Schmerzen im Lebensverlauf: Viele Formen erreichen vor 55 ihren Höchststand
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine weltweite Untersuchung unter FĂŒhrung der McGill-UniversitĂ€t liefert neue Erkenntnisse ĂŒber das Auftreten von Schmerzen im Lebensverlauf. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass körperliche Schmerzen linear mit dem Alter kontinuierlich zunehmen, zeigt die in der Fachzeitschrift Nature Medicine erschienene Forschungsarbeit, dass zahlreiche Schmerzformen bereits vor dem 55. Lebensjahr ihren Höchststand erreichen.
Auf Basis von Daten aus 902 Bevölkerungsstudien etablierten die Forschenden globale Referenzkurven, die das Auftreten von Schmerzen nach Alter und Geschlecht abbilden.
Umfassende Datenbasis aus ĂŒber drei Jahrzehnten
Die Erhebung stĂŒtzt sich auf Angaben von ĂŒber 6,1 Millionen Menschen aus 118 LĂ€ndern und Territorien, die im Zeitraum von 1990 bis 2025 zusammengetragen wurden. Die analysierten Personen waren zwischen 5 und ĂŒber 100 Jahre alt, wobei gut die HĂ€lfte der Teilnehmenden Frauen waren.
Die Forschenden um Matt Fillingim und Etienne Vachon-Presseau erfassten selbstberichtete Schmerzen an elf Körperregionen: Kopf, Gesicht, Nacken/Schulter, RĂŒcken, HĂŒfte, Knie, FuĂ/Sprunggelenk, Hand/Handgelenk, Ellbogen, Brust und Bauch. Hochintensive Schmerzen wurden ab einem Wert von 7 auf einer Skala von 0 bis 10 eingestuft.
Die Methodik untersuchte kĂŒrzlich berichtete Schmerzen und zielte nicht primĂ€r auf chronische SchmerzzustĂ€nde ab. Auf dieser Grundlage erstellte das Team Benchmark-Kurven, die Ă€hnlich wie pĂ€diatrische Wachstumskurven einen Vergleichsrahmen fĂŒr die Verteilung von Schmerzen ĂŒber die Lebensspanne bieten.
Schmerzverlauf variiert stark nach Körperregion
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Die Analyse verdeutlicht, dass der stĂ€rkste Schmerzanstieg vor dem 55. Lebensjahr stattfindet. Dabei zeigen die unterschiedlichen Körperstellen spezifische VerlĂ€ufe. Kopf- und Bauchschmerzen erreichen ihren Höchststand bereits frĂŒh im Leben: Bauchschmerzen verzeichnen ihr Maximum um das 23. Lebensjahr, Kopfschmerzen um das 34. Lebensjahr.
Im Gegensatz dazu nehmen Beschwerden an RĂŒcken, HĂŒfte und Knien mit fortschreitendem Alter zu und treten ab einem Alter von 75 Jahren besonders hĂ€ufig auf. RĂŒckenschmerz stellte sich ĂŒber alle Gruppen hinweg als die verbreitetste Schmerzform heraus, von der rund 40 % der Menschen betroffen sind.
Insgesamt reicht die PrĂ€valenzspanne von etwa 2 % bei Gesichtsschmerzen bis zu den besagten 40 % bei RĂŒckenschmerzen. Zudem nimmt die Gesamtzahl der gleichzeitig betroffenen Körperregionen mit steigendem Lebensalter zu. Die Studienautoren heben daher junge und mittlere Erwachsene als eine entscheidende Phase fĂŒr prĂ€ventive MaĂnahmen hervor.
Deutliche Unterschiede zwischen Geschlechtern und Regionen
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Frauen berichten der Untersuchung zufolge in fast jedem Lebensalter ĂŒber mehr Schmerzen als MĂ€nner. Die deutlichsten Differenzen zeigten sich bei Gesichtsschmerzen mit einem Plus von 83 % bei Frauen im Vergleich zu MĂ€nnern.
Kopfschmerzen lagen bei Frauen um 74 % höher, Magen- und Bauchschmerzen um 60 %. Schmerzen an irgendeiner Stelle des Körpers gaben Frauen um 16 % hĂ€ufiger an als MĂ€nner. Die Ursachen fĂŒr diese Differenzen bildeten nicht das Hauptresultat der Untersuchung.
DarĂŒber hinaus identifizierte die Analyse sozioökonomische Faktoren: Menschen in weniger industrialisierten LĂ€ndern gaben höhere Schmerzniveaus an, was manchen bisherigen globalen SchĂ€tzungen widerspricht. In Ă€rmeren Regionen zeigte sich zudem eine höhere SchmerzprĂ€valenz im Alter. Insgesamt werden 18,3 % der weltweiten Schmerzlast den Faktoren Tabakkonsum, Adipositas und niedrigem Einkommen zugeschrieben.
