Statin-Studie mit 5.772 Erwachsenen: CAC-Scan verändert die Therapieempfehlung
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie präventive Gabe von Statinen zur Senkung des kardiovaskulären Risikos stützt sich in der klinischen Praxis überwiegend auf risikobasierte Rechenmodelle. Auf dem ESC Congress 2026 vorgestellte Ergebnisse der klinischen Untersuchung CorCal Outcomes unter Leitung von Joseph B. Muhlestein vom Intermountain Medical Center beleuchten nun den Nutzen alternativer Diagnosepfade.
Die Untersuchung verglich die gezielte Empfehlung zur Statintherapie auf Basis einer Koronarkalk-Computertomografie (CAC) mit dem klassischen PCE-Risikoscore (Pooled Cohort Equations).
Studiendesign und Studienpopulation
In das Studienprogramm wurden 5.772 Erwachsene aufgenommen, bei denen zu Beginn weder eine atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung (ASCVD) noch ein Diabetes mellitus oder eine vorangegangene Statintherapie vorlagen.
Das Durchschnittsalter der Kohorte betrug 64 Jahre, der Frauenanteil lag bei 51 Prozent. Die Rekrutierung der Probanden erfolgte ĂĽber das Gesundheitssystem Intermountain Health Care in den Canyons- und Desert-Regionen der Vereinigten Staaten.
Die Teilnehmenden wurden randomisiert zwei Zuteilungsarmen zugewiesen: Während eine Gruppe eine Statin-Empfehlung anhand des herkömmlichen PCE-Risikoscores erhielt, diente in der Vergleichsgruppe ein Koronarkalk-Scan als Entscheidungsgrundlage für eine Medikation.
Weniger Verschreibungen bei identischer Ereignisrate
Im Verlauf zeigte sich eine deutliche Diskrepanz im Verordnungsverhalten. Die Probanden im PCE-Studienarm erhielten mehr als dreimal so häufig eine Statin-Empfehlung wie diejenigen in der Gruppe mit Koronarkalk-CT.
Trotz der geringeren Anzahl an Verordnungen in der CAC-Gruppe blieben die klinischen Ergebnisse auf einem vergleichbaren Niveau. Nach einem durchschnittlichen Nachbeobachtungszeitraum von 4,2 Jahren belief sich die Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) – definiert als Tod jeglicher Ursache, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Revaskularisation – in beiden Gruppen auf exakt 2,7 Prozent. Das relative Risiko wies eine Hazard Ratio von 0,99 auf, bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,71 bis 1,38. Gleichwohl wurde das statistische Kriterium für die Nichtunterlegenheit des CAC-Ansatzes formal nicht erreicht; der entsprechende p-Wert lag bei 0,045.
Wer sich mit der Interpretation medizinischer Kennwerte für die Herzgesundheit befasst, sollte die Bedeutung seiner Laborergebnisse genau kennen. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind – und welche oft überbewertet werden. Was verraten Ihre Blutwerte wirklich? Jetzt kostenlos prüfen
Erhöhte Therapietreue durch Bildgebung
Ein zentraler Befund betraf die Therapietreue der Patienten. Unter den Personen, denen ein Statin tatsächlich empfohlen wurde, betrug die Adhärenz in der CAC-Gruppe 62 Prozent. Im Vergleich dazu befolgten im PCE-Arm lediglich 23 Prozent der Patienten die Verordnungsempfehlung. Teilnehmer, die sich einem Scan unterzogen hatten, zeigten sich Berichten zufolge 2,7-mal eher geneigt, die medikamentöse Therapie fortzusetzen.
Studienleiter Muhlestein verwies darauf, dass die kardiovaskuläre Ereignisrate im Untersuchungszeitraum niedriger als im Vorfeld kalkuliert ausgefallen sei. Dies habe die statistische Power der Studie verringert. Die gesammelten Daten sollen nun als Fundament für eine nachfolgende Studie mit höherer statistischer Teststärke dienen.
Neben der medikamentösen Einstellung spielt die aktive Gesundheitsvorsorge eine entscheidende Rolle für ein langes, beschwerdefreies Leben. Erfahren Sie in diesem 2-Minuten-Test, wie fit Ihr Körper im Vergleich zu Gleichaltrigen wirklich ist. Kostenlosen Bio-Alter-Check hier starten
Die Ergebnisse ergänzen die bisherige regulatorische Einordnung: In den europäischen Leitlinien von ESC und EAS aus dem Jahr 2025 war ein erhöhter Koronarkalkwert bereits als zusätzlicher Indikator für Patienten mit mittlerem oder grenzwertigem Risiko aufgenommen worden.
