Rauchen, Makuladegeneration

Rauchen und Makuladegeneration: Das Erkrankungsrisiko verdoppelt sich

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
AREDS2 kann das Fortschreiten bestimmter AMD-Stadien bremsen; mediterrane ErnĂ€hrung ist mit gĂŒnstigeren KrankheitsverlĂ€ufen verbunden.
Frisches dunkelgrĂŒnes BlattgemĂŒse und gelbe Paprika auf einem Holztisch bei natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Spezifische NÀhrstoffkombinationen nach dem AREDS2-Schema sowie der Pflanzenstoff Lutein gelten in der Augenheilkunde als etablierte AnsÀtze, um das Fortschreiten einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zu verlangsamen.

Die Erkrankung betraf im Jahr 2020 weltweit rund 196 Millionen Menschen; bis 2040 wird ein Anstieg auf 288 Millionen prognostiziert. Bei einer Verschlechterung der Sehkraft ist stets eine augenÀrztliche Untersuchung erforderlich, um das genaue Stadium abzuklÀren.

Evidenz zur AREDS2-Formel und Karotinoiden

NahrungsergĂ€nzungsmittel nach der AREDS2-Rezeptur senken das Risiko einer Progression im intermediĂ€ren Stadium der Erkrankung. Studien zufolge verringerten die PrĂ€parate das Risiko eines Übergangs in eine spĂ€te AMD um etwa 10 Prozent. In einer Post-hoc-Analyse zeigte sich zudem, dass AREDS2-PrĂ€parate das extrafoveale Fortschreiten einer geografischen Atrophie ĂŒber einen Zeitraum von rund drei Jahren um etwa 55 Prozent verlangsamten.

Die AREDS2-Rezeptur setzt auf eine tÀgliche Gabe von 10 mg Lutein und 2 mg Zeaxanthin. Lutein und Zeaxanthin sind die einzigen Karotinoide, die sich in der Makula anreichern, wo sie blaues Licht filtern und freie Radikale neutralisieren.

Eine niedrige Zufuhr wird mit einem höheren Erkrankungsrisiko in Verbindung gebracht. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2021 mit 46 Studien stellte fest, dass Dosen ab 20 mg pro Tag den stÀrksten Anstieg der Makulapigmentdichte bewirkten.

Eine isolierte Gabe wird in der Forschung jedoch differenziert beurteilt: Eine Cochrane-Reanalyse aus dem Jahr 2023 zu Lutein und Zeaxanthin allein ermittelte ein relatives Risiko von 0,94 (95%-Konfidenzintervall 0,87–1,01), stufte die Evidenzsicherheit allerdings als niedrig ein.

Über die Nahrung lĂ€sst sich eine Zufuhr von 5 bis 10 mg pro Tag erreichen, etwa durch dunkelgrĂŒnes BlattgemĂŒse, gelbe Paprika, Mais, Mango oder Eigelb. Da die Karotinoide fettlöslich sind, verbessert der gleichzeitige Verzehr von Fett die Resorption.

Einfluss von Lebensstil und mediterraner ErnÀhrung

Neben NahrungsergĂ€nzungsmitteln spielt die generelle ErnĂ€hrung eine Rolle. Eine Übersichtsarbeit von Forschenden des National Eye Institute um Keenan im Journal American Journal of Ophthalmology (2026;288:12–21) untersuchte den Zusammenhang mit einer mediterranen ErnĂ€hrungsweise (aMedi). Diese wird als ErgĂ€nzung, nicht jedoch als Ersatz fĂŒr AREDS2-PrĂ€parate bewertet.

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Bei frĂŒher AMD war eine hohe AdhĂ€renz im Vergleich zur niedrigsten Gruppe mit einer Hazard Ratio (HR) von 0,79 (95%-KI 0,68–0,93) fĂŒr das Entstehen großer Drusen assoziiert. Bei intermediĂ€rer AMD ergab sich bei einem medianen Beobachtungszeitraum von 10,2 Jahren eine HR von 0,78 (95%-KI 0,71–0,85) fĂŒr die spĂ€te AMD-Form sowie 0,71 (95%-KI 0,63–0,80) fĂŒr die geografische Atrophie.

Bei letzterer lag die mittlere Zunahme bei 0,256 mm pro Jahr in der höchsten gegenĂŒber 0,298 mm pro Jahr in der niedrigsten aMedi-Gruppe. Die Autoren betonen jedoch, dass es sich um statistische Assoziationen und keine KausalitĂ€tsnachweise handelt.

Zu den modifizierbaren Risikofaktoren zÀhlt vor allem das Rauchen, welches das Erkrankungsrisiko im Vergleich zu Nichtrauchern verdoppelt. Nicht beeinflussbar sind genetische Faktoren wie Varianten in den Genen CFH oder ARMS2 sowie das Alter.

In Japan sind etwa ein Prozent der ĂŒber 50-JĂ€hrigen betroffen; AMD gilt dort als vierthĂ€ufigste Erblindungsursache. Fachleute raten Risikogruppen ab 50 Jahren oder Personen mit familiĂ€rer Vorbelastung zu regelmĂ€ĂŸigen Fundusuntersuchungen im Abstand von sechs Monaten.

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Unterschiede zwischen trockener und feuchter AMD

Klinisch wird zwischen zwei Verlaufsformen unterschieden. Die trockene (atrophe) Form macht rund 80 bis 85 Prozent der FÀlle aus. Sie schreitet langsam voran und ist bislang nicht heilbar; das Management konzentriert sich auf Verlaufskontrollen, Amsler-Gitter-Tests, LebensstilÀnderungen und Antioxidantien.

WĂ€hrend die US-amerikanische FDA 2023 mit Pegcetacoplan und Avacincaptad Pegol zwei Wirkstoffe zur Verlangsamung der Atrophie zugelassen hat, lehnte die europĂ€ische Arzneimittelagentur EMA Pegcetacoplan ab; der Antrag fĂŒr das zweite PrĂ€parat wurde zurĂŒckgezogen.

Die feuchte (neovaskulĂ€re) Form betrifft etwa 15 bis 20 Prozent der Erkrankten, fĂŒhrt jedoch zu raschen SehschĂ€rfenverlusten. Sie wird primĂ€r mit gefĂ€ĂŸwachstumshemmenden Anti-VEGF-Injektionen in den Glaskörper therapiert.

Wirkstoffe wie Aflibercept, Ranibizumab oder Brolucizumab stoppen das Voranschreiten und stabilisieren den Befund, stellen jedoch keine Heilung dar. Die InjektionsabstÀnde werden im Verlauf anhand von optischen KohÀrenztomografien (OCT) individuell angepasst.

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