Pilates und Psyche: UCL-Analyse mit mehr als 1.000 Frauen zeigt Vorteile
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Pilates gilt in der Trainingslehre längst als ganzheitliche Methode, die weit über den reinen Muskelaufbau hinausreicht. Fachleute und aktuelle Studien heben hervor, dass das systematische Übungskonzept nicht nur die physische Leistungsfähigkeit und Haltung verbessert, sondern über eine gezielte Atmung auch das mentale Wohlbefinden fördern kann. Bereits der Begründer Joseph Pilates sah im bewussten Atmen die grundlegende Handlung des menschlichen Lebens.
Wissenschaftliche Befunde zu Psyche und Lebensqualität
Den Einfluss achtsamkeitsbasierter Bewegung auf die psychische Verfassung untermauern auch wissenschaftliche Untersuchungen. Eine im Fachjournal Menopause vorgestellte Übersichtsarbeit des University College London (UCL), über die am 13. Oktober 2026 berichtet wurde, fasste zwölf randomisierte kontrollierte Studien mit mehr als 1.000 Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren zusammen.
Demnach führten sogenannte Mind-Body-Praktiken wie Yoga, Tai Chi, Dehnübungen und Pilates zu einer messbaren Verbesserung der psychologischen Lebensqualität.
Die stärksten Effekte bei der Reduktion depressiver Symptome, insbesondere in der Perimenopause, zeigte in der UCL-Analyse aerobes Training wie zügiges Gehen, Tanzen oder Zumba. Die Forschenden stützten sich dabei auf Daten aus sieben Ländern, wiesen jedoch auf eine begrenzte Evidenzbasis sowie ein erhöhtes Bias-Risiko hin.
Professorin Aimee Spector vom UCL hob hervor, dass Bewegung eine leicht zugängliche, nicht-medikamentöse Option im Umgang mit Wechseljahresbeschwerden darstelle. Simone Saidel vom britischen Gesundheitsdienst NHS ergänzte laut dem Bericht, dass bis zu 80 Prozent der Frauen unter Beschwerden in der Menopause leiden, welche typischerweise zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr eintrete.
Ergänzende Beobachtungsdaten der Untersuchung zeigten zudem ein um 10 Prozent verringertes Demenzrisiko sowie ein um 16 Prozent geringeres Alzheimer-Risiko bei Anwenderinnen einer Hormonersatztherapie, wobei kein kausaler Nachweis vorliegt.
Auch abseits der Menopause belegen Erhebungen positive Effekte auf die Erholung: Eine im Fachblatt Preventive Medicine erschienene Meta-Analyse aus dem Jahr 2024, die 27 Studien mit 2.142 Erwachsenen auswertete, stellte fest, dass Pilates und Yoga die Schlafqualität verbessern können. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen generell ein wöchentliches Pensum von 150 bis 300 Minuten moderater Ausdaueraktivität.
Wer seine körperliche Verfassung durch gezielte Übungen unterstützen möchte, findet in diesem Experten-Ratgeber sechs effektive Methoden für mehr Kraft und Wohlbefinden. Kostenlose Anleitung für Heimübungen jetzt sichern
Stressbewältigung und funktionelle Bewegung
Im Alltag kann ein regelmäßiges Training dazu beitragen, Belastungen gelassener zu bewältigen. Zwar garantiert Pilates keine direkte Senkung des Cortisolspiegels, strukturiertes Atmen und Entlastungsübungen mildern jedoch vegetative Stressreaktionen. Dies ist relevant, da dauerhaft erhöhte Cortisolwerte den Schlaf, das Immunsystem und die Stimmung beeinträchtigen sowie Bluthochdruck oder Blutzuckeranstiege begünstigen können.
Zu den klassischen Übungsabläufen gehören unter anderem die Pilates-Atmung, Dehnungen wie die sogenannte Katze-Kuh-Bewegung, die Haltung des Kindes sowie Beckenkippungen.
Pilates-Instruktorin Melani Giommetti betont, dass die Methode den Körper über myofasziale Ketten als funktionelle Einheit begreife, anstatt isolierte Muskeln zu trainieren. Die Arbeit an speziellen Reformer-Geräten kombiniere Eigengewicht mit Federwiderständen und widerlege das Vorurteil, dass das Training wenig fordernd oder ausschließlich für Frauen gedacht sei.
Neben der Stärkung der Muskulatur ist die bewusste Entspannung des Nervensystems ein wesentlicher Baustein für die langfristige Gesundheit. Dieser kostenlose Report zeigt Ihnen, wie Sie mit minimalem Zeitaufwand Ihre inneren Selbstheilungskräfte aktivieren können. Vagus-Ratgeber inklusive Trainingsvideo kostenlos anfordern
Für das Training ohne Geräte zu Hause verweisen Fachleute auf modifizierte Einheiten wie Stuhl-Pilates oder Mattenübungen wie die Schulterbrücke, Roll-Up und die Säge, welche die Tiefenmuskulatur, das Gleichgewicht und die Wirbelsäulenbeweglichkeit schulen.
Für weitergehende Fitnessziele wie Gewichtsreduktion gilt Pilates Experten zufolge als sinnvolle Ergänzung für Stabilität, Beweglichkeit und Körperbewusstsein. Es erfordert für den Fettabbau jedoch weiterhin eine negative Energiebilanz, da ein isoliertes Bauchmuskeltraining kein lokales Bauchfett verbrennt. Empfohlen wird daher eine Kombination von zwei bis drei wöchentlichen Einheiten mit Ausdaueraktivitäten.
