rTMS bei chronischen Schmerzen: Übersicht zeigt mögliche Wirkung, aber Lücken
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) wird zunehmend als nicht-invasive Behandlungsoption in der Schmerztherapie untersucht. Eine narrative Übersichtsarbeit des Fachverlags Dove Medical Press, die Studien aus der medizinischen Datenbank PubMed bis zum 12. Februar 2026 erfasste, liefert nun eine detaillierte Bestandsaufnahme.
Die Analyse deutet auf einen potenziellen Nutzen bei mehreren Schmerzformen hin, verweist jedoch zugleich auf eine insgesamt inkonsistente Studienlage.
Potenzial und heterogene Datenlage bei Schmerzsyndromen
Laut der Auswertung von Dove Medical Press zeigt sich ein möglicher therapeutischer Nutzen der rTMS unter anderem bei generalisiertem neuropathischem Schmerz, Schmerzen infolge von Rückenmarksverletzungen, Fibromyalgie, Migräne sowie orofazialen Schmerzen.
Auch bei Knie-Arthrose und Rückenschmerzen wurden positive Effekte beobachtet. Dennoch bleibe die wissenschaftliche Evidenz durch methodische Unterschiede und uneinheitliche Ergebnisse der erfassten Arbeiten geprägt.
Für eine Reihe weiterer Krankheitsbilder stuften die Autoren die verfügbare Evidenz als begrenzt ein. Dies betrifft die schmerzhafte diabetische Neuropathie, die Postzoster-Neuralgie, Phantomschmerzen, das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS), Spannungskopfschmerzen sowie posttraumatische Kopfschmerzen nach leichten Schädel-Hirn-Traumata.
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Ähnlich limitiert präsentiert sich der Kenntnisstand beim myofaszialen Schmerzsyndrom, bei tumorbedingten Schmerzen und bei Schmerzen im Rahmen von Parkinson-Erkrankungen.
Noch deutlicher fallen die Forschungslücken bei anderen Indikationen aus: Bei zentralem Schmerz nach einem Schlaganfall, postoperativen Schmerzen, Spastik-assoziierten Beschwerden sowie Schulterschmerzen nach einem Schlaganfall existieren laut dem Bericht schlicht zu wenige und methodisch zu heterogene Untersuchungen.
Für die Mehrheit der Schmerzindikationen erfolgt der Einsatz der rTMS weiterhin im Off-Label-Bereich. Zudem weisen die Verfasser auf methodische Einschränkungen ihrer eigenen Übersichtsarbeit hin, da ausschließlich englischsprachige randomisierte kontrollierte Studien aus einer einzelnen Datenbank ausgewertet wurden.
Einordnung in das Spektrum der Neuromodulation
Den breiteren klinischen Rahmen der Neuromodulation bei chronischen Schmerzen, die in der Regel ab einer Dauer von rund drei Monaten definiert werden, stellte Dr. Vincent Bonhomme vom Zentrum für Algologie am Universitätsklinikum Liège (CHU de Liège) dar.
Neben nicht-invasiven Ansätzen wie der transkraniellen Magnetstimulation und der transkraniellen Elektrostimulation stehen invasive Alternativen zur Verfügung, darunter die tiefe Hirnstimulation und die Rückenmarksstimulation.
Für invasive Eingriffe wie die Implantation eines Rückenmarksstimulators gelten strenge Kriterien: Dr. Bonhomme erläuterte, dass ein dauerhafter Eingriff erst nach einer dreiwöchigen Testphase erfolge, sofern Schmerzintensität und Medikamentenverbrauch jeweils um mindestens 50 Prozent sänken.
Zudem betonte er die Notwendigkeit einer pluridisziplinären Betreuung unter Einbindung von Psychiatrie, Neurochirurgie, Physiotherapie, Rheumatologie, Psychologie und spezialisierter Pflege.
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Kortikale Erregbarkeit und kortikale Mechanismen
Neben der Schmerztherapie liefern weitere Untersuchungen Einblicke in die Mechanismen und Einsatzbereiche kortikaler Stimulationstechniken. Ein Forschungsteam um Demarquay untersuchte in Lyon und Clermont-Ferrand mittels transkranieller Magnetstimulation am Motorkortex 12 Betroffene mit seltener hemiplegischer Migräne im Vergleich zu 26 Kontrollpersonen.
Die Studie ergab zwischen den Attacken eine signifikant kürzere kortikale Silent Period (Median 72,8 Millisekunden gegenüber 107,8 Millisekunden bei Gesunden; P=0,049).
Zudem zeigten sich reduzierte Werte für die intrakortikale Kurzzeit-Inhibition (SICI, Median-Ratio 111,8 Prozent versus 31,0 Prozent; P<0,001) und die Langzeit-Inhibition (LICI, 75,5 Prozent versus 15,0 Prozent; P=0,012). Die Autoren schlossen daraus, dass Störungen der kortikalen Hemmung an der Krankheitsentstehung beteiligt sein könnten.
Ergänzend widmete sich eine im Fachjournal Brain Sciences publizierte Untersuchung der Modulation motorischer Potenziale im Rachenbereich an 14 gesunden Personen. Eine Vorbehandlung mit 1-Hz-rTMS senkte in Kombination mit einer Scheinbehandlung die Amplitude des pharyngealen MEP um 12,7 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall ?22,7 bis ?2,7 Prozent; p=0,017).
Die Kombination aus aktiver rTMS und echter pharyngealer Elektrostimulation steigerte die Amplitude gegenüber der Scheinbedingung um 39,5 Prozent (p=0,008). Gleichzeitig zeigte eine Meta-Analyse im European Journal of Medical Research signifikante Effekte stimulierender Verfahren bei Schluckstörungen, verwies jedoch ebenfalls auf eine erhebliche Heterogenität der zugrundeliegenden Daten.
