Pflege-Experten, Pflegebedürftigkeit

Pflege-Experten sollen Pflegebedürftigkeit hinauszögern

21.05.2026 - 05:37:25 | boerse-global.de

Der Medizinische Dienst schlägt vor, Erstbegutachtungen für präventive Beratung zu nutzen, um schwere Pflegebedürftigkeit zu verzögern.

Pflege-Experten sollen Pflegebedürftigkeit hinauszögern - Foto: über boerse-global.de
Pflege-Experten sollen Pflegebedürftigkeit hinauszögern - Foto: über boerse-global.de

Statt bloßer Einstufung sollen Erstbegutachtungen künftig als präventive Beratung genutzt werden. Das Ziel: den Eintritt schwerer Pflegebedürftigkeit deutlich verzögern.

Prävention statt Bürokratie

Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland beziehen Pflegeleistungen – die Zahl hat sich seit 2015 verdoppelt. Angesichts dieser Entwicklung schlägt der Medizinische Dienst einen fundamentalen Strategiewechsel vor. Carola Engler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes, betont: Die Erstbegutachtung solle zum Tor für präventive Beratung werden, nicht nur zur bürokratischen Leistungsfeststellung.

Der Ansatz hat Hand und Fuß: Rund 63,5 Prozent aller Menschen, die erstmals begutachtet werden, erhalten die Pflegegrade 1 oder 2 – sie sind also noch relativ selbstständig. Genau hier, so die Idee, sollen Pflegefachkräfte ansetzen. Sie können Risiken früh erkennen und Maßnahmen vorschlagen, die die Selbstständigkeit stabilisieren.

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Demografischer Druck wächst

Die Zahlen aus Niedersachsen zeigen, warum der Druck steigt. Das Landesamt für Statistik prognostiziert: Der Altenquotient – die Zahl der über 65-Jährigen pro 100 Erwerbsfähige – steigt von 40 (2024) auf 57,8 im Jahr 2045. Die Zahl der Senioren allein in dieser Region soll in den nächsten zwei Jahrzehnten um fast 23 Prozent wachsen.

Ein Modellprojekt im Rheinisch-Bergischen Kreis zeigt, wie die Wende gelingen könnte. Die Initiative „Aktiv und gesund im Alter", gestartet im Frühjahr 2026, setzt auf Ernährung und Bewegung für Senioren. Finanziert von den Krankenkassen über das Präventionsgesetz, arbeitet eine spezialisierte Arbeitsgruppe daran, die Lücke zwischen Gesundheitsämtern und Sozialdiensten zu schließen.

Sturzgefahr und Medikamenten-Check

Ein zentrales Feld für Pflegeexperten ist das sogenannte „Deprescribing" – die systematische Überprüfung und Reduzierung riskanter Medikamente. Beim DGIM-Kongress am 19. Mai 2026 machte Dr. Thea Laurentius vom Universitätsklinikum Oldenburg eine alarmierende Zahl publik: Jeder dritte über 65-Jährige stürzt mindestens einmal pro Jahr. Bei den über 85-Jährigen ist es jeder Zweite.

Viele dieser Stürze hängen mit sturzrisikoerhöhenden Medikamenten zusammen – darunter Betablocker, Opiate und Benzodiazepine. Dr. Laurentius empfiehlt einen kritischen Blick auf Schlafmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen. Sie entspannen die Muskulatur und beeinträchtigen die Aufmerksamkeit – mit fatalen Folgen für die Knochengesundheit.

Die Forschung liefert weitere Erkenntnisse: Eine aktuelle Analyse im British Medical Journal, die 69 Studien mit über 153.000 Teilnehmern auswertete, zeigt: Für viele ältere Menschen ohne Osteoporose sind Kalzium- und Vitamin-D-Präparate weniger wirksam als bisher angenommen. Besser wirken Gleichgewichtstraining, Kraftübungen und Anpassungen im Wohnumfeld – etwa bessere Beleuchtung und rutschfeste Böden.

Geist und Körper im Blick

Pflegeberater kümmern sich zunehmend auch um kognitive Gesundheit und Lebensstil. Schweizer Fachstellen warnen: Senioren können bis zu einem Drittel ihrer Muskelmasse verlieren – ausgleichbar durch mehr Eiweiß und Bewegung. Die kostenlose Beratung der compass private pflegeberatung adressiert zudem die psychische Belastung pflegender Angehöriger, die häufig unter Erschöpfung, Gedächtnisproblemen und Herz-Kreislauf-Beschwerden leiden.

Aktuelle Studien liefern konkrete Ansätze:

  • Schlafhygiene: Eine Nature-Studie vom 19. Mai 2026 mit über 500.000 Teilnehmern der UK Biobank zeigt: Sechs bis acht Stunden Schlaf pro Nacht sind optimal. Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf beschleunigen die biologische Alterung.
  • Medikamentenrisiken: Während bestimmte Blutdruck- und Cholesterinsenker das Demenzrisiko senken können, erhöhen Protonenpumpenhemmer bei Einnahme über 4,4 Jahre sowie Anticholinergika das Risiko.
  • Kulturelle Aktivitäten: Eine UCL-Studie vom 19. Mai 2026 belegt: Regelmäßige Museumsbesuche oder Lesen verlangsamen die biologische Alterung bei über 40-Jährigen um vier Prozent.
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Zwischen Wissenschaft und Hype

Die Entwicklung weg von der Behandlung einzelner Krankheiten hin zu einem ganzheitlichen Management des Alterungsprozesses gewinnt an Fahrt. Ein Editorial in „Aging-US" von Forschern der Universität Groningen fordert die Integration von Public Health, klinischer Medizin und Langlebigkeits-Interventionen.

Doch Vorsicht ist geboten. Professor Edzard Ernst von der University of Exeter warnt vor mangelnder wissenschaftlicher Evidenz vieler kommerzieller Anti-Aging-Angebote. „Detox-Kuren" und fragwürdige Präparate führten oft zu finanziellen Verlusten und verzögerten wirksame Behandlungen.

Ausblick: Digitale Helfer und neue Gesetze

Der Wandel zur pflegegeführten Prävention wird sich vertiefen. In Niedersachsen schreibt der 16. Landesgesundheitspreis Projekte zum „gesunden Altern" aus – Einsendeschluss ist der 31. Juli 2026. Gefragt sind digitale Technologien für patientenzentrierte Versorgung. Kontinuierliche Glukosemessung und Herzfrequenzvariabilitäts-Tracking werden bereits von Spezialisten genutzt, um Stress, Erholung und Stoffwechsel zu überwachen.

Auch regulatorisch tut sich etwas. Der Bundestag stimmt am 22. Mai 2026 über ein Gesetz ab, das exklusive Rabattverträge für Biosimilars bis 2028 verschieben könnte – ein Schritt zur Sicherung der Versorgungsvielfalt. Zudem gelten bis zum 31. Juli 2026 Übergangsregelungen für bestimmte Multiple-Sklerose-Medikamente aufgrund von Lieferengpässen.

Die Botschaft ist klar: Der Pflegefachkraft wandelt sich von der unterstützenden Kraft zur tragenden Säule der Prävention. Sie wird zum Schlüssel, um demografischen Druck und die wachsende Komplexität der Langlebigkeitsforschung zu bewältigen.

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