Rotes, Fleisch

Rotes Fleisch und Diabetes: Neu5Gc-Studie zeigt 63 Prozent höheres Risiko

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 22:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Beobachtungsstudien verbinden verarbeitetes Fleisch mit Demenzrisiken; bei rotem Fleisch bleiben viele ZusammenhÀnge unsicher.

Rotes und verarbeitetes Fleisch: Studien zeigen unterschiedliche Gesundheitsrisiken
Ein hölzernes Schneidebrett in einer minimalistisch eingerichteten KĂŒche bei natĂŒrlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachleute diskutieren auf Basis großangelegter wissenschaftlicher Untersuchungen die komplexen ZusammenhĂ€nge zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und potenziellen Risiken fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebs. WĂ€hrend Beobachtungsdaten immer wieder auf statistische Verbindungen zu verschiedenen Zivilisationskrankheiten hinweisen, bewerten methodische Analysen die tatsĂ€chliche Beweislage fĂŒr kausale Effekte teils als unsicher.

Neue Erkenntnisse zu Stoffwechselprozessen und Typ-2-Diabetes

Im Fokus der jĂŒngeren Fachdiskussion stehen unter anderem Auswertungen der französischen Beobachtungskohorte NutriNet-SantĂ©. Untersucht wurden die Daten von 89.953 Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren, von denen 79 % Frauen waren. Zu Studienbeginn wies keiner der Teilnehmenden eine Diabetes- oder Krebserkrankung auf. Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 7,2 Jahren traten 966 neue FĂ€lle von Typ-2-Diabetes auf.

Im Zentrum der Analyse stand die Aufnahme von Neu5Gc, einer speziellen SialinsĂ€ureverbindung. Die Gruppe mit dem höchsten Konsum von Neu5Gc aus Fleisch wies ein 63 % höheres relatives Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes auf als jene mit der niedrigsten Aufnahme.

In der zweithöchsten Gruppe lag das relative Risiko um 41 % höher. Bei einer Betrachtung von Neu5Gc aus sĂ€mtlichen Nahrungsquellen zeigte sich ein Unterschied von 37 %, der ĂŒberwiegend auf Fleisch zurĂŒckging. FĂŒr Neu5Gc aus Milchprodukten ließ sich hingegen kein signifikanter Zusammenhang feststellen.

Die Aussagekraft dieser Beobachtungen ist jedoch differenziert zu bewerten. Nach Anpassung an den gesamten Verzehr von rotem Fleisch verlor der Zusammenhang seine statistische Signifikanz.

Fachleute betonten bei der Vorstellung der vorlÀufigen, noch nicht peer-reviewten Daten auf der EASD-Jahrestagung in Mailand, dass Beobachtungsdaten keine Ursachen belegen. Der zugrundeliegende biologische Mechanismus bleibt eine Hypothese, zudem gelten ErnÀhrungsÀnderungen und Messfehler als methodische EinschrÀnkungen.

WidersprĂŒchliche Datenlage bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs

FrĂŒhere systematische Untersuchungen verdeutlichen, wie komplex die Interpretation epidemiologischer Befunde ist. Ein Forschungsbericht aus dem Jahr 2019, der Daten von mehr als 6,03 Mio. Teilnehmenden berĂŒcksichtigte, stufte die Evidenz dafĂŒr, dass ein verringerter Verzehr von rotem Fleisch die Zahl kardiovaskulĂ€rer TodesfĂ€lle senkt, als sehr unsicher ein.

Ein geringerer Konsum zeigte in diesem Kontext zudem keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die Sterblichkeit durch Brust-, Darm-, Speiseröhren-, Leber-, Eierstock-, Prostata- oder Magenkrebs.

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Gleichzeitig werfen lĂ€nderspezifische Kennzahlen Fragen auf. In Argentinien lag der Rindfleischkonsum pro Kopf und Jahr bei rund 46 kg, in den USA bei rund 38 kg. DemgegenĂŒber standen im Jahr 2021 in Argentinien etwa 151 kardiovaskulĂ€re TodesfĂ€lle je 100.000 Menschen, wĂ€hrend die USA etwa 165 FĂ€lle verzeichneten.

Bei Darmkrebs lag die Rate in Argentinien bei 26 FÀllen je 100.000 Personen, in den USA hingegen bei 39. Zudem sank der argentinische Rindfleischkonsum von etwa 70 kg pro Kopf und Jahr in den 1990er-Jahren auf 50 kg im Jahr 2020, wÀhrend die DarmkrebsfÀlle im selben Zeitraum um 25 % zunahmen.

Verarbeitete Produkte und kognitive Gesundheit

Deutlichere statistische Muster zeigen sich bei verarbeiteten Fleischwaren. Eine UK-Biobank-Studie mit fast 500.000 Menschen stellte fest, dass ein tÀglicher Mehrverzehr von 25 g verarbeitetem Fleisch statistisch mit einem 44 % höheren Demenzrisiko und einem 52 % höheren Alzheimer-Risiko einherging. Ein KausalitÀtsnachweis konnte auch hier nicht erbracht werden.

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Eine US-Studie mit ĂŒber 130.000 Personen ermittelte, dass ein Konsum von mehr als 21 g verarbeitetem Fleisch tĂ€glich mit einem 13 % höheren Demenzrisiko verbunden war. Jede zusĂ€tzliche tĂ€gliche Portion entsprach rechnerisch einer um rund 1,6 Jahre beschleunigten kognitiven Alterung.

Frisches rotes Fleisch wies dagegen keinen solchen Zusammenhang auf. Wurde in der US-Studie eine tĂ€gliche Portion verarbeitetes Fleisch durch NĂŒsse und HĂŒlsenfrĂŒchte ersetzt, sank das Demenzrisiko um 19 %. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) empfiehlt vor diesem Hintergrund eine Obergrenze von höchstens 300 g Fleisch und Wurst pro Woche.

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