OpenAI-Skandal, Verlage

OpenAI-Skandal: Verlage fordern Sanktionen wegen versteckter Beweise

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 09:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Nachrichtenverlage werfen OpenAI systematische Beweisverschleierung vor und fordern gerichtliche Sanktionen.

US-Medien beantragen Sanktionen gegen OpenAI in Urheberrechtsstreit
Stilisierte Darstellung von Rechtsdokumenten und KI mit abstrakten digitalen Mustern und dezentem Hammer, die einen Urheberrechtsstreit vermittelt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Juli 2026 vor einem Bundesgericht in Manhattan Sanktionen gegen OpenAI beantragt. Die Kläger werfen dem KI-Unternehmen vor, über zwei Jahre lang seine technischen Fähigkeiten verschleiert zu haben, um die Herausgabe entscheidender Beweise in einem laufenden Urheberrechtsstreit zu verhindern.

Technische Tricks statt Kooperation

Zu den Klägern gehören unter anderem die New York Times, die New York Daily News, die Chicago Tribune, das Portal The Intercept und das Center for Investigative Reporting. In ihrem Antrag behaupten sie, OpenAI habe sich systematisch der Offenlegung von Trainingsdaten und Nutzerprotokollen widersetzt – obwohl das Unternehmen technisch längst dazu in der Lage gewesen sei.

Der Vorwurf wiegt schwer: OpenAI habe dem Gericht und den Verlagen wiederholt erklärt, es sei technisch nicht möglich, den riesigen Trainingsdatensatz und die ChatGPT-Ausgabelogs nach bestimmten urheberrechtlich geschützten Inhalten zu durchsuchen. Genau das sei aber nötig, um die Vorwürfe der Urheberrechtsverletzung zu prüfen.

Der entscheidende Zeuge

Doch dann kam der OpenAI-Ingenieur Vincent „Vinnie" Monaco ins Spiel. In Vernehmungen im Februar und April 2026 soll Monaco enthüllt haben, dass das Unternehmen längst interne Suchen in seinen Trainingsdaten durchgeführt hatte. Demnach besitzt OpenAI Stichproben von 10 Millionen und 78 Millionen ChatGPT-Gesprächen – und hat sogar Werkzeuge entwickelt, um zu erkennen, wann die KI urheberrechtlich geschützte Inhalte „ausspuckt".

Eines dieser Werkzeuge, intern als „Bloom"-Filter im Rahmen des „Project Giraffe" entwickelt, soll genau das erkennen: Wenn das Modell Texte generiert, die seinen Trainingsdaten zu ähnlich sind. Anwalt Steven Lieberman, der die Verlage vertritt, spricht von „erheblichen Falschdarstellungen", die OpenAI über zwei Jahre lang aufrechterhalten habe.

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Milliardenfach geschwärzt – und Beweise gelöscht?

Die Vorwürfe gehen noch weiter. Die Kläger behaupten, OpenAI habe gegen eine gerichtliche Aufbewahrungsanordnung verstoßen und Milliarden von Ausgaben gelöscht, die als Beweise für Urheberrechtsverletzungen hätten dienen können. Als das Unternehmen schließlich eine Stichprobe von 20 Millionen Logs vorlegte, sei diese durch rund 19 Milliarden Schwärzungen praktisch unbrauchbar gemacht worden.

Die Nachrichtenorganisationen fordern nun harte Sanktionen. Sie verlangen unter anderem, dass das Gericht feststellt, dass ChatGPTs Ausgaben in erheblichem und systematischem Maße auf urheberrechtlich geschützten Werken beruhen. Zudem soll OpenAI verboten werden, die geschwärzte Stichprobe in seiner Verteidigung zu verwenden. Auch spezielle Anweisungen an die Geschworenen wegen der gelöschten Beweise werden gefordert.

Milliardenschwere Zukunft auf dem Spiel

OpenAI-Sprecher Drew Pusateri wies die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen hält an seiner Position fest, dass die Nutzung öffentlich zugänglicher Daten zum Training von KI-Modellen unter die Fair-Use-Regelung fällt. Der Zeitpunkt könnte für OpenAI kaum ungünstiger sein: Das Unternehmen hat im Juni 2026 einen Börsengang beantragt. Analysten erwarten eine Bewertung von bis zu einer Billion US-Dollar.

Der Rechtsstreit hat die Verlage bereits tief in die Tasche greifen lassen. Allein die New York Times, die OpenAI und Microsoft Ende 2023 verklagte, soll bisher über 28 Millionen US-Dollar für den Rechtskampf ausgegeben haben. Die Kläger fordern nun auch die Erstattung ihrer Anwaltskosten als Teil der beantragten Sanktionen.

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Ein Riss durch die Medienbranche

Der Fall zeigt einen tiefen Graben in der Medienbranche im Umgang mit generativer KI. Während einige Verlage Lizenzvereinbarungen mit KI-Firmen abgeschlossen haben, setzen andere auf juristische Konfrontation. In einem separaten Fall einigte sich OpenAIs Konkurrent Anthropic im September 2025 auf einen Vergleich über 1,5 Milliarden US-Dollar mit einer Gruppe von Buchautoren – ein Signal, wie hoch die finanziellen Risiken für die KI-Branche inzwischen sind.

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