Smartphone-Nutzung, Senioren

Smartphone-Nutzung: 59 Prozent der über 80-Jährigen digital angekommen

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz hoher Smartphone-Nutzung bei Über-80-Jährigen fehlt vielen Senioren die Unterstützung. Der Filialrückgang verschärft die Lage im Online-Banking.

Digitale Kluft: Ältere Generationen kämpfen mit dem Online-Banking
Ein älterer Mensch nutzt lächelnd ein Tablet in einem hellen, modern eingerichteten Wohnzimmer. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

59 Prozent der über 80-Jährigen nutzen inzwischen ein Smartphone. Doch der Weg in die digitale Welt bleibt für viele ältere Menschen steinig – und die Finanzbranche verschärft das Problem.

Smartphone-Ja, aber Hilfe fehlt

Die SIM-Studie 2021 bis 2024 zeigt: Die Generation 80+ ist digital angekommen. Der Gerontologe Prof. Dr. Michael Doh von der Katholischen Hochschule Freiburg sieht darin klare Vorteile für Fitness und Selbstständigkeit. Doch etwa ein Viertel der Über-60-Jährigen hat niemanden, der ihnen den Umgang mit der Technik erklärt. Genau diese Lücke wird zum entscheidenden Hindernis.

Besonders deutlich wird das beim Online-Banking. Während 83 Prozent der 65- bis 74-Jährigen ihre Finanzen digital regeln, sind es bei den über 75-Jährigen nur 43 Prozent. Kein Wunder: Die Banken ziehen sich aus der Fläche zurück. Seit Ende 2022 verschwanden 3.647 Filialen – ein Rückgang von 18 Prozent. Mehr als die Hälfte der über 65-jährigen Nichtnutzer will Online-Banking derzeit kategorisch ausschließen.

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VR-Brillen und Apps gegen Einsamkeit

In der Pflege setzen Einrichtungen zunehmend auf digitale Erlebnisse. Das Alten- und Pflegeheim St. Alfons in Neumarkt nutzt VR-Brillen für virtuelle Reisen in die Natur oder zu Kunstausstellungen. Einrichtungsleiterin Eva Maria Andraschko berichtet von beruhigenden Effekten bei Demenzkranken. Auch Musikvideos oder virtuelle Globus-Reisen wecken bei Betroffenen Erinnerungen.

Gegen Einsamkeit gibt es inzwischen eine App, die als Kassenleistung anerkannt ist. Sie bietet Videokonferenzen, Foren und virtuelle Gruppenaktivitäten. Fachleute mahnen jedoch: Der tatsächliche Nutzen solcher Angebote muss sorgfältig geprüft werden.

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Hilfe vor Ort: Digital-Lotsen und Aktionstage

In Wiesbaden öffnet die Musterausstellung „Belle Wi“ am 13. August ihre Türen: Digital-Lotsen beraten dort kostenfrei – künftig regelmäßig an jedem zweiten Donnerstag im Monat.

Auch anderswo entstehen Initiativen:

  • Baunatal: Ein Senioren-Arbeitskreis startete das „Senioren-ABC gegen Altersdiskriminierung“, um Berührungsängste abzubauen.
  • Wien: Pensionistenverband und Bundeskanzleramt organisierten Aktionstage zur Registrierung der „ID Austria“. Die Juni-Termine waren komplett ausgebucht.
  • Netzwerke: Projekte wie der „Digital-Kompass“ oder der Verein „Wege aus der Einsamkeit“ vermitteln älteren Menschen digitale Fertigkeiten.

Prof. Doh fordert angesichts dieser Entwicklung flächendeckende, niedrigschwellige Bildungsangebote. Sonst droht eine ganze Generation den Anschluss zu verlieren.

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