Pflanzenbasierte, Ernährung

Pflanzenbasierte Ernährung: Wie sie Zoonosen und Antibiotikaresistenzen eindämmen kann

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Übersichtsarbeit verbindet pflanzliche Kost mit geringerem Zoonoserisiko, ökologischer Entlastung und gesundheitlichen Vorteilen.
Ein weites Feld mit verschiedenen Gemüsepflanzen und Hülsenfrüchten bei sanftem Morgenlicht als Symbol für nachhaltige Landwirtschaft. Illustration mit AI erstellt.

Der One-Health-Ansatz begreift die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als untrennbare Einheit. In einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Frontiers in Environmental Science ordnen Anna Chor?ziak und Piotr Rzymski von der Medizinischen Universität Posen die pflanzenbasierte Ernährung fest in diesen interdisziplinären Rahmen ein.

Die Forschenden zeigen auf, wie eine Verschiebung der Ernährungsgewohnheiten weg von intensiver Nutztierhaltung zentrale globale Risiken gleichzeitig mindern kann.

Entlastung für Ökosysteme und Eindämmung von Zoonosen

Nach Erkenntnissen der Forschenden der Medizinischen Universität Posen verringert ein sinkender Konsum tierischer Erzeugnisse, insbesondere aus intensiver Tierhaltung, die Gefahr zoonotischer Krankheitsübertragungen. Zugleich lasse sich damit der massive Einsatz von Tierarzneimitteln begrenzen: Im Jahr 2017 entfielen weltweit rund 73 Prozent aller eingesetzten Antibiotika auf die Tierhaltung.

Auf ökologischer Ebene führt eine stärkere Ausrichtung auf pflanzliche Nahrungsmittel laut der Untersuchung zu geringeren Treibhausgasemissionen und reduziert den Nutzungsdruck auf Wälder, Wasserressourcen und die biologische Vielfalt. Auf der Seite der menschlichen Gesundheit belegen die Autoren, dass eine gut geplante pflanzliche Kost das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Adipositas und bestimmte Krebsarten senken kann.

Strukturelle Hürden und politische Steuerungshebel

Als wesentliche Barrieren für eine Ernährungsumstellung identifizieren Chor?ziak und Rzymski gewachsene kulturelle Essgewohnheiten, Produktpreise, eingeschränkten Zugang sowie bestehende politische Rahmenbedingungen.

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Um diesen Hürden zu begegnen, plädiert das Autorenteam für einen schrittweisen Transformationsprozess. Dieser solle über gezielte Ernährungsbildung, modernisierte Verzehrempfehlungen, Standards in der öffentlichen Beschaffung und die gezielte Förderung von Hülsenfrüchten vorangetrieben werden.

Einen entscheidenden Hebel sehen die Wissenschaftler zudem in einer Reform der Agrarsubventionen. Die Übersichtsarbeit verweist hierbei auf eine Analyse der Organisation Foodrise zur EU-Agrarpolitik (GAP) für den Zeitraum 2028–2034: Im Jahr 2020 flossen demnach noch rund 77 Prozent der GAP-Gelder in die Unterstützung tierischer Produkte einschließlich der Futtermittelproduktion.

Internationale Initiativen und globale Rahmenwerke

Die Verknüpfung von Ernährungstransformation und Infektionsprävention gewinnt auch auf institutioneller Ebene an Bedeutung. Das Asia-Pacific Centre for Environment and Health (ACE) der Weltgesundheitsorganisation WHO und die Organisation Good Food Institute Asia Pacific (GFI APAC) vereinbarten im Rahmen des World Food Forum in Rom im Oktober 2026 eine mehrjährige Partnerschaft zu alternativen Proteinquellen. Das Abkommen wurde von ACE-Direktor Dr. Sandro Demaio und GFI-Gründer Bruce Friedrich in Seoul ratifiziert.

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GFI APAC verweist in diesem Kontext auf Erkenntnisse des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), wonach die landwirtschaftliche Intensivierung mit über der Hälfte aller beim Menschen aufgetretenen Zoonosen in Verbindung steht.

Zudem drohen nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2050 jährlich rund 10 Millionen Todesfälle infolge von Antibiotikaresistenzen. Da für pflanzliche und kultivierte Proteine in der Herstellung keine Antibiotika erforderlich seien, untersucht die WHO im Rahmen der Kooperation nun systematisch deren künftige Rolle in nachhaltigen Ernährungssystemen.

Parallel dazu veröffentlichen Normungsorganisationen wie die französische AFNOR spezifische Managementrahmen, um die One-Health-Kriterien praxisnah in Organisations- und Lieferkettenstrukturen zu verankern.

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