Sturzrisiko, Sensoren

Sturzrisiko im Alter: Sensoren überwachen Wohnungen ohne Videokameras

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Radar, Wärmesensoren und Strommessung erkennen Verhaltensänderungen; Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit sind noch ungeklärt.

Nottingham Trent entwickelt KI-System für mehr Sicherheit zu Hause
Ein minimalistisch eingerichteter, sonnendurchfluteter Wohnraum mit Holzboden und einem Sessel in einer ruhigen, privaten Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Für ältere Menschen, die allein zu Hause leben, gewinnt technologische Unterstützung im Alltag zunehmend an Bedeutung. Um Stürze oder plötzliche Notlagen zu registrieren, ohne die Privatsphäre durch Videoüberwachung zu verletzen, haben Forschende der Nottingham Trent University gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Integrated System Technologies ein sensorbasiertes Überwachungssystem entwickelt.

Das Projekt kombiniert künstliche Intelligenz mit verschiedenen Sensortechnologien, um Abweichungen von normalen Verhaltensmustern vollautomatisch zu erkennen und Angehörige oder Pflegekräfte im Ernstfall zu alarmieren.

Kombination aus Radar, Wärmebild und Strommessung

Das entwickelte System verzichtet vollständig auf optische Videokameras sowie auf tragbare Notrufgeräte wie Armbänder oder Medaillons, die im Alltag oft vergessen oder abgelegt werden. Stattdessen setzt die Entwicklungsgemeinschaft auf drei fest im Wohnbereich integrierte Messmethoden:

  • Millimeterwellenradar: Zur Erfassung von Bewegungen innerhalb der Räume.
  • Niedrig aufgelöste Wärmesensoren: Diese erfassen lediglich grobe thermische Umrisse, reichen jedoch aus, um Körperhaltungen wie Sitzen, Stehen, Gehen und Liegen zuverlässig zu unterscheiden.
  • Intelligente Steckdosen: Sie messen den Stromverbrauch elektrischer Geräte, um typische Alltagsaktivitäten wie das Kochen oder Fernsehen nachzuvollziehen.

Die eingebundene künstliche Intelligenz lernt anhand dieser Datenquellen die individuellen Gewohnheiten der Bewohner kennen. Weicht das Verhalten signifikant von den typischen Tagesabläufen ab – etwa wenn über ungewöhnlich lange Zeit keine Bewegung registriert wird oder eine Person am Boden liegt –, löst das System eine Benachrichtigung an externe Bezugspersonen oder professionelle Pflegedienste aus. Auf diese Weise soll älteren Bürgern ein längeres und selbstständiges Wohnen in den eigenen vier Wänden ermöglicht werden.

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Veröffentlichung der Ergebnisse und Testumgebung

Erste wissenschaftliche Erkenntnisse zu dem Assistenzsystem wurden im August 2026 im Fachjournal Sensors unter der Digital-Object-Identifier-Kennung 10.3390/s26165066 veröffentlicht. Die zugrunde liegenden Laborversuche fanden in einer simulierten Wohnumgebung statt, in der die Forschenden der Nottingham Trent University und von Integrated System Technologies insgesamt sechs unterschiedliche Raumkonfigurationen testeten.

Die Tests sollten belegen, ob die Kombination der verschiedenen Umgebungssensoren ausreicht, um Alltagsroutinen lückenlos abzubilden, ohne dass dabei detaillierte Bilddaten an Dritte übertragen werden müssen.

Grenzen des Prototyps und offene Fragen

Trotz der gemeldeten Fortschritte befindet sich das System weiterhin in einem frühen Entwicklungsstadium. Der Prototyp ist in den Wohnräumen derzeit noch sehr auffällig installiert.

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Zudem bestehen funktionale Einschränkungen: So ist die automatische Erkennung konkreter medizinischer Akutereignisse wie eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Das System registriert primär Verhaltensänderungen und Bewegungsmuster, nicht jedoch vitale Körperfunktionen.

Auch bei der praktischen Zuverlässigkeit bleiben zentrale Parameter ungeklärt. Bislang liegen keine gesicherten Daten zur Fehlalarmquote und zur allgemeinen Alarmzuverlässigkeit im dauerhaften Realbetrieb vor.

Zudem birgt das kontinuierliche Erfassen von Bewegungsprofilen trotz des Verzichts auf Videobilder datenschutzrechtliche Risiken, da aus den Aktivitätsdaten detaillierte Rückschlüsse auf das Privatleben der überwachten Personen gezogen werden können.

Weitere Entwicklungsphasen müssen zeigen, ob das System die Lücke zwischen Sicherheitsgewinn und Alltagstauglichkeit im privaten Wohnumfeld schließen kann.

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