Schulverpflegung, Kinder

Schulverpflegung: 395.000 Kinder profitieren von EU-Obst-Programm

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 02:02 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Steigende Kosten und Fachkräftemangel setzen Schulcaterer unter Druck. Mehrere Anbieter kündigen Verträge, während Länder mit Förderprogrammen gegensteuern.

Schulcaterer in der Krise: Verträge gekündigt und Personalnot
Ein Nahaufnahme eines Schulessens auf einem Tablett in einer leeren Cafeteria, symbolisiert die Herausforderungen der Schulverpflegung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Branche steckt in einem Dilemma.

Caterer am Limit: Entlassungen und Vertragskündigungen

Der wirtschaftliche Druck auf Schulcaterer wächst. In Mecklenburg-Vorpommern entließ der Anbieter uwm Mitte Juli zwölf Mitarbeiter und verlängerte 20 befristete Verträge nicht. Grund: Die Kosten für die Essensausgabe werden oft nicht separat ausgeschrieben, sondern müssen über den reinen Essenpreis finanziert werden. Geschäftsführer Jörg Küfen macht das Problem deutlich: Zusatzleistungen wie Personal für die Ausgabe sind nicht gedeckt.

Noch drastischer ist die Lage in Nordrhein-Westfalen. Ein Caterer aus Heidelberg kündigte zum Schuljahresende die Versorgung von sechs weiterführenden Schulen in Bielefeld. Betroffen sind unter anderem das Helmholtz-Gymnasium, das Max-Planck-Gymnasium und die Theodor-Heuss-Realschule. Die Stadt muss nun schnell Ersatz finden.

Der Fachkräftemangel verschärft die Situation zusätzlich. In Ostdeutschland fordern Gewerkschaften eine Angleichung der Löhne an das West-Niveau. Eine entsprechende Petition sammelte bereits über 102.000 Unterschriften.

Wenn gesundes Essen nicht ankommt

Doch nicht nur die Wirtschaftlichkeit ist ein Problem. Auch die Akzeptanz gesunder Ernährung in den Einrichtungen selbst hapert. Eine Kindertagesstätte in Ludwigslust lehnte Komponenten wie Haferflocken, Nüsse oder Kräuterquark ab und forderte stattdessen Weizenbrot und Gebäck. Die Begründung: Gesunde Lebensmittel entsprächen nicht immer den Vorlieben der Kinder.

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Pädagogen warnen vor falschen Anreizen. „Süßigkeiten sollten niemals als Belohnung für das Aufessen verwendet werden“, betont eine Kita-Leiterin. Das untergrabe das natürliche Sättigungsgefühl und mache Mahlzeiten zu Machtspielen. Besser: Kinder in die Zubereitung einbinden.

Länder setzen auf Förderprogramme

Baden-Württemberg hat ein Projekt zur nachhaltigen Schulverpflegung abgeschlossen. Sechs Kommunen – darunter Ettlingen, Bad Mergentheim und der Landkreis Rottweil – nahmen teil. Über 400 Verwaltungskräfte wurden geschult. Ministerin Marion Gentges betont die Bedeutung regionaler Lebensmittel für das Bewusstsein der Schüler.

Niedersachsen verzeichnet steigende Teilnehmerzahlen beim EU-Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch. Für 2026/27 sind über 395.000 Kinder in rund 2.800 Einrichtungen angemeldet. Das Programm wird mit 7,2 Millionen Euro finanziert, ab 2027 kommen jährlich 3,7 Millionen Euro Landesmittel dazu.

Inklusion und Infrastruktur

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Ein weiterer Fokus: Kinder mit speziellen Ernährungsbedürfnissen. Im Bayerischen Landtag wurde ein Antrag eingebracht, der eine bessere Versorgung von Kindern mit Zöliakie fordert. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen. Vorbilder wie Schweden oder Italien zeigen, wie verbindliche Lösungen aussehen könnten.

Parallel investieren Kommunen in die Infrastruktur. Im Landkreis Rostock sind für die Sommerferien Schulsanierungen im Umfang von 3,4 Millionen Euro geplant. Neben energetischen Sanierungen und Brandschutz geht es auch um die Basis für einen geregelten Ganztagsbetrieb – und damit um die Verpflegung.

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