Parodontitis, Demenzrisiko

Parodontitis: 56% höheres Demenzrisiko durch Zahnfleischbluten

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 07:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Japanische Langzeitdaten verbinden Zahnfleischprobleme mit mehr DemenzfÀllen, belegen jedoch keinen ursÀchlichen Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen.

Parodontitis und Alzheimer: Studien zeigen erhöhtes Demenzrisiko
Eine sterile Laborumgebung mit einem leeren PetrischĂ€lchen als Symbol fĂŒr medizinische Forschung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstĂ€rkt dem potenziellen Zusammenhang zwischen chronischen EntzĂŒndungen im Mundraum und neurodegenerativen Erkrankungen. Daten aus mehreren Forschungsprojekten deuten darauf hin, dass eine unbehandelte Parodontitis mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit fĂŒr kognitiven Abbau und die Entstehung von Alzheimer einhergeht.

Langzeitbeobachtungen aus Japan belegen statistische Korrelationen

Einen detaillierten Einblick in diesen Zusammenhang liefert die sogenannte Hisayama-Studie, die von einem Team der UniversitÀt Kyushu um Michiko Furuta und Toshiharu Ninomiya im Fachjournal Journal of Clinical Periodontology publiziert wurde.

Die Wissenschaftler untersuchten 1.396 Einwohner der japanischen Gemeinde Hisayama im Alter von mindestens 60 Jahren, darunter 622 MĂ€nner und 774 Frauen. Der Erhebungszeitraum reichte von 2007/2008 bis zum 30. November 2017 und umfasste eine durchschnittliche Nachbeobachtungszeit von 3.753 Tagen, was rund 10,3 Jahren entspricht.

Im Laufe des Beobachtungszeitraums wurden 267 DemenzfÀlle erfasst, darunter 194 Diagnosen von Alzheimer, 51 FÀlle vaskulÀrer Demenz sowie 15 FÀlle mit beiden Formen.

Die Auswertung zeigte, dass Probanden im obersten Viertel hinsichtlich des Zahnfleischblutens ein um 56 Prozent höheres Risiko fĂŒr Demenzerkrankungen jeglicher Ursache und ein um 61 Prozent höheres Risiko fĂŒr Alzheimer aufwiesen, was einem etwa 1,6-fachen Risiko entspricht.

Zudem standen besonders tiefe Zahnfleischtaschen mit einem um 72 Prozent höheren Gesamtdemenzrisiko (rund 1,7-fach) in Verbindung, wĂ€hrend die stĂ€rkste AusprĂ€gung von ZahnfleischrĂŒckgang beziehungsweise Attachmentverlust mit einem Anstieg des Demenzrisikos um 59 Prozent einherging.

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Auch die grĂ¶ĂŸten ZahnabstĂ€nde wiesen eine Risikoerhöhung um 72 Prozent auf. Da es sich um eine epidemiologische Beobachtungsstudie in einer einzelnen Gemeinde handelt, liefert die Untersuchung jedoch keinen Nachweis fĂŒr ein kausales Ursache-Wirkungs-VerhĂ€ltnis.

VerÀnderungen im Gehirn und antimikrobielle Abwehrprozesse

Parallel dazu untersuchte die UniversitĂ€tsmedizin Greifswald die biologischen Prozesse hinter diesem PhĂ€nomen. Der Mitautor Hans Jörgen Grabe stellte mit seinem Forschungsteam fest, dass die Tiefe von Zahnfleischtaschen mit einem fĂŒr Alzheimer typischen Verlust an Gehirnsubstanz korreliert. Bemerkenswert war dabei die Beobachtung, dass sich die Hirnalterung der Probanden im Rahmen eines gezielten Zahnhygieneprogramms wieder normalisierte.

Grabe verweist auf die Hypothese, dass orale Erreger wie das Bakterium Porphyromonas gingivalis ĂŒber Nervenbahnen wandern oder die Blut-Hirn-Schranke ĂŒberwinden könnten.

Im Nervensystem treffen diese Erreger auf Abwehrmechanismen des Körpers: Laut Grabe besitzen die fĂŒr Alzheimer charakteristischen Amyloid-Plaques antimikrobielle Eigenschaften, was darauf hindeutet, dass ihre Ablagerung ursprĂŒnglich eine Immunreaktion auf entzĂŒndliche Reize darstellen könnte.

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Mikrobiologische Spuren im Gehirngewebe

Diese mikrobiologischen ZusammenhĂ€nge werden auch durch eine Übersichtsarbeit im Fachblatt Periodontology 2000 von EA Cafferata, F. Schwarz, J. Diaz-Zuniga und A. Kantarci gestĂŒtzt. Die Autoren verweisen darauf, dass Gingipain-Enzyme von P. gingivalis direkt in Gehirnen von Alzheimer-Patienten nachgewiesen wurden und dort mit dem Tau-Protein korrelieren.

DarĂŒber hinaus fand sich Erbgut von Treponema-Bakterien bei 14 von 16 untersuchten Alzheimer-Patienten, wĂ€hrend dies in einer gesunden Kontrollgruppe nur bei 4 von 18 Personen der Fall war.

Die Autoren berechneten fĂŒr das Vorliegen einer Parodontitis ein um 21 Prozent erhöhtes Demenz-Hazard (Hazard Ratio 1,21) sowie um 23 Prozent erhöhte Quoten fĂŒr einen kognitiven Abbau (Odds Ratio 1,23). Bereits eine Gingivitis zeigte rund 30 Prozent höhere Odds fĂŒr eine frĂŒhe Demenz, wĂ€hrend Zahnverlust mit einem um 15 Prozent erhöhten Risiko einherging.

Obwohl die genauen Mechanismen noch weiterer Erforschung in breiteren Kohorten bedĂŒrfen, unterstreichen die Daten die Bedeutung prĂ€ventiver Zahn- und Mundhygiene zur potenziellen EindĂ€mmung systemischer EntzĂŒndungsrisiken.

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