Senioren, Gerichtsurteile

Senioren und KI: 68% trauen sich die Nutzung nicht zu

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 08:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gerichtsurteile, Förderprogramme und lokale Projekte weltweit verbessern den Technologiezugang für Senioren und bauen Berührungsängste ab.

Globale Initiativen gegen digitale Ausgrenzung älterer Menschen
Ältere Hände bedienen ein Tablet, Symbol für digitale Inklusion und Technologiezugang für Senioren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Neue Gerichtsurteile, staatliche Förderprogramme und private Initiativen kämpfen gegen den digitalen Ausschluss älterer Menschen.

Die digitale Spaltung der Gesellschaft bleibt eine der drängendsten Herausforderungen – und sie betrifft vor allem eine Gruppe: die ältere Generation. Weltweit zeichnet sich nun eine Wende ab. Am 15. Juli 2026 entschied ein US-Bundesgericht, dass die umstrittenen Programme des Digital Equity Act wieder aufgenommen werden müssen. Das 2,75 Milliarden Dollar schwere Projekt – umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro – war im Mai 2024 gestoppt worden. Die Fördergelder fließen nun wieder an einkommensschwache Haushalte, Veteranen und Senioren. Rassische Kriterien wurden gestrichen.

Doch die USA sind nur ein Schauplatz. Von Wolfsburg über Singapur bis nach Polen entstehen neue Strukturen, die älteren Menschen den Zugang zu Technologie erlehtern sollen. Es geht um Hardware, Schulungen – und vor allem um Vertrauen.

Hardware vor Ort: Laptops und Begegnungszentren

Physischer Zugang bleibt die Grundvoraussetzung. In Baltimore verteilten die University of Maryland und die Organisation NPower am 15. Juli 60 kostenlose Laptops an Bewohner ab 60 Jahren. Eine Community-Hotline hilft bei technischen Problemen während der Bürozeiten.

Deutschland setzt auf Begegnung. Die Stadt Wolfsburg eröffnete am 1. Juli sechs neue Zentren speziell für Bürger in der zweiten Lebenshälfte. Betrieben werden sie von Partnern wie dem Roten Kreuz und der Caritas. Neben kulturellen Angeboten steht die digitale Teilhabe im Mittelpunkt. Auch die VHS Bamberg Stadt rüstet auf: Eine Spende im Wert von rund 3.000 Euro ermöglicht moderne Konferenztechnik für hybride Lernformate.

„KI-Schüchternheit“: Großbritannien startet Aufklärungskampagne

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Künstliche Intelligenz verunsichert viele ältere Menschen. Der britische Elektronikhändler Currys hat sich mit der bekannten Fernsehköchin Dame Prue Leith und der Wohltätigkeitsorganisation Independent Age zusammengetan. Das Ziel: die „KI-Schüchternheit“ der Generation 65+ überwinden.

Die Zahlen sind alarmierend: Zwar haben 62 Prozent dieser Altersgruppe ein grundlegendes Verständnis von KI. Doch 68 Prozent fehlt das Selbstvertrauen, die Werkzeuge auch zu nutzen. Besonders brisant: 94 Prozent der Befragten fürchten sich vor KI-gestützten Betrugsmaschen. Currys startet daher ab Juli kostenlose Pilot-Workshops in Birmingham, Solihull und London.

Auch in Asien und Osteuropa wird Sicherheit großgeschrieben. Die ST Foundation hat ihr Programm „Tablet for Seniors“ überarbeitet. Teilnehmer zwischen 65 und 85 Jahren lernen nun den Umgang mit ChatGPT, Gemini und Alltags-Apps wie Grab und Shopee. In Polen soll ein neues Projekt mindestens 8.000 Senioren erreichen – in dreistündigen Workshops zu Netzsicherheit, Betrugserkennung und E-Government.

Strukturen für die Zukunft: Von Halle bis Vietnam

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Deutsche Städte bauen ihre Angebote systematisch aus. Halle (Saale) startete am 14. Juli eine zentrale Plattform, die alle kostenlosen digitalen Bildungsangebote bündelt. Die Universität Vechta gründete bereits im Januar die IDE gGmbH – ein soziales Start-up aus der Forschung. Die Bilanz: rund 1.080 virtuelle Veranstaltungen für Senioren in Pflegeeinrichtungen.

In Vietnam plant die Provinz Lang Son Schulungen zu bargeldlosen Zahlungen und digitaler Gesundheitsversorgung. Unterstützung kommt von lokalen Technologiegruppen und der Polizei. In den USA bleibt der Klinik-Service in Robbinsdale ein wichtiger Ankerpunkt. Die nächste Tech-Sprechstunde findet am 10. August statt.

Wirtschaftliche Teilhabe und die Grenzen der Technik

Digitale Bildung öffnet auch neue wirtschaftliche Perspektiven. Die Organisation „Upon Innovation“ hilft Rentnern, Online-Geschäfte aufzubauen – und übernimmt die technische Infrastruktur. So können Senioren ihre Berufserfahrung im digitalen Marktplatz nutzen.

Doch Technik allein reicht nicht. Experten warnen vor einer zu schnellen Digitalisierung, die ältere Nutzer überfordert. In einem Kommentar vom 16. Juli hieß es, Malaysias digitale Transformation riskiere, Senioren auszuschließen – wenn nicht benutzerfreundliches Design und persönliche Service-Schalter erhalten blieben. Die Debatte um die „menschlichen Kosten“ des digitalen Wandels ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

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