Stürze, Gezielte

Stürze: Gezielte Übungen senken Risiko um bis zu 49 Prozent

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 07:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Gezielte Übungen können das Sturzrisiko älterer Menschen um bis zu 49 Prozent senken. Auch Medikamentenverzicht und Hilfsmittel helfen.

Sturzprävention bei Senioren: Training senkt Risiko drastisch
Eine ältere Person, die in einem hellen Fitnessstudio mit einem Physiotherapeuten Gleichgewichtsübungen macht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die WHO und nationale Fachverbände schlagen Alarm: Stürze sind eine der größten Gefahren für ältere Menschen. Doch die Folgen sind nicht nur körperlich. Viele Betroffene entwickeln ein Post-Fall-Syndrom – die Angst vor weiteren Stürzen führt zu Bewegungsmangel. Das Problem: Weniger Bewegung beschleunigt den Muskelabbau und erhöht das Risiko für neue Unfälle weiter.

Gezieltes Training senkt das Risiko drastisch

Spezifische Bewegungsprogramme wirken. Dr. Karlheinz Schöll, Chefarzt für Geriatrie am Caritas-Klinikum Saarbrücken, stellte Mitte Juli 2026 das „Esslinger Modell“ vor. Das Ergebnis: Gezielte Übungen senken das Sturzrisiko um 29 bis 49 Prozent.

Zur Diagnose dient der „Timed Up and Go-Test“. Wer ihn in unter zehn Sekunden schafft, gilt als sicher. Werte über 20 Sekunden deuten auf deutliche Einschränkungen hin.

Orthopäde Dr. Peter Krapf empfiehlt eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining. Das sei die wirksamste Waffe gegen Sarkopenie – den altersbedingten Muskelschwund. Eine Stanford-Studie in „Nature Aging“ zeigt: Der Abbau beginnt bereits ab dem 40. Lebensjahr. Frühzeitige Prävention ist entscheidend.

Neue Formate wie „Walking Football“ (Geh-Fußball) gewinnen an Bedeutung. Sie fördern Koordination und soziale Interaktion – ohne Körperkontakt. Für Parkinson-Patienten erschien im Mai 2026 ein spezielles Bewegungshandbuch mit Übungen zur Selbsthilfe.

Medikamente und Hilfsmittel: Was wirklich hilft

Auch Medikamente spielen eine Rolle. Laut Fachärzten lässt sich das Sturzrisiko um 39 Prozent senken, wenn bestimmte Psychopharmaka abgesetzt werden. Hüftprotektoren reduzieren Knochenbrüche bei Stürzen um rund 60 Prozent.

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Bei Nahrungsergänzungsmitteln sieht die Lage differenziert aus. Eine BMJ-Metaanalyse über 69 Studien mit 150.000 Teilnehmern zeigt: Vitamin D allein senkt das Frakturrisiko nicht. Die Kombination aus Calcium und Vitamin D dagegen reduziert das Risiko für Hüftfrakturen um 16 Prozent. Empfohlen wird sie vor allem für Risikogruppen wie Pflegeheimbewohner oder Osteoporose-Patienten.

Bewegung schützt auch das Gehirn

Eine Studie aus dem Sommer 2026 zeigt einen überraschenden Zusammenhang: Bereits 3.000 Schritte täglich verlangsamen die Ablagerung von Tau-Proteinen im Gehirn – ein Prozess, der eng mit Alzheimer verbunden ist. Bei 5.000 bis 7.500 Schritten verstärkt sich der Effekt weiter.

Forscher entdeckten zudem die Rolle des Enzyms NOX4 bei der Muskelreparatur. Regelmäßiges Lauftraining normalisiert dessen Spiegel. Das belegen Studien vom Juni und Juli 2026.

Parallel dazu untersuchen Wissenschaftler die sogenannte MIND-Diät. Eine 15-jährige Langzeitstudie der Universität Ljubljana kam im Sommer 2026 zu einem deutlichen Ergebnis: Die Ernährungsform senkt das Demenzrisiko um bis zu 35 Prozent.

Sturzgefahr im Beruf und auf der Straße

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Angst vor Stürzen führt oft zu Bewegungsmangel – doch das beschleunigt den Muskelabbau. Brechen Sie den Kreislauf mit einfachen Übungen, die Sie zu Hause durchführen können. Der Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie mit nur 10 Minuten täglich Ihre Sicherheit verbessern. Sicherheitstraining für zu Hause starten

Auch am Arbeitsplatz bleibt das Thema relevant – besonders in der Landwirtschaft. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) meldete für 2025 einen Rückgang meldepflichtiger Unfälle um 4,6 Prozent. Doch Sturz- und Stolperunfälle machen weiterhin 28 Prozent aller Fälle aus. Die SVLFG fördert Investitionen in die Sicherheit mit bis zu 25 Prozent.

Im öffentlichen Raum fordern Mobilitätsorganisationen strukturelle Anpassungen. Der Grund: In Regionen wie Kärnten waren 2025 drei Viertel der tödlich verunglückten Radfahrer über 65 Jahre alt. Gefordert werden ein dichteres Radwegenetz und reduzierte Geschwindigkeiten in Ortsgebieten.

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