Salzreduktion: Pilzpeptid ASHGEGF verstÀrkt den Geschmack um 70,59 Prozent
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Senkung von Natrium in industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln gilt im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als zentrale gesundheitspolitische Aufgabe.
Forschende der Shanxi Medical University â eine weitere Quelle verweist auf die Medizinische UniversitĂ€t Gannan â haben aus dem Speisepilz Hypsizygus marmoreus (Marmorierter Buchenrasling) drei Peptide isoliert, die den menschlichen Salzgeschmack deutlich verstĂ€rken. Die Entdeckung eröffnet neue technologische Perspektiven, um Natrium in verarbeiteten Lebensmitteln ohne sensorische EinbuĂen zu reduzieren.
Hohe Wirkkraft ĂŒber den Geschmacksrezeptor TMC4
Im Rahmen der Untersuchung analysierten die Wissenschaftler zunĂ€chst rund 6000 Peptidstrukturen. Daraus wĂ€hlten sie fĂŒnf Kandidaten aus, synthetisierten diese und ĂŒberprĂŒften die geschmackliche Wirkung mit geschulten Verkostern. Drei der synthetisierten Verbindungen erwiesen sich als hochwirksam; alle drei Peptide sprechen gezielt den Rezeptor TMC4 an.
Als wirksamster VerstÀrker stellte sich das Peptid ASHGEGF heraus: Es steigerte die wahrgenommene Salzigkeit um 70,59 Prozent und zeigte eine Wirkungsdauer von 75 bis 105 Sekunden.
Die beiden weiteren Peptide, LDDGF und GDDWT, erreichten eine GeschmacksverstĂ€rkung von 49,02 Prozent beziehungsweise 47,06 Prozent. Als nĂ€chster Arbeitsschritt ist geplant, die Substanz ASHGEGF in natriumreduzierten WĂŒrzstoffmischungen sowie in konkreten Lebensmittelprodukten zu erproben.
Globaler Handlungsdruck durch chronische Zivilisationskrankheiten
Der Bedarf an biobasierten GeschmacksverstĂ€rkern wĂ€chst stetig, da ein dauerhaft erhöhter Salzkonsum zu den fĂŒhrenden Auslösern von Bluthochdruck, NierenschĂ€den, Magenkrebs und Osteoporose zĂ€hlt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind jĂ€hrlich weltweit rund 1,9 Millionen TodesfĂ€lle auf einen zu hohen Salzkonsum zurĂŒckzufĂŒhren.
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WĂ€hrend die WHO Erwachsenen eine Zufuhr von maximal 5 Gramm Speisesalz pro Tag empfiehlt â was weniger als 2000 Milligramm Natrium entspricht â, liegt die tatsĂ€chliche durchschnittliche Aufnahme weltweit bei rund 4,3 Gramm Natrium tĂ€glich.
Ein 2013 ausgegebenes WHO-Ziel, den Salzkonsum bis 2025 um 30 Prozent zu senken, wurde mangels Fortschritten in den meisten LĂ€ndern auf das Jahr 2030 verschoben.
Auch Behörden passen ihre Vorgaben schrittweise an. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) verschĂ€rfte ihre Zielmarke fĂŒr die tĂ€gliche Natriumaufnahme im Jahr 2024 auf rund 2750 Milligramm, nachdem der Wert 2021 noch bei 3000 Milligramm gelegen hatte.
Am 13. Oktober 2026 erlieà die US-Behörde eine Neuregelung, die den Einsatz von Salzersatzstoffen in 139 standardisierten Lebensmittelkategorien wie KÀse, Brot oder Saucen gestattet. Diese Vorschrift tritt am 14. Dezember 2026 in Kraft.
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Grenzen bisheriger Ersatzstoffe und ernÀhrungsmedizinische Einordnung
Die heute verbreiteten Alternativen wie Kaliumchlorid bringen technologische und gesundheitliche HĂŒrden mit sich: Sie entwickeln bei höheren Konzentrationen oft metallische oder bittere Noten und bergen fĂŒr Personen mit Nierenfunktionsstörungen gesundheitliche Risiken. Pflanzliche oder pilzbasierte Peptide könnten hier als geschmacksneutrale SignalverstĂ€rker fungieren.
ErnĂ€hrungsmediziner betonen jedoch, dass isolierte Rezepturoptimierungen nur ein Baustein sein können. Der Kardiologe Dariush Mozaffarian von der Tufts School of Medicine hob hervor, dass chronische Leiden wie Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle eng an ĂŒbergeordnete ErnĂ€hrungsmuster gekoppelt sind, da die westliche Kost EntzĂŒndungen fördert und den GefĂ€Ădruck steigert.
Zudem belegte eine Untersuchung des Deutschen Zentrums fĂŒr Neurodegenerative Erkrankungen vom September 2026 mit rund 7.500 Erwachsenen, dass strukturierte ErnĂ€hrungsformen wie die DASH-DiĂ€t wesentlich zu einem gesunden Altern beitragen.
Auch Lebensmittelwissenschaftler Andreas Hahn von der Leibniz-UniversitĂ€t Hannover verwies auf den Grundsatz einer frischen, abwechslungsreichen Kost, die weder ĂŒbermĂ€Ăig sĂŒĂ noch zu fett oder zu salzig sein sollte.
