Pflegereform: Fünf Stufen statt drei, Beiträge um 0,5% höher
18.06.2026 - 00:51:23 | boerse-global.de
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will das System auf fünf Pflegestufen umstellen und die Beiträge anheben. Das geht aus dem Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) hervor, der Mitte Juni 2026 im Gesundheitsausschuss diskutiert wurde.
Neues System soll Selbstständigkeit als Maßstab nehmen
Kern der Reform ist ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff. Statt der bisherigen drei Stufen soll es künftig fünf geben. Entscheidend für die Einstufung wird der Grad der individuellen Selbstständigkeit. Psychische, kognitive und somatische Beeinträchtigungen sollen rechtlich gleichgestellt werden.
Anzeige: Die Pflegereform 2026 bringt fünf statt drei Stufen und höhere Beiträge. Unser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie sich und Ihre Angehörigen optimal vorbereiten – mit Checkliste, Budget-Rechner und Elternunterhalt-Leitfaden. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Der Trend zeichnete sich bereits ab: Ende 2023 galten 5,7 Millionen Menschen als pflegebedürftig – 2020 waren es noch 4,3 Millionen. Die Kosten für die Pflege stiegen im gleichen Zeitraum von 28 Milliarden Euro (2016) auf prognostizierte 70 Milliarden Euro (2025). Hauptgrund: die Ausweitung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs durch die Reform von 2017.
Beitragsplus von 0,5 Prozentpunkten geplant
Die Finanzierung der Reform soll über höhere Beiträge laufen. Der Entwurf sieht eine Anhebung um 0,5 Prozentpunkte vor. Das würde jährlich rund 5 Milliarden Euro zusätzlich in die Kassen spülen. Experten im Gesundheitsausschuss nannten den Schritt notwendig, kritisierten aber den Zeitplan. Für die vollständige Einführung ist eine Übergangsfrist von 18 Monaten vorgesehen.
Bemängelt wird zudem, dass die veranschlagten 2,4 Milliarden Euro für die zweite Reformstufe zu niedrig seien. Der finanzielle Druck auf Pflegebedürftige steigt parallel: Der Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz liegt im ersten Jahr zwischen 3.245 und 3.500 Euro monatlich. Bereits 36 bis 37 Prozent der Heimbewohner sind auf staatliche Hilfe angewiesen.
Streit um Elternunterhalt: Warken will Grenze kippen
Besonders umstritten ist die geplante Streichung der Einkommensgrenze von 100.000 Euro beim Elternunterhalt. Bisher mussten Kinder erst für Pflegekosten ihrer Eltern aufkommen, wenn ihr Bruttojahreseinkommen diese Schwelle überschritt. Warken will die Hürde nun absenken.
Unterstützung kommt vom Landkreistag. Präsident Brötel bezeichnete die aktuelle Grenze als zu hoch und plädierte für eine Absenkung, um Kommunen zu entlasten. Der politische Widerstand ist massiv. SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis lehnte eine ersatzlose Streichung ab: „Pflege bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Auch die CSU-Abgeordnete Emmi Zeulner und Pflegebeauftragte Staffler forderten eine faire Lastenverteilung und warnten vor einer Untergrabung der privaten Vorsorge.
Anzeige: Steigende Eigenanteile bis 3.500 Euro monatlich belasten Pflegebedürftige und ihre Familien. Erfahren Sie in unserem Ratgeber, wie Sie die neuen Pflegestufen richtig einschätzen und welche Rechte Sie beim Elternunterhalt haben. Ratgeber jetzt kostenlos sichern
Verbände kritisieren Leistungskürzungen
Der Reformentwurf enthält auch Einschnitte bei den Leistungen. Die geplante Reduzierung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige auf 70 Prozent stößt auf scharfe Kritik. Verbände wie die Deutsche Hauswirtschaft (DHWiR) und die Pflegekammer NRW sehen darin ein falsches Signal.
Zudem soll der Entlastungsbetrag für Menschen mit Pflegegrad 1 gestrichen werden. Hauswirtschaftsverbände fordern stattdessen eine stärkere Verankerung professioneller hauswirtschaftlicher Leistungen im Sozialgesetzbuch. Gewerkschaften wie Verdi kritisieren, dass eine klare zeitliche Planung fehle und bestimmte Gruppen durch die neuen Einstufungen benachteiligt werden könnten. Der Medizinische Dienst (MDS) hält solche Befürchtungen für derzeit unbegründet – solange keine detaillierten Prüfkriterien vorlägen.
