Schulbarometer: 25 Prozent der Kinder psychisch belastet, Wartezeiten bis acht Monate
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 08:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das zeigt die BetterCare-Studie, die im Juli im Fachjournal Lancet Global Health erschien.
Gestufte Hilfe für traumatisierte Jugendliche
Die Studie untersuchte 627 unbegleitete minderjährige Geflüchtete aus 40 Herkunftsländern in 58 deutschen Einrichtungen. Die Ergebnisse sind alarmierend: Im Schnitt berichteten die Jugendlichen von sechs traumatischen Erlebnissen. Bei 43 Prozent wurde eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert.
Das getestete Modell setzt auf zwei Stufen: ein Gruppenprogramm und eine traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie. Nach zwölf Monaten zeigte sich eine signifikante Verbesserung der psychischen Gesundheit. Die Universität Bamberg unter Professor Cedric Sachser war für Datenaufbereitung und Statistik verantwortlich.
Doch das System hat ein massives Problem: Nur die Hälfte der Behandlungsbedürftigen nahm das Angebot tatsächlich an.
Save the Children wies am 14. Juli auf weitere Hürden hin. Von rund 100.000 betroffenen Kindern in Deutschland erhalten viele eine unzureichende Gesundheitsvorsorge. Fachkräfte beklagen zudem, dass gesunde Ernährung oft nicht möglich sei. Bürokratische Instrumente wie Bezahlkarten wirkten stigmatisierend.
Schulen unter Druck: Jedes vierte Kind belastet
Die psychische Verfassung von Kindern und Jugendlichen bleibt angespannt. Laut Schulbarometer 2025/26 gelten rund 25 Prozent der 8- bis 17-Jährigen als psychisch belastet, 15 Prozent zeigen klinische Auffälligkeiten.
Die Wartezeiten auf Therapieplätze sind dramatisch: Bis zu acht Monate müssen Betroffene warten. Eine Elternumfrage ergab zudem, dass sich 60 Prozent der Kinder einsam fühlten. Manche suchten Hilfe bei KI-Anwendungen.
Bewegung könnte ein Schlüssel sein. Das Fitnessbarometer 2026 der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg ermittelte einen Fitnessindex von 53,2 Punkten – basierend auf über 6.000 Tests im Jahr 2025. Der Wert liegt weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 57,0 Punkten. Experten zufolge könne mehr Bewegung in Kita und Schule Ängste reduzieren und die Frustrationstoleranz verbessern.
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Social Media: Warnung vor passiver Nutzung
Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) warnte Mitte Juli vor den Risiken einer passiven und spätabendlichen Social-Media-Nutzung. Diese könne depressive Symptome, Schlafstörungen und Körperunzufriedenheit verstärken. Fachleute empfehlen klare Offline-Zeiten und Online-Trainings zur Medienkompetenz.
Diagnostik in der Kritik
Eine 2025 in der Fachzeitschrift Intelligence veröffentlichte Studie von Stanis?aw Czerwi?ski stellt klassische Depressionsfragebögen infrage. Bei hochintelligenten Menschen stoßen sie an ihre Grenzen, da diese Symptome anders interpretieren. Diskutiert werden Alternativen wie digitale Tracker oder Experience Sampling.
Bei ADHS zeigt sich ein deutlicher Trend: Die Zahl der Neudiagnosen bei Erwachsenen hat sich zwischen 2015 und 2024 fast verdreifacht. Pro 10.000 Versicherte stieg der Wert von 9 auf 26 Fälle jährlich. Fachleute führen dies weniger auf eine reale Zunahme zurück, sondern auf eine verbesserte Diagnostik – ADHS im Erwachsenenalter wurde lange Zeit kaum beachtet.
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Burn-out: Pflegekräfte besonders betroffen
Die Belastung am Arbeitsplatz bleibt hoch. Daten für 2023 zeigen: Führungskräfte in der Gesundheits- und Krankenpflege kommen auf 607,1 Krankheitstage je 1.000 AOK-Mitglieder. Auch im Dialogmarketing und in der Altenpflege liegen die Werte deutlich über dem Durchschnitt von etwa 100 Tagen. Die Diagnosehäufigkeit insgesamt stieg seit 2005 von 1,0 auf 7,7 Fälle je 1.000 Mitglieder.
Neue Hilfe für chronisch Kranke
Eine Partnerschaft zwischen dem Medizintechnikunternehmen Insulet und der Achtsamkeits-Plattform Calm soll chronisch Kranke unterstützen. Der Bedarf in der Diabetes-Community ist enorm: 66 Prozent berichten von schlechter Schlafqualität, 62 Prozent wünschen sich explizite psychische Unterstützung. Das Programm bietet spezifische Achtsamkeitstools, um den Stress im Umgang mit der Erkrankung zu reduzieren.
Mehrfachdiskriminierung im Fokus
Ende 2025 lebten in Deutschland rund 7,8 Millionen Schwerbehinderte. Schätzungen zufolge gehören etwa 858.000 von ihnen der LGBTIQ+-Gemeinschaft an. Verbände fordern verstärkt diskriminierungssensible Konzepte – besonders in der Pflege und bei der psychologischen Betreuung älterer Betroffener.
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