Pflanzliche, Ernährung

Pflanzliche Ernährung: 15 Millionen Todesfälle jährlich vermeidbar

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 21:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Zwei Studien belegen: Eine globale Ernährungswende könnte die Tierhaltung halbieren und jährlich 15 Millionen Todesfälle verhindern.

Planetary Health Diet: Weniger Vieh, mehr pflanzliche Kost
Ein üppiges Feld mit verschiedenen Pflanzen und Getreidesorten unter einem klaren Himmel, das pflanzliche Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine globale Umstellung auf überwiegend pflanzliche Kost könnte die Viehzucht drastisch reduzieren und Millionen Todesfälle verhindern. Das zeigen gleich zwei neue wissenschaftliche Veröffentlichungen.

Landwirtschaft vor historischem Umbruch

Die heute in „Nature“ veröffentlichte Studie unter Beteiligung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) analysiert die Folgen der sogenannten Planetary Health Diet. Das Ergebnis: Die Viehzucht würde weltweit um 42 Prozent schrumpfen – das entspricht rund 400 Millionen Wiederkäuern weniger.

Die ökologischen Effekte wären enorm. Die Treibhausgasemissionen aus der Tierhaltung ließen sich um 85 Prozent senken. Gleichzeitig könnte die landwirtschaftliche Nutzfläche um neun Prozent zurückgehen. Weideflächen würden verschwinden, Wälder sich ausdehnen.

Die Produktion pflanzlicher Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Nüsse und Hülsenfrüchte müsste um rund 25 Prozent steigen. Deren wirtschaftlicher Wert würde laut PIK um 23 Prozent zulegen.

15 Millionen Todesfälle vermeidbar

Parallel dazu veröffentlichten 64 Wissenschaftler unter Leitung von Prof. Dr. Katharina Wirnitzer (PH Tirol) einen globalen Präventionsplan. Die in „Frontiers in Nutrition“ und „Frontiers in Public Health“ erschienenen Empfehlungen umfassen 101 Maßnahmen und einen 10-Punkte-Fahrplan.

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Hintergrund: 75 Prozent aller weltweiten Todesfälle gehen auf nichtübertragbare Erkrankungen zurück. Das HEAL-Konzept (Healthy Eating & Active Living) fordert, pflanzliche Ernährung und Bewegung als Mindeststandard in Bildung, Politik und Gesundheitswesen zu verankern.

Die „Nature“-Studie beziffert das Potenzial: Eine gesündere Ernährung könnte jährlich rund 15 Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern.

Regionale Landwirtschaft unter Druck

Dass die Transformation drängt, zeigen aktuelle Daten aus der Schweiz. Am 13. Juli war dort der Food Overshoot Day erreicht – die Inlandproduktion ist für dieses Jahr rechnerisch aufgebraucht. Der Schweizer Bauernverband bestätigt den hohen Importbedarf.

In Deutschland gerät der klassische Ackerbau in Regionen wie Brandenburg zunehmend unter Druck. Agrarforscher Claas Nendel (ZALF) sieht den Maisanbau durch Hitzewellen und Frühjahrstrockenheit gefährdet. Alternativen wie Sorghum, Soja, Kichererbsen und Sonnenblumen rücken in den Fokus.

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Der Lebensmitteleinzelhandel reagiert bereits. Für die New Food Conference im August in Berlin planen Handelsriesen wie Lidl Diskussionen über Sortimentsstrategien für pflanzliche Proteine.

Die Forscher sind sich einig: Eine Umsetzung der Ernährungstransformation würde einen deutlichen Bruch mit historischen Trends erfordern. Die Studien liefern dafür nun die wissenschaftliche Basis.

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