Tagesschlaf, Senioren

Tagesschlaf bei Senioren: Studie verknĂŒpft hĂ€ufiges Nickerchen mit 48 Prozent mehr Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 16:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitstudie verknĂŒpft hĂ€ufige Tagschlafphasen mit spĂ€terer Demenz, belegt jedoch keine ursĂ€chliche Wirkung.
Ein sonnendurchflutetes, ruhiges Schlafzimmer am Nachmittag mit einem ordentlich gemachten Bett und weichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ein regelmĂ€ĂŸiger Mittagsschlaf gilt vielen Menschen als erholsame Pause im Alltag. Wissenschaftliche Untersuchungen liefern jedoch differenzierte Einblicke in die ZusammenhĂ€nge zwischen verĂ€nderten Schlafgewohnheiten und neurodegenerativen Erkrankungen.

Eine im Fachjournal The Journals of Gerontology: Medical Sciences am 5. Oktober 2026 online veröffentlichte Untersuchung der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health zeigt, dass hĂ€ufiges Schlafen am Tag bei Ă€lteren Erwachsenen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit fĂŒr spĂ€tere Demenzerkrankungen einhergehen kann.

Statistische ZusammenhÀnge und Schlafmuster

FĂŒr die Langzeitbeobachtung werteten die Forscher Daten von 995 US-Medicare-Versicherten im Alter ab 65 Jahren aus, die zu Beginn der Erfassung im Jahr 2013 keine Demenzdiagnose aufwiesen.

Über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 10 Jahren, der bis 2023 reichte, wurden 417 Teilnehmer – was einem Anteil von circa 42 Prozent entspricht – als mögliche oder wahrscheinliche DemenzfĂ€lle klassifiziert.

Die Analyse verdeutlichte deutliche Unterschiede zwischen den Schlafgewohnheiten: Ein hÀufiger Tagesschlaf, der an den meisten Tagen oder tÀglich stattfand, war im Vergleich zu seltenem oder gar keinem Schlafen am Tag mit einem um 48 Prozent höheren Demenzrisiko verbunden.

Dieser Zusammenhang blieb auch nach statistischer Bereinigung um bestehende GesundheitszustÀnde und die QualitÀt des Nachtschlafs bestehen. In den Rohdaten spiegelte sich dieser Trend wider: Bei Personen mit hÀufigem Tagesschlaf traten in 51 Prozent der FÀlle Demenzerkrankungen auf, verglichen mit 42 Prozent bei gelegentlichem und 38 Prozent bei seltenem oder fehlendem Tagesschlaf.

Besonders deutlich zeigte sich das Muster bei einer zeitlichen Trennung: Wurden FÀlle ausgeschlossen, die bereits innerhalb der ersten 5 Jahre auftraten, blieb hÀufiges Schlafen am Tag weiterhin mit einem um 75 Prozent höheren Risiko verbunden.

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Auch die Art des Einschlafens spielte eine Rolle. Ein unbeabsichtigtes Einnicken war mit einem um 39 Prozent gesteigerten Demenzrisiko verknĂŒpft, wĂ€hrend ein Tagesschlaf von höchstens 30 Minuten ein um 40 Prozent höheres Risiko aufwies.

Bei geplanten Ruhephasen zeigte sich nach statistischen Anpassungen hingegen kein klarer Zusammenhang mehr. Zudem schwĂ€chte sich die Assoziation fĂŒr Ruhezeiten von mehr als 30 Minuten ab, sobald nĂ€chtliche SchlafqualitĂ€t, TagesschlĂ€frigkeit und das Risiko fĂŒr Schlafapnoe berĂŒcksichtigt wurden.

FrĂŒher Indikator statt direkter Auslöser

Im Krankheitsverlauf zeigte sich zudem, dass die Schlafdauer am Tag bei betroffenen Personen schneller anstieg als bei gesunden Teilnehmenden. Dieser Anstieg verstĂ€rkte sich, je nĂ€her der Zeitpunkt der Diagnose rĂŒckte.

Studienautor Adam Spira ordnete die Befunde so ein, dass vermehrter Tagesschlaf primĂ€r ein Indikator fĂŒr bereits einsetzende HirnverĂ€nderungen sein könnte und nicht zwingend deren Ursache darstelle.

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Der Zusammenhang könne zudem wechselseitig verlaufen: Ein ĂŒbermĂ€ĂŸiger Tagschlaf verringere den homöostatischen Schlafdruck am Abend, störe den Nachtschlaf und stehe dadurch mit neurobiologischen Prozessen wie Beta-Amyloid-Ablagerungen und Neuroinflammation in Verbindung.

Erstautorin Kening Jiang wies darauf hin, dass das Schlafverhalten am Tag dennoch als leicht zugĂ€nglicher FrĂŒhmarker dienen könne, um gefĂ€hrdete Ă€ltere Personen frĂŒhzeitig zu identifizieren und gezielte prĂ€ventive Maßnahmen einzuleiten.

Methodische EinschrÀnkungen der Beobachtung

Die Autorinnen und Autoren betonen methodische Grenzen der Studie. Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelte, lĂ€sst sich keine direkte KausalitĂ€t ableiten. Zudem wurden die Schlafgewohnheiten der Teilnehmenden lediglich zu einem einzigen Zeitpunkt erfasst, wĂ€hrend DemenzfĂ€lle ĂŒber einen validierten Algorithmus und nicht ĂŒber individuelle klinische Untersuchungen bestimmt wurden.

DarĂŒber hinaus beeinflussen diverse Begleitfaktoren das SchlafbedĂŒrfnis am Tag, darunter chronische Schlafstörungen in der Nacht, Schlafapnoe, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die Einnahme bestimmter Medikamente.

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