Statine im Alter: Studie zeigt Absetzen erhöht Risiko nicht
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 14:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deFĂŒr viele Ă€ltere Menschen gehören Statine seit Jahren zum festen Bestandteil der tĂ€glichen Medikation. Doch lohnt sich die FortfĂŒhrung dieser Cholesterinsenker auch dann noch, wenn keine Herz-Kreislauf-Erkrankung vorliegt?
Eine randomisierte Studie des Uniklinikums Bordeaux, die in The Lancet Healthy Longevity veröffentlicht wurde, liefert dazu differenzierte Befunde â und stellt sie in einen komplexen Kontext widersprĂŒchlicher Forschungsergebnisse.
Die Bordeaux-Studie im Detail
Das Forschungsteam um Fabrice Bonnet und Jean-Philippe Joseph untersuchte 1160 Teilnehmer ab 75 Jahren, ĂŒberwiegend Frauen, mit einem Medianalter von 80 Jahren. Rekrutiert wurden sie aus 291 Hausarztpraxen in Frankreich.
Voraussetzung fĂŒr die Teilnahme war eine Statin-Einnahme zur PrimĂ€rprĂ€vention ĂŒber mindestens ein Jahr, ohne bestehende atherosklerotische Erkrankung und ohne Vorgeschichte von Herzinfarkt oder Schlaganfall. UrsprĂŒnglich waren 2430 Teilnehmer geplant, die Studie lief ĂŒber 36 Monate von Juni 2016 bis Januar 2020.
Nach 36 Monaten lag die Sterblichkeit in der Gruppe, die Statine absetzte, bei 7,2 Prozent (35 von 484 Personen), gegenĂŒber 7,9 Prozent (48 von 604 Personen) in der Gruppe, die die Medikation fortsetzte. Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse traten bei 5,0 Prozent der Personen nach Absetzen auf, verglichen mit 4,4 Prozent bei fortgesetzter Einnahme.
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UnerwĂŒnschte Ereignisse insgesamt wurden bei 74,0 Prozent nach Absetzen und bei 73,1 Prozent unter FortfĂŒhrung registriert. Eine Verbesserung der LebensqualitĂ€t durch das Absetzen der Statine konnte die Studie nicht feststellen.
Interessant ist der Blick auf die Blutfettwerte: Der LDL-Wert stieg nach dem Absetzen von 1,15 auf 1,71 g/l an â ohne dass dies mit einem Anstieg von Herzinfarkten oder SchlaganfĂ€llen einherging.
Die beteiligten Forscher betonen jedoch, dass aus den Ergebnissen keine generelle Empfehlung zum Absetzen abzuleiten sei. Die Therapieentscheidung sollte individuell und in Absprache mit dem behandelnden Arzt getroffen werden. Zudem bleibt offen, ob sich die Resultate auf Patienten mit SekundĂ€rprĂ€vention â also mit bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung â ĂŒbertragen lassen.
WidersprĂŒchliche Befunde aus anderen Studien
Die Bordeaux-Daten fĂŒgen sich nicht widerspruchsfrei in die bestehende Forschungslandschaft ein. DĂ€nische und italienische Studien hatten das Absetzen von Statinen zuvor mit einem um 30 Prozent höheren kardiovaskulĂ€ren Risiko in Verbindung gebracht.
Auch die australische STAREE-Studie der Monash University zeichnet ein anderes Bild. Bei rund 10.000 Teilnehmern ĂŒber 70 Jahren ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung, Diabetes oder Demenz senkte eine tĂ€gliche Gabe von 40 mg Atorvastatin ĂŒber einen Zeitraum von rund sechs Jahren das relative Risiko fĂŒr schwere kardiovaskulĂ€re Ereignisse um 30 Prozent (6 Prozent versus 8,3 Prozent unter Placebo).
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Allerdings zeigte sich in derselben Studie kein signifikanter Effekt auf das demenzfreie Ăberleben (12,8 Prozent versus 13,6 Prozent) und auch keine VerlĂ€ngerung des behinderungsfreien Ăberlebens.
Eine dÀnische Beobachtungsstudie an 132.000 Typ-2-Diabetikern kommt zu einem weiteren bemerkenswerten Ergebnis: Wurde die Statin-Therapie innerhalb eines Jahres nach der Diabetes-Diagnose begonnen, war dies mit einem um 15 Prozent geringeren relativen Demenzrisiko verbunden.
Ausblick auf weitere Forschung
Die widersprĂŒchlichen Resultate aus Frankreich, DĂ€nemark, Italien und Australien verdeutlichen, wie uneinheitlich der aktuelle Forschungsstand zur Statin-Therapie im höheren Lebensalter ausfĂ€llt.
Weitere Klarheit soll die laufende US-amerikanische Studie PREVENTABLE bringen, fĂŒr die 20.000 Teilnehmer vorgesehen sind. Bis belastbarere Daten vorliegen, bleibt die Entscheidung ĂŒber FortfĂŒhrung oder Absetzen von Statinen bei Ă€lteren Patienten ohne GefĂ€Ăerkrankung eine Frage der individuellen Ă€rztlichen AbwĂ€gung.
