Schlaf und Stress: 80 Prozent der 14- bis 34-JĂ€hrigen fĂŒhlen sich hĂ€ufig belastet
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.dePsychische Faktoren und Alltagsstress haben einen maĂgeblichen Einfluss auf das Schlafverhalten der Bevölkerung. Dabei zeigen wissenschaftliche Erhebungen deutliche Unterschiede zwischen Frauen und MĂ€nnern hinsichtlich HĂ€ufigkeit, Wahrnehmung und Ursachen von Ein- und Durchschlafproblemen. Eine wachsende Zahl von Untersuchungen beleuchtet das Zusammenspiel aus seelischer Belastung, hormonellen Faktoren und gesellschaftlichen Rollenbildern.
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Schlafproblemen
Frauen sind im Durchschnitt deutlich hÀufiger von Schlafstörungen betroffen als MÀnner. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2020, die 13 Beobachtungsstudien mit mehr als 326.000 Teilnehmern auswertete, belegt eine signifikant höhere Insomnie-PrÀvalenz bei Frauen.
Dieser Trend bestĂ€tigt sich auch bei jĂŒngeren Generationen: In einer australischen Bevölkerungsstudie mit 3.778 jungen Erwachsenen berichteten 65,1 Prozent der Frauen ĂŒber eine schlechte SchlafqualitĂ€t, wĂ€hrend dies bei den befragten MĂ€nnern 49,8 Prozent waren.
Gleichzeitig verzeichnet die University of Southampton bei MÀnnern eine etwa dreimal so hÀufige Diagnose von Schlafapnoe. Hinsichtlich psychischer Faktoren verweist die Cleveland Clinic darauf, dass Frauen etwa doppelt so hÀufig von Angststörungen und Depressionen betroffen sind, was die nÀchtliche Ruhe zusÀtzlich belasten kann.
Die GynĂ€kologin Dr. Judith Bildau beschreibt eine VernachlĂ€ssigung dieser Diskrepanz in der medizinischen Praxis. Frauen seien anfĂ€lliger fĂŒr chronische Schlafstörungen, wĂŒrden jedoch selten eingehender darauf untersucht.
Eine chronische Schlafstörung liegt laut Bildau vor, wenn Beschwerden mindestens dreimal pro Woche ĂŒber einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auftreten. Als langfristige Risiken nennt die Medizinerin unter anderem Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gewichtszunahme sowie neurologische Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson.
Biologisch spielen Hormone eine tragende Rolle: WĂ€hrend Progesteron-Abbauprodukte entspannend wirken und Ăstrogen den Tief- sowie den REM-Schlaf stabilisiert, sinken beide Spiegel kurz vor und wĂ€hrend der Menstruation ab. Zudem sei das Upper Airway Resistance Syndrome (UARS) bei etwa der HĂ€lfte aller postmenopausalen Frauen die Ursache fĂŒr chronische Schlaflosigkeit.
Stress und Leistungsdruck als Hauptauslöser
Die Verbreitung von Schlafproblemen betrifft weite Teile der Gesamtgesellschaft. Nach Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) leiden circa 25 Prozent der befragten Menschen in Deutschland unter Schlafstörungen; 10 Prozent erleben ihren Schlaf dauerhaft als nicht erholsam. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes gab die HĂ€lfte der BĂŒrger an, unter Schlafproblemen zu leiden, die zumeist auf Alltagsstress zurĂŒckzufĂŒhren seien.
Besonders junge Menschen stehen unter Druck. Die Studie âZukunft Gesundheit 2026â der vivida bkk unter 1045 Befragten im Alter von 14 bis 34 Jahren ergab, dass 80 Prozent hĂ€ufig gestresst sind. Ăber zwei Drittel der Gestressten klagen ĂŒber Schlafprobleme, und 75 Prozent berichten von hĂ€ufiger psychischer Erschöpfung.
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AuffĂ€llig ist auch hier der Unterschied zwischen den Geschlechtern: 78 Prozent der MĂ€dchen und jungen Frauen fĂŒhlen sich demnach nie gut genug â ein Wert, der bei den mĂ€nnlichen Befragten um 15 Prozentpunkte niedriger liegt.
Dass MĂ€nner seltener ĂŒber Probleme sprechen, zeigt das Projekt âBeyond the Barriersâ der Ostschweizer Fachhochschule unter der Leitung von Dr. Shauna Rohner. In einer Onlinebefragung in der Deutschschweiz mit 525 Erwachsenen gaben MĂ€nner hĂ€ufiger an, niemals professionelle UnterstĂŒtzung gesucht zu haben. Das Ausbleiben von Hilfesuche stehe dabei im Zusammenhang mit dem psychischen Wohlbefinden und traditionellen MĂ€nnlichkeitsnormen.
Wege zu einer besseren Schlafhygiene
Schlafforscher warnen vor einem ĂŒbersteigerten Fokus auf die nĂ€chtliche Erholung. Dr. Christine Blume von der UniversitĂ€t Basel weist darauf hin, dass Schlaf schlechter werde, sobald ihm zu viel Aufmerksamkeit gewidmet werde. Bestrebungen, Schlaf wie ein Leistungsprojekt zu optimieren, seien kontraproduktiv.
Zur Behandlung von Schlaflosigkeit empfiehlt die medizinische Leitlinie vorrangig eine Kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I) statt Medikamenten. Zudem seien ein regelmĂ€Ăiger Schlaf-Wach-Rhythmus mit einer Varianz von maximal 30 Minuten und ausreichend Bewegung bei Tageslicht wirksam.
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Auch technische Hilfsmittel können neuen Stress erzeugen. Laut Celia GarcĂa Malo von der Spanischen Gesellschaft fĂŒr Neurologie (SEN) konsultieren zunehmend Patienten Ărzte wegen niedriger Werte auf ihren Smartwatches.
In einer Studie mit ĂŒber 500 Erwachsenen erfĂŒllten zwischen 3 und 14 Prozent der Teilnehmenden die Kriterien fĂŒr Orthosomnia â eine Zwangsstörung, die durch das ĂŒbermĂ€Ăige Streben nach perfekten Schlafdaten aus Tracking-GerĂ€ten gekennzeichnet ist.
Expertinnen wie die Psychologin Roser Gort betonen, dass gesunder Schlaf lange vor dem Zubettgehen beginne: Abendliche Routinen könnten einen Arbeitstag ohne Erholungspausen nicht ausgleichen. Bei anhaltenden AlptrĂ€umen infolge von Stress verweist Dr. Jonas Mathes von der SRH University zudem auf spezifische kognitive Verhaltenstherapien fĂŒr AlbtrĂ€ume.
