Smartwatches, Kalorien

Smartwatches ĂŒberschĂ€tzen Kalorien: Studie zeigt bis zu 450 Prozent Fehler

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutschland und die Schweiz treiben mehr Sport, wÀhrend Fitness-Apps, GLP-1-Mittel und politische PlÀne den Wandel im Sport prÀgen.

Fitness im Wandel: Mehr Sport, digitale Helfer und Selbstoptimierung
Eine leere, moderne Laufbahn in einer naturnahen Umgebung bei Sonnenaufgang als Symbol fĂŒr sportliche AktivitĂ€t. Illustration mit AI erstellt.

Die Bedeutung von körperlicher Fitness und sportlicher AktivitÀt hat in den vergangenen Jahren in Mitteleuropa erheblich zugenommen. Aktuelle Daten und Studien aus dem Jahr 2026 verdeutlichen, dass Sport nicht mehr nur der Gesundheit dient, sondern verstÀrkt als Ausdruck einer umfassenden Selbstoptimierung verstanden wird.

WĂ€hrend die AktivitĂ€tsraten steigen, wandelt sich die Art der AusĂŒbung weg von traditionellen Vereinsstrukturen hin zu individuellen, technologisch begleiteten Formaten.

Hohe AktivitÀtsraten in Deutschland und der Schweiz

Untersuchungen zur sportlichen BetĂ€tigung belegen ein hohes Niveau in der DACH-Region. Laut dem Freizeit-Monitor 2026, fĂŒr den 3.000 Personen befragt wurden, liegt die SportaktivitĂ€t in Deutschland aktuell bei 53 Prozent.

Zehn Jahre zuvor, im Jahr 2016, betrug dieser Wert lediglich 36 Prozent. Die durchschnittliche werktÀgliche Freizeit der Deutschen wird in der Erhebung mit 3 Stunden und 56 Minuten angegeben.

In der Schweiz zeigt sich ein Ă€hnliches Bild. Das Land zĂ€hlt neben Finnland und Schweden zu den sportlichsten Nationen Europas. Den Erhebungen von „Sport Schweiz 2026“ zufolge gehen 25 Prozent der Bevölkerung regelmĂ€ĂŸig schwimmen, wĂ€hrend 50 Prozent wandern.

Ein signifikanter Strukturwandel zeigt sich darin, dass mittlerweile 20 Prozent der Schweizer in Fitnessstudios trainieren – damit ĂŒbertrifft diese Gruppe erstmals die Zahl der in Sportvereinen Aktiven.

Dennoch bleibt der Zugang zu Vereinen begehrt: Jeder zehnte Schweizer Sportverein fĂŒhrt derzeit eine Warteliste. Regional gibt es Unterschiede; so wurde im Tessin nach der Pandemie ein RĂŒckgang der sportlichen AktivitĂ€ten beobachtet.

Körperlichkeit als Gegenpol zur Digitalisierung

Der Trend zur körperlichen Herausforderung wird in der Medienlandschaft zunehmend als Kontrastprogramm zur voranschreitenden Digitalisierung gerahmt. WĂ€hrend laut Freizeit-Monitor 42 Prozent der Deutschen mindestens wöchentlich KI-Anwendungen privat nutzen – bei den 18- bis 34-JĂ€hrigen sind es sogar 64 Prozent –, etablieren sich TV-Formate, die physische Höchstleistungen ins Zentrum rĂŒcken.

Sendungen wie „Gladiators – Die Show der Giganten“ oder „Ninja Warrior Germany“ betonen die Körperlichkeit als Gegenentwurf zur virtuellen Welt. Der Moderator Jan Köppen sieht hierin einen klaren Trend zu physischen Herausforderungen.

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Parallel dazu rĂŒckt das Thema der extremen Selbstoptimierung in den Fokus. Eine Dokumentation mit dem Titel „Das Ich-Zeitalter“ thematisiert Trends wie Longevity, Biohacking und Microdosing. Beispiele wie der Fall des 26-jĂ€hrigen Vimal Kamaraj, der plant, sich nach seinem Tod einfrieren zu lassen, illustrieren die RadikalitĂ€t dieses Strebens.

Fachleute wie der Psychiater Stefan Röpke warnen in diesem Zusammenhang vor den negativen Folgen eines ĂŒbersteigerten Perfektionsstrebens. Auch prominente Beispiele wie der ehemalige Fußball-Weltmeister Bixente Lizarazu zeigen die Grenzen auf: Der 54-JĂ€hrige leidet laut Berichten an einer Muskelsucht und verspĂŒrt den permanenten Drang, sich weiterhin wie ein Profi-Athlet fĂŒhlen zu mĂŒssen.

Technologische Ungenauigkeiten und pharmazeutische Trends

Trotz der hohen AffinitĂ€t zu Fitness-Technologien gibt es wissenschaftliche Vorbehalte gegenĂŒber deren Genauigkeit. Eine in der Fachzeitschrift „PLOS One“ veröffentlichte Studie der Florida International University untersuchte Smartwatches wie die Apple Watch Series 8, die Samsung Galaxy Watch 5 und die Garmin Forerunner 955. Die Ergebnisse zeigen, dass diese GerĂ€te den Kalorienverbrauch im Median um 15 bis 25 Prozent ĂŒberschĂ€tzen, in EinzelfĂ€llen sogar um bis zu 450 Prozent. Die Ungenauigkeit nehme zudem bei einem höheren Körperfettanteil der Nutzer zu.

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Neben technischer UnterstĂŒtzung rĂŒcken auch pharmazeutische Hilfsmittel in den Breitensport vor. Eine Befragung der Loughborough University unter 114 Sportmedizinern ergab, dass 12 Prozent von ihnen Athleten kennen, die GLP-1-Medikamente, sogenannte Abnehmspritzen, ohne medizinische Notwendigkeit nutzen.

WĂ€hrend bekannte Persönlichkeiten wie Serena Williams die Nutzung solcher PrĂ€parate öffentlich gemacht haben, fordern 44 Prozent der befragten Mediziner ein Verbot fĂŒr Sportler, wĂ€hrend die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) diese Substanzen beobachtet.

Politische Weichenstellungen im deutschen Sport

In Deutschland wird die Bedeutung des Sports derzeit auch auf politischer Ebene neu sortiert. Nachdem das Amt des Staatsministers fĂŒr Sport seit Ende Juli vakant war, wurde der ehemalige Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe als Nachfolger von Christiane Schenderlein benannt. Eine seiner zentralen Aufgaben wird die Koordination einer möglichen deutschen Olympia-Bewerbung sein.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) plant, am 26. September ĂŒber eine entsprechende Kandidatur zu entscheiden. Parallel dazu werden regionale Initiativen wie die EuropĂ€ische Woche des Sports in Frankfurt gefördert, die Ende September mit rund 750 Veranstaltungen die sportliche Teilhabe in der Breite stĂ€rken soll.

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