Neandertaler-Gen, Gramm

Neandertaler-Gen sorgt für 270 Gramm mehr Muskelmasse

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zwei Studien zeigen: Eine seltene FNIP1-Mutation senkt das Risiko für Stoffwechselkrankheiten deutlich, während ein Neandertaler-Gen die Muskelmasse erhöht.

Genforschung: Seltene Mutation schützt vor Diabetes und Herzinfarkt
Abstrakte Darstellung einer DNA-Doppelhelix, die symbolisch die genetische Steuerung des menschlichen Stoffwechsels zeigt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Zwei neue Studien enthüllen, wie unsere Gene den Energiehaushalt steuern. Eine seltene Mutation macht schlank, ein Neandertaler-Erbe bringt Muskeln.

Seltene Genmutation schützt vor Diabetes und Herzinfarkt

Forscher des Regeneron Genetics Center haben eine seltene Mutation im FNIP1-Gen entdeckt, die vor Stoffwechselerkrankungen schützt. Die im Fachmagazin Nature veröffentlichte Studie analysierte über eine Million Individuen aus elf Kohorten in Nordamerika, Europa und Asien. Etwa eine von 7.000 Personen trägt die Variante – weltweit rund eine Million Menschen.

Die Mutation hebt die natürliche Bremse des FNIP1-Gens auf und erhöht so die Fettverbrennung in der Leber. Betroffene zeigen niedrigere Blutzucker-, Cholesterin- und Triglyzeridwerte sowie weniger Leberfett. Das Risiko für kardiometabolische Erkrankungen sinkt dadurch um durchschnittlich 60 Prozent – besonders bei koronarer Herzkrankheit, Typ-2-Diabetes und Fettleber.

Könnte diese Erkenntnis den Weg zu neuen Medikamenten gegen Adipositas ebnen? Die Forscher sehen in der gezielten Hemmung von FNIP1 einen vielversprechenden Ansatzpunkt. In Mäuseversuchen reduzierte die Deaktivierung des Gens die Gewichtszunahme und verbesserte die Insulinsensitivität.

Neandertaler-Gen sorgt für mehr Muskeln

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Eine zweite Studie in Current Biology zeigt: Auch unsere Vorfahren haben Spuren hinterlassen. Eine Neandertaler-Variante des Wachstumshormonrezeptors (GHR), die vor etwa 47.000 Jahren ins menschliche Genom gelangte, ist mit höherer Muskelmasse verbunden.

Träger dieser Variante haben im Schnitt rund 270 Gramm mehr Muskelmasse. Laborexperimente bestätigen: Zellen mit dieser Variante wachsen unter Wachstumshormonen um 40 Prozent stärker. Der Effekt zeigt sich allerdings erst im Erwachsenenalter – bei Kindern unter elf Jahren fanden die Forscher keinen Zusammenhang.

Die Verteilung der Genvariante ist höchst ungleich: In Südasien tragen bis zu 24 Prozent der Bevölkerung das Erbe, in Europa nur etwa 0,5 Prozent.

Neue Hoffnung bei Essstörungen

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Auch bei der Behandlung von Essstörungen gibt es Fortschritte. Eine Metaanalyse in eClinicalMedicine mit über 8.000 Teilnehmern zeigt: GLP-1-Rezeptoragonisten reduzieren Binge-Eating-Symptome bei übergewichtigen Patienten um mehr als 20 Prozent. Besonders deutlich profitieren Patienten mit klinisch diagnostizierter Binge-Eating-Störung.

Die Komplexität der Gewichtsregulierung bleibt jedoch enorm. Genetische Faktoren erklären schätzungsweise 40 bis 70 Prozent der individuellen Gewichtsunterschiede. Während moderne Abnehmspritzen Gewichtsverluste von 14 bis 20 Prozent ermöglichen, gelten nur fünf Prozent der klassischen Diäten als langfristig erfolgreich. Als präventive Maßnahme plant Deutschland für 2028 die Einführung einer Zuckersteuer.

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