Schlaf und Depression: Sieben Stunden senken Risiko um 31 Prozent
Veröffentlicht: 12.06.2026 um 23:26 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Zahlen des Robert Koch-Instituts sind alarmierend: 32 Prozent der Deutschen haben Probleme beim Durchschlafen, 16 Prozent leiden unter Einschlafschwierigkeiten. 13 Prozent sind von beidem betroffen. Als Hauptursachen nennen die Experten globale Krisen und die zunehmende Smartphone-Nutzung.
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Schlafapnoe auf dem Vormarsch
Besonders drastisch zeigt sich der Trend in Schleswig-Holstein. Dort stiegen die Diagnosen fĂŒr Schlafapnoe bis 2024 um 67 Prozent auf 219.000 FĂ€lle. Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm: Die AOK verzeichnete 2025 rund 39.000 Fehltage wegen Schlafstörungen â ein Plus von sechs Prozent zum Vorjahr und eine Verdreifachung im Vergleich zu 2020.
MÀnner sind statistisch hÀufiger betroffen. Die Altersgruppe der 60- bis 69-JÀhrigen bildet mit fast 50.000 FÀllen den Schwerpunkt.
Neue Technik gegen schlaflose NĂ€chte
Die Industrie reagiert mit innovativen Lösungen. Auf der Fachkonferenz SLEEP 2026 Mitte Juni in Baltimore stellt Onera Health ein System fĂŒr die hĂ€usliche Polysomnographie vor. Der Goldstandard der Schlafdiagnostik soll damit im privaten Umfeld nutzbar werden.
Am UniversitÀtsklinikum Schleswig-Holstein setzt Prof. Armin Steffen auf Zungenschrittmacher. Ein Fall aus 2020 zeigt: Nach dem Eingriff normalisierte sich die Schlafdauer der Patienten deutlich.
Auch fĂŒr den Hausgebrauch gibt es Neuheiten. Zum Tag des Schlafes am 21. Juni prĂ€sentierte Beurer ein Sortiment mit Aroma-Diffusern, Luftreinigern und speziellen Lichtweckern.
Forschung liefert neue Erkenntnisse
Eine chinesische Studie mit ĂŒber 12.000 Teilnehmern ab 65 Jahren untersuchte den Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Depressionen. Ergebnis: Bis zu sieben Stunden Schlaf senken das Risiko fĂŒr depressive Symptome um 31 Prozent pro Stunde. Wer lĂ€nger schlĂ€ft, erhöht das Risiko pro zusĂ€tzlicher Stunde wieder um neun Prozent.
Forscher der UniversitĂ€t ZĂŒrich arbeiten an einem Speicheltest fĂŒr ĂŒbermĂŒdete Autofahrer. Sie identifizierten zehn Biomarker, die akuten Schlafmangel nachweisen. Die UniversitĂ€t Basel liefert Grundlagenforschung: An Fruchtfliegen zeigten sie, dass Darmprozesse Schlafverhalten und Nahrungsaufnahme direkt beeinflussen.
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Therapie: Von Baldrian bis Magnetstimulation
Pflanzliche Mittel wie Baldrian stehen in der Kritik. Experten bemĂ€ngeln: Die beruhigende Wirkung ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Zudem entfaltet sich die volle Wirkung erst nach zwei bis vier Wochen regelmĂ€Ăiger Einnahme. FĂŒr Kinder unter 12 und Schwangere ist das Mittel tabu.
Alternativen gewinnen an Bedeutung:
- Magnetstimulation: Die UniversitÀt Regensburg erforscht die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) gegen Depressionen und Schlafstörungen.
- Meditation: Metta-Meditation und Body-Scans helfen bei angstbedingter Schlaflosigkeit. EEG-Messungen zeigen bei kognitiver Ăbererregung erhöhte Beta-AktivitĂ€t â dem wirken Entspannungstechniken entgegen.
FĂŒr Betroffene gibt es am 18. Juni einen Fachvortrag im Reha-Zentrum am Meer in Bad Zwischenahn. Thema: moderne Therapiemöglichkeiten bei Schlafstörungen.
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