung im Detail

FĂĽr die Analyse trugen rund 11.000 Teilnehmer der UK-Biobank-Kohorte im Durchschnittsalter von 61 Jahren ĂĽber sieben Tage Lichtsensoren am Handgelenk, die zugleich Bewegungsdaten aufzeichneten. Als Nacht definierten die Forscher die jeweils fĂĽnf inaktivsten Stunden der Probanden.

Nach rund drei Jahren erhielten die Teilnehmer ein Herz-MRT, mit dem sich strukturelle und funktionelle Veränderungen am Herzen präzise erfassen lassen. Insgesamt umfasste die Kohorte für die MRT-Auswertung 11.071 Teilnehmer ohne bestehende Vorerkrankungen.

Messbare Veränderungen am Herzen

Die Auswertung zeigte: Bei einer Lichtexposition von mehr als 3 Lux während der Nacht – verglichen mit einer Situation ohne nennenswertes Licht – war die Masse der linken Herzkammer um 2,4 Prozent erhöht, die Wanddicke stieg um 1,5 Prozent.

Die myokardiale Kontraktionsfraktion, ein Maß für die Pumpfunktion des Herzens, sank um 1,9 Prozent, und auch Strain-Messungen, die die Verformung des Herzmuskels beim Schlagen abbilden, verschlechterten sich um rund 3 Prozent. Verändert zeigten sich zudem der rechte Ventrikel und der linke Vorhof.

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Nach Angaben der Forscher lassen sich 24 bis 49 Prozent dieser Effekte durch verkürzten Schlaf erklären – ein Hinweis darauf, dass Licht nicht nur indirekt über schlechteren Schlaf, sondern möglicherweise auch direkt auf das Herz wirkt.

Erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen

Über die reinen Strukturveränderungen hinaus untersuchte das Team um Lu Qi auch die langfristigen Gesundheitsfolgen anhand von rund 73.000 Personen, die über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren beobachtet wurden.

Im Vergleich der Gruppe mit der höchsten nächtlichen Lichtexposition zur Gruppe mit der niedrigsten fanden sich deutlich erhöhte Risiken: Das Risiko für Herzschwäche lag um 29 Prozent höher, für Vorhofflimmern um 15 Prozent, für Herzinfarkt um 24 Prozent, für Schlaganfall um 33 Prozent und für kardiovaskulären Tod um 26 Prozent.

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Lu Qi bezeichnete Lichtverschmutzung als einen neuen kardiovaskulären Risikofaktor. Zugleich betonten die Forscher, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen direkten Kausalbeweis liefert – ein Zusammenhang lässt sich damit nicht zweifelsfrei auf eine einzige Ursache zurückführen.

Wie viel Licht ist zu viel?

Bereits eine Lichtmenge von 3 Lux gilt nach Angaben der Forscher als sehr gering – vergleichbar mit Mondlicht oder dem schwachen Lichtschein, der unter einer Zimmertür hindurchdringt. Das unterstreicht, wie empfindlich das Herz-Kreislauf-System offenbar auf selbst minimale nächtliche Lichtquellen reagiert.

Praktische Empfehlungen

Aus den Ergebnissen leiten die Forscher konkrete Empfehlungen ab: Schlafzimmer sollten möglichst unter 1 Lux Lichtintensität gehalten werden. Dazu raten sie zu Blackout-Vorhängen, dem Abdecken von Standby-LEDs elektronischer Geräte sowie generell zu warmer, gedämpfter Beleuchtung am Abend.

Ziel sei es, kontinuierliche nächtliche Lichtexposition zu reduzieren, da diese nach den vorliegenden Daten sowohl die Herzstruktur verändern als auch die Herz- und Gefäßfunktion stören könne. Für Menschen mit bestehenden Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte die Gestaltung der Schlafumgebung damit ein bislang unterschätzter Ansatzpunkt sein.

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