Organspende-Lücke: 75 Prozent bereit, nur 45 Prozent haben es schriftlich
Veröffentlicht: 23.06.2026 um 06:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das zeigt eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) und der Versicherungskammer.
Gute Vorsätze, schwache Realität
Die Online-Befragung unter 3.000 Personen zwischen 16 und 79 Jahren offenbart eine klassische Lücke zwischen Wissen und Handeln. Immerhin: Die Deutschen investieren im Schnitt 2,5 Stunden pro Woche in ihre Gesundheit. Für die finanzielle Vorsorge geben sie monatlich rund 200 Euro aus.
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Doch die Zahlen täuschen. Rund 80 Prozent der Befragten halten Bewegung und Vorsorgeuntersuchungen für essenziell – trotzdem treibt jeder Zehnte keinerlei Sport. Der Hauptgrund: Geldmangel. Bei 47 Prozent verhindert die finanzielle Situation eine stärkere Absicherung. 32 Prozent berichten sogar von konkreten Auswirkungen finanzieller Engpässe auf ihre Gesundheitsvorsorge.
Das große Problem mit den Dokumenten
Noch größer ist die Kluft bei der rechtlichen Absicherung. Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen und Patientenverfügungen gelten zwar als wichtig – trotzdem haben viele Bürger keine entsprechenden Papiere. Experten sprechen von einem erheblichen Defizit bei Nachlassregelungen und Bevollmächtigungen.
Interessant: Wer positiv übers Älterwerden denkt, sorgt eher vor. Die Studienautoren sehen hier einen direkten Zusammenhang zwischen Einstellung und Handeln. Um die Hürden zu senken, bieten Kommunen verstärkt Beratungen an. In Dresden etwa plant die Betreuungsbehörde für 2026 mehrere Informationsabende – im Juni, August, September, November und Dezember.
Demografie zwingt zum Handeln
Die Dringlichkeit zeigt ein Blick auf die Prognosen: Lebten 2024 noch rund sechs Millionen Menschen über 80 in Deutschland, könnten es 2050 bereits zehn Millionen sein. Das erhöht den Druck auf die Sozialsysteme und die Eigenverantwortung der Bürger.
Die Studienautoren fordern deshalb mehr Förderung von Gesundheits- und Finanzkompetenz sowie steuerliche Anreize für private Pflegevorsorge.
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Organspende: Das gleiche Muster
Das Phänomen wiederholt sich bei der Organspende: 75 Prozent der Bevölkerung sind grundsätzlich bereit zu spenden – aber nur 45 Prozent haben das schriftlich festgehalten. Dabei warten über 8.000 Menschen auf ein Spenderorgan. 2025 gab es gerade einmal 953 Organspender.
Die Politik diskutiert deshalb über eine Widerspruchslösung nach österreichischem, italienischem oder spanischem Vorbild. Ziel: die Lücke zwischen Absicht und formaler Absicherung endlich zu schließen.
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