Schlafrhythmus: Unregelmäßige Zeiten verdoppeln Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Erkenntnisse verdeutlichen zunehmend die zentrale Bedeutung eines stabilen Schlafrhythmus für das kardiovaskuläre System. Aktuelle Berichte zeigen, dass ein konsequent eingehaltenes, regelmäßiges Zubettgehen den Blutdruck signifikant senken kann und als wesentlicher Faktor für die allgemeine Gesundheit gilt. Neben der reinen Schlafdauer rückt damit die tägliche zeitliche Konstanz in den Fokus präventivmedizinischer Betrachtungen.
Messbare Blutdrucksenkung durch zeitliche Disziplin
Welche physiologischen Effekte eine feste Schlafenszeit bewirken kann, verdeutlichte eine im Jahr 2025 im Fachjournal Sleep Advances veröffentlichte Untersuchung. An der Studie nahmen elf mittelalterliche Hypertonie-Patienten teil, die im Schnitt rund acht Stunden pro Nacht schliefen.
Nachdem die Probanden zwei Wochen lang ein festes Zubettgehen einhielten, sank die 24-Stunden-Systole um 4 mmHg und die Diastole um 3 mmHg. Bei den nächtlichen Werten zeigte sich ein Rückgang der Systole um 5 mmHg sowie der Diastole um 4 mmHg.
Zugleich reduzierte sich die Varianz der Einschlafzeit von 30 auf 7 Minuten. Die beobachtete Wirkung wird als vergleichbar mit den Effekten von regelmäßiger Bewegung oder einer reduzierten Salzaufnahme eingeordnet.
Auch der Blick auf das vegetative Nervensystem stützt diese Beobachtungen. Bei der Herzfrequenzvariabilität (HRV), welche die Schlag-zu-Schlag-Schwankung des Pulses beschreibt, gilt ein höherer Wert als Zeichen für einen aktiven Parasympathikus beziehungsweise Vagusnerv.
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Ein regelmäßiger und ausreichender Schlaf stellt den größten Hebel dar, um diesen Wert positiv zu beeinflussen, während unregelmäßige Schlafenszeiten – oft als sozialer Jetlag bezeichnet – die HRV absenken.
Im natürlichen Biorhythmus liegt das Tief zwischen 2:00 und 4:00 Uhr morgens: Dort sinkt das Cortisol auf unter 5 Mikrogramm pro Deziliter, während Melatonin hoch ist und Blutdruck sowie Körpertemperatur ihr Tagesminimum erreichen.
Die Herzfrequenz liegt im Tiefschlaf 10 bis 30 Schläge pro Minute unter dem Ruhetagswert. Ein zweites biologisches Tief tritt zwischen 13:00 und 15:00 Uhr auf, wobei die kognitive Leistung in der ersten Stunde nach dem Essen um 8 bis 16 Prozent Standardabweichungen verringert ist.
Erhöhte Risiken bei schwankenden Schlafmustern
Die langfristigen Gefahren unbeständiger Ruhezeiten belegt eine 2026 im Fachjournal BMC Cardiovascular Disorders erschienene Erhebung. Anhand von 3.231 Erwachsenen im Alter von 46 Jahren und einem Beobachtungszeitraum von zehn Jahren zeigte sich, dass eine unregelmäßige Einschlafzeit mit einer Varianz von mehr als 33 Minuten in Kombination mit weniger als acht Stunden Schlaf mit einem rund zweifach höheren Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle einherging.
Eine Auswertung der UK Biobank durch Forscher in Peking, publiziert im Fachblatt PLOS Medicine, analysierte Daten von 95.559 Briten über einen Nachbeobachtungszeitraum von rund neun Jahren auf Basis siebentägiger Messungen mit Handgelenkssensoren.
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Ein Zuwachs von rund 48 Minuten REM-Schlaf pro Nacht war mit 83 seltener auftretenden Leiden verbunden, darunter Demenz (-46 Prozent), Alzheimer (-31 Prozent) und Herzschwäche (-26 Prozent) sowie Vorhofflimmern und Multiple Sklerose. Mehr Tiefschlaf reduzierte das Risiko für sieben Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, schwere Depressionen und Parkinson.
Eine Gesamtschlafdauer von 6 bis 8 Stunden erwies sich für 69 von 86 Krankheitsbildern als optimal, während weniger als 5 Stunden die schlechtesten Werte mit sich brachten. Schwankungen bei der Schlafdauer erhöhten das Risiko für schwere Depressionen um 26 Prozent und für Angststörungen um 23 Prozent.
Einfluss auf das tägliche Aktivitätsniveau
Dass die Schlafzeit auch den folgenden Tag prägt, belegte eine Untersuchung der Monash University an rund 20.000 Erwachsenen über ein Jahr mit sechs Millionen Datensätzen aus Sensorarmbändern. Früheres Zubettgehen führte demnach zu rund 30 Minuten mehr moderater bis intensiver Aktivität am Folgetag; im Vergleich zu einem Zubettgehen um 23:00 Uhr betrug der Vorsprung noch etwa 15 Minuten.
Studienleiter Josh Leota von der School of Psychological Sciences erklärte, dass spätes Schlafengehen die Energie für Bewegung verringere, während früheres Schlafen die Aktivität bei gleicher Schlafdauer steigere. Mitautorin Elise Facer-Childs regte vor diesem Hintergrund gemeinsame Kampagnen für Schlaf und Bewegung an.
