Nickerchen: Jede Stunde Tagesschlaf erhöht Sterberisiko um 13%
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nickerchen können die Gesundheit fördern oder schaden â die Dauer und der Zeitpunkt entscheiden. Eine neue Studie zeigt: Jede zusĂ€tzliche Stunde Tagesschlaf erhöht die Sterberate bei Senioren um 13 Prozent.
Die innere Uhr tickt in jedem Organ anders
Forscher der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen (LMU) veröffentlichten Anfang August 2026 in Nature Cell Biology eine Studie mit ĂŒber 1500 Proteinen, die die Interaktion der zentralen Taktgeber-Proteine CLOCK und BMAL1 mit gewebespezifischen Faktoren steuern. Die innere Uhr funktioniert in Leber, Niere und Lunge nach individuellem Bedarf â Störungen wirken sich unterschiedlich auf die Organe aus.
ErgÀnzend identifizierte eine MÀusestudie die Proteinkinase A (PKA) als eine Art Schlaftagebuch im Gehirn. Dieses Enzym verfolgt Schlafdauer und -fragmentierung und sagt das Aufwachen prÀziser voraus als rein zeitbasierte Modelle.
13 Prozent mehr Sterberisiko pro Stunde
Eine Langzeitstudie im JAMA Network Open untersuchte 1.338 Ă€ltere Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 81 Jahren ĂŒber bis zu 19 Jahre. Das Ergebnis: Pro zusĂ€tzlicher Stunde Tagesschlaf stieg die Sterberate um 13 Prozent. Besonders kritisch: Nickerchen am Vormittag waren mit einem um 30 Prozent höheren Risiko verbunden als solche am frĂŒhen Nachmittag.
Die Forscher betonen jedoch, dass es sich um Korrelationen handelt â nicht zwangslĂ€ufig um Ursachen. Eine kurze Siesta von maximal 30 Minuten, wie in Spanien traditionell ĂŒblich, gilt als gesundheitlich unbedenklich.
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Biohacking: Elektrische Impulse gegen Schlafmangel
Ein wachsender Trend verspricht Erholung ohne Nickerchen: die transkutane Vagusnervstimulation (tVNS). Mehr als 200 klinische Studien deuten auf positive Effekte auf HerzfrequenzvariabilitĂ€t und SchlafqualitĂ€t hin. Fachleute mahnen jedoch zur Vorsicht â das Marketing fĂŒr entsprechende GerĂ€te ĂŒbersteige oft die wissenschaftliche Beleglage.
Bei kurzfristigen GedĂ€chtnisdefiziten durch Schlafmangel könnte Koffein helfen. Eine Studie der National University of Singapore (NUS) aus dem Jahr 2026 zeigte an MĂ€usen: Eine siebentĂ€gige Koffeingabe glich Defizite aus, die durch fĂŒnfstĂŒndigen Schlafentzug entstanden waren â die Kommunikation im Hippocampus wurde wiederhergestellt.
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EntzĂŒndungen reaktivieren schlafende Viren
Die Schlafarchitektur ist eng mit anderen Gesundheitsfaktoren verwoben. Neuere Untersuchungen in Nature zeigen: Systemische EntzĂŒndungen bei hospitalisierten Patienten können schlafende Viren wie das Epstein-Barr-Virus reaktivieren. Ein stabiles Immunsystem und ausreichende Erholungsphasen sind daher entscheidend â nicht nur fĂŒr die LeistungsfĂ€higkeit, sondern fĂŒr die langfristige Gesundheit.
