Sitzend, Studie

Sitzend oder stehend urinieren: Studie kann Gleichwertigkeit nicht belegen

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei 52 gesunden MĂ€nnern unterschieden sich die Messwerte wenig; eine statistische Gleichwertigkeit der Haltungen ließ sich jedoch nicht belegen.
Ein minimalistisches, modernes SanitĂ€rinterieur mit weißen Porzellan-Wandelementen in neutralem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Frage, ob MĂ€nner im Sitzen oder im Stehen urinieren sollten, wird seit Jahren sowohl im Alltag als auch in der Urologie diskutiert. Eine Untersuchung der Colombian Urology Research Group, publiziert im Oktober 2026 im Fachjournal Neurourology and Urodynamics, untersuchte die urodynamischen Auswirkungen der beiden Körperhaltungen bei gesunden jĂŒngeren MĂ€nnern.

WĂ€hrend sich im direkten Vergleich keine signifikanten Unterschiede bei der maximalen Harnflussgeschwindigkeit oder dem entleerten Volumen zeigten, verfehlte eine formale ÄquivalenzprĂŒfung den statistischen Nachweis, dass beide Positionen vollkommen gleichwertig sind.

Statistische Äquivalenz bleibt rechnerisch unbestĂ€tigt

In der randomisierten Crossover-Studie unter Leitung von Forschenden um Iregui-Parra, MillĂĄn-Serna, Delgado-Caicedo, Morales GarcĂ­a und Salas Espinosa untersuchte das Team 52 gesunde MĂ€nner im Alter zwischen 18 und 39 Jahren. Jeder Teilnehmer absolvierte Messungen in beiden Positionen mit einem Mindestabstand von 24 Stunden zwischen den Sitzungen. Die Reihenfolge wurde per Zufallsprinzip festgelegt: 24 MĂ€nner begannen im Sitzen, 28 im Stehen.

Bei der maximalen Harnflussgeschwindigkeit (Qmax) lag die Differenz zwischen Sitzen und Stehen bei -1,47 ml/s (95%-Konfidenzintervall -3,55 bis +0,62; p=0,164).

Auch beim entleerten Blasenvolumen zeigte sich mit einem Unterschied von -14,7 ml (95%-Konfidenzintervall -43,9 bis +14,6; p=0,318) kein statistisch signifikanter Effekt.

Obwohl die Differenzen gering ausfielen, war die formale ÄquivalenzprĂŒfung mittels zweier einseitiger Tests (TOST) bei einem definierten Toleranzbereich von ±2,5 ml/s nicht signifikant (p?0,16). Damit ließ sich eine rechnerische Gleichwertigkeit beider Haltungen methodisch nicht zweifelsfrei belegen.

Die Zeit bis zum Erreichen des Spitzenflusses fiel im Stehen um 3,32 Sekunden lĂ€nger aus (95%-Konfidenzintervall 0,94 bis 5,69; p=0,011; nach Bonferroni-Korrektur p=0,031). Dies stufte das Forschungsteam jedoch als klinisch kaum bedeutsam ein, da der Effekt teilweise auf einen statistischen Ausreißer zurĂŒckzufĂŒhren war. Ein wichtiger methodischer Aspekt: Das verbleibende Restharnvolumen nach der Miktion wurde in dieser Studienanordnung nicht erfasst.

Übertragbarkeit auf Ă€ltere MĂ€nner und bisherige Befunde

Das Autorenteam betonte, dass sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf Ă€ltere MĂ€nner oder Patienten mit bestehenden urologischen Beschwerden ĂŒbertragen lassen.

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Die neue Studie zeigt: Bei gesunden jungen MĂ€nnern macht die Haltung kaum einen Unterschied — doch die Forscher betonen ausdrĂŒcklich, dass sich das nicht auf Ă€ltere MĂ€nner mit Prostata-Beschwerden ĂŒbertragen lĂ€sst. FrĂŒhere Arbeiten deuten bei genau dieser Gruppe auf eine vollstĂ€ndigere Blasenentleerung im Sitzen hin. Unser kostenloser Ratgeber fasst zusammen, was das fĂŒr Ihren Alltag bedeutet. Kostenlosen Ratgeber Blasengesundheit anfordern

Bei MĂ€nnern ohne anatomische oder urologische AuffĂ€lligkeiten habe die gewĂ€hlte Position zwar in der Praxis keinen spĂŒrbaren Einfluss auf die gemessenen Parameter, sodass die Position frei gewĂ€hlt werden könne. Dennoch forderten die Wissenschaftler grĂ¶ĂŸere, vorregistrierte Studien an symptomatischen Populationen.

FrĂŒhere wissenschaftliche Arbeiten deuten darauf hin, dass die Körperhaltung bei vorerkrankten MĂ€nnern eine grĂ¶ĂŸere Rolle spielen könnte. Eine 2014 im Fachjournal PLoS One veröffentlichte Metaanalyse von de Jong, die elf Studien umfasste, stellte bei MĂ€nnern mit urologischen Beschwerden im Sitzen eine um 24,96 ml geringere Restharnmenge fest (95%-Konfidenzintervall -48,70 bis -1,23). Bei gesunden MĂ€nnern ergab dieselbe Metaanalyse bei der Spitzenflussrate lediglich einen minimalen Unterschied von 0,18 ml/s.

Eine LiteraturĂŒbersicht der UniversitĂ€t Leiden aus demselben Jahr kam zu Ă€hnlichen SchlĂŒssen: Bei MĂ€nnern mit Harnwegssymptomen oder einer vergrĂ¶ĂŸerten Prostata war die sitzende Haltung mit einer effektiveren Entleerung der Blase und besseren Flusswerten verbunden, wĂ€hrend bei beschwerdefreien MĂ€nnern keine nennenswerten Unterschiede auftraten.

Zugleich hielten die Forscher fest, dass die verfĂŒgbaren Studien klein und heterogen seien und das Sitzen eine benigne Prostatahyperplasie nicht behandeln könne.

Kulturelle Unterschiede und PrÀferenzen

Die Gewohnheiten im Alltag weichen international stark voneinander ab. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2023 unter mehr als 7.000 MÀnnern gaben in den USA lediglich rund 10 Prozent der Befragten an, im Sitzen zu urinieren, wÀhrend dieser Anteil in Deutschland bei etwa 40 Prozent lag.

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Dass individuelle Haltungsvorlieben mitunter mit subjektiven Beschwerden korrelieren, zeigte eine kleinere Befragung von fast 200 MĂ€nnern aus dem Jahr 2020: Wer die sitzende Position bevorzugte, berichtete hĂ€ufiger von bestehenden Harnwegssymptomen. Ein ursĂ€chlicher Zusammenhang ließ sich daraus jedoch nicht ableiten.

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